Politik Nahverkehr in Ludwigshafen: Der Retter wird selbst zum Opfer
Der öffentliche Nahverkehr sollte bei der Bewältigung der Verkehrsprobleme in der Rhein-Neckar-Region eine Schlüsselrolle spielen. Doch nun gehören Busse und vor allem Straßenbahnen selbst zu den Opfern der Ludwigshafener Hochstraßenkrise.
RNV, das gemeinsame Unternehmen der Städte Ludwigshafen, Mannheim und Heidelberg für den Straßenbahn- und kommunalen Busverkehr, hatte erst kürzlich Pläne für eine Aufstockung des Angebots vorgelegt. Dafür sollten auch ältere Straßenbahnfahrzeuge reaktiviert werden. Stattdessen muss nun seit dem 23. November der Ausfall des wichtigsten Ludwigshafener Straßenbahn-Verkehrsknotens am Berliner Platz verkraftet werden. Der Straßenbahnverkehr über die Konrad-Adenauer-Brücke nach Mannheim musste eingestellt werden. Einige Linien werden über die Kurt-Schumacher-Brücke umgeleitet, andere entfallen ganz oder auf Teilabschnitten. Die Stadtteile Mundenheim und Rheingönheim sind nicht mehr mit der Straßenbahn erreichbar, als Ersatz fahren Busse.
Sechs Mal pro Stunde über den Rhein
Um den Schaden für Mundenheim und Rheingönheim etwas auszugleichen, halten dort – zunächst befristet bis zum 5. Januar – die Züge der S-Bahn Linie S 1. Dabei wird – zumindest vorübergehend – in Kauf genommen, dass wichtige Anschlüsse wie der am östlichen Linienendpunkt Osterburken nach Würzburg gefährdet werden. Allerdings ist die S-Bahn vor allem in Rheingönheim wegen der Randlage des Bahnhofs nur für die wenigsten Straßenbahnfahrgäste eine attraktive Alternative für die Fahrt in die Ludwigshafener Innenstadt. Die S-Bahn hat meist gerade auf dem Abschnitt zwischen Ludwigshafen und Mannheim noch freie Kapazitäten. Die Belastungsspitzen liegen nicht auf diesem Abschnitt, sondern nördlich und westlich von Ludwigshafen. Pro Stunde und Richtung überqueren sechs S-Bahn-Züge zwischen Ludwigshafen und Mannheim den Rhein – parallel zur Konrad-Adenauer-Brücke, deren Auffahrt nun für den Straßenbahnverkehr gesperrt ist. Weil sie an anderer Stelle in Fahrpläne mit Anschlüssen eingebunden sind, verkehren die Züge allerdings nicht in einem glatten Zehn-Minuten-Takt. Etwa halbstündlich gibt es von Mannheim direkte S-Bahn-Züge unter anderem nach Kaiserslautern, Neustadt, Germersheim, Speyer, Worms und Frankenthal.
Längere S-Bahn-Züge möglich
Abgesehen von Ausnahmefällen wie FCK-Spielen sind die S-Bahn-Züge auf dem Abschnitt über den Rhein kaum einmal so überfüllt, dass Fahrgäste zurückbleiben müssen. Wenn allerdings nicht nur das Verkehrsaufkommen gerade so bewältigt werden soll, sondern auch Autofahrer auf die S-Bahn umsteigen sollen, um die Straßen zu entlasten, muss ein Mindestmaß an Komfort geboten werden. Dabei gibt es Probleme gar nicht einmal unbedingt bei den am stärksten besetzten Berufsverkehrszügen, die auf dem Abschnitt zwischen Mannheim und Neustadt meist in der maximal möglichen Länge als Dreifach-Einheiten mit rund 600 Sitzplätzen unterwegs sind. In gewissem Umfang wäre es möglich, Doppeleinheiten mit 400 Sitzplätzen zu verlängern – allerdings nur durch eine Reduzierung der derzeit vernünftig dimensionierten Reserve. Am leichtesten lassen sich zusätzliche Kapazitäten ohne Aufstockung der Fahrzeugflotte schaffen, wenn Züge, die mit nur einem Triebwagen fahren, um einen zweiten verlängert werden. Zusätzliche Spielräume ergeben sich, wenn bis Ende 2021 die neuen „Mireo“-Triebwagen für die S-Bahn Rhein-Neckar geliefert werden. Die Lage hat sich nun aber viel früher zugespitzt als bisher erwartet worden war. Mehr zum Thema lesen Sie im Dossier „Die Ludwigshafener Hochstraßen“.