Afrika RHEINPFALZ Plus Artikel Papst Franziskus bereist Kongo und Südsudan

Papst Franziskus in Mosambik, einer Station seiner siebentägigen Afrikareise im September 2019.
Papst Franziskus in Mosambik, einer Station seiner siebentägigen Afrikareise im September 2019.

Korruption und Misswirtschaft, Bürgerkrieg und Vertreibungen – der Kongo hat viele Probleme. Ende Januar besucht Papst Franziskus das Land.

Das ist kein zimperlicher Papst. Von einem Knieleiden noch nicht ganz genesen macht sich Franziskus am Montag auf zu einer Afrikareise, der vierten seines Pontifikats. Sie wird ihn in zwei der unseligsten Staaten des Kontinents führen, die Demokratische Republik Kongo (RDC) und den Südsudan. Im Südsudan hungern Millionen Menschen, und der Kongo wird von Rebellentruppen, islamischen Extremisten und von Truppen aus den Nachbarländern gepeinigt.

Derzeit könnte täglich ein Krieg des Kongo mit dem Nachbarland Ruanda ausbrechen, in dessen Zentrum dann die ostkongolesische Provinzhauptstadt Goma stünde. Auch sie wollte Franziskus besuchen. Doch die Etappe wurde aus Sicherheitsgründen gestrichen. „Nicht weil der Papst Angst um sein eigenes Leben gehabt hätte“, erklärt Matteo Bruni, Pressechef des Heiligen Stuhles: Er habe vielmehr verhindern wollen, dass Gläubige ihr Leben aufs Spiel setzen, um mit ihm die Messe zu feiern.

Rund 45 Millionen Katholiken im Kongo

So wird der 86-jährige Papst die vier Tage seiner Kongo-Visite in der Hauptstadt Kinshasa verbringen, die rund 17 Millionen Einwohner zählt. Um den Feierlichkeiten des Papstbesuchs genug Raum zu verschaffen, wurde die Stadt in den vergangenen Wochen gründlich „gesäubert“. Unter anderem machten Bulldozer die Stände Tausender Kleinhändler am Straßenrand platt.

Ettore Balestrero, Nuntius der katholischen Kirche in Kinshasa, meint, der Papstbesuch käme für die meisten Kongolesen „der Erfüllung eines Traums“ gleich. Der letzte Pontifex, der das damals noch Zaire genannte Land besuchte, war Johannes Paul II. vor fast 40 Jahren. Und das, obwohl in der RDC die meisten Katholiken Afrikas leben, rund 45 Millionen. Auf dem gesamten Kontinent zählen sich fast 240 Millionen Katholiken zu der in Rom beheimateten Kirche. Und ihre Gemeinden wachsen in Afrika wie nirgendwo anders.

Flehen um Frieden

Für Stan Chu Ilo, Professor an der Chicagoer DePaul Universität, trägt„die katholische Kirche entscheidend zum sozialen, politischen und spirituellen Leben in Afrika bei. Sie ist eine Gemeinschaft der Hoffnung, wo das Gewebe der Gesellschaft vom Krieg, humanitären Desastern und Krankheiten beschädigt wurde“. Das trifft für den Kongo zu, in dessen Osten in den vergangenen drei Jahrzehnten über sechs Millionen Menschen Kriegen und Konflikten zum Opfer fielen.

Seine beiden letzten Afrika-Tage wird Franziskus im Südsudan verbringen, dem jüngsten Staat der Welt, der vor zwölf Jahren seine Unabhängigkeit vom (islamischen) Sudan feierte. Längst ist die Freude der Trauer über die ständig neu aufflammenden inneren Konflikten gewichen, denen meist ethnische Differenzen zugrunde liegen. Im April 2019 hatte sich Franziskus bei einem Vatikan-Besuch der beiden südsudanesischen Haupt-Streithähne auf den Boden geworfen und ihre Füße geküsst. Drastischer hätte der Pontifex sein Flehen um Frieden nicht zum Ausdruck bringen können. Der Appell zeigte zumindest eingeschränkte Wirkung: Die beiden Hauptstreithähne kämpfen nicht mehr. Aber wirklich zur Ruhe gekommen ist das Staatenkind damit nicht.

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