USA RHEINPFALZ Plus Artikel Musk mit Kettensäge, Bannon zeigt Hitlergruß

Wie von der Kette gelassen: Elon Musk.
Wie von der Kette gelassen: Elon Musk.

Bei einer Tagung in Washington demonstrieren Trumps Anhänger mit internationalen Gästen und beunruhigenden Auswüchsen ihr enormes Selbstbewusstsein.

Am Tag nach dem Eklat wirkt Steve Bannon noch aufgekratzter als üblich. Mit seinem üblichen Outfit – ausgebeulte Khaki-Hosen, zwei übereinander gezogene schwarze Hemden sowie drei Kugelschreiber in der Knopfleiste – und einem Mikrofon steigt der rechtsnationale Aktivist vom Podium seines offenen Podcast-Studios in die Zuschauermenge herunter. „Das soll ein Nazi-Gruß gewesen sein?“, höhnt er. Seine Fans johlen. „Absurd!“

Am Ende seines Auftritts auf der großen Bühne der CPAC-Tagung vor 20 Stunden hat Bannon demonstrativ den rechten Arm nach oben gestreckt. Im Gaylord-Konferenzhotel vor den Toren von Washington scheint das kaum jemand zu stören. Bannon interviewt die ehemalige britische Premierministerin Liz Truss. Er feiert den von Donald Trump begnadigten Kapitolstürmer Richard Barnett, der im Büro der damaligen Parlamentschefin Nancy Pelosi seine Füße demonstrativ auf den Schreibtisch gelegt hatte. Und er verkündet triumphierend, dass sein Propagandakanal soeben einen festen Platz im Presseraum des Weißen Hauses erhalten habe.

Die „Conservative Political Action Conference“ (CPAC) war schon immer eine extreme Veranstaltung. Jahrelang trafen sich hier Rechtsnationale, Verschwörungsideologen und religiöse Fanatiker. Doch mit dem Einzug von Donald Trump ins Weiße Haus sind die Parolen dieser Freakshow zur offiziellen amerikanischen Politik geworden. Das stärkt das Selbstbewusstsein der Veranstalter, die wie MAGA-Chefideologe Bannon nun an einer globalen Ausbreitung der „Make America Great Again“-Bewegung arbeiten.

Das Opfernarrativ wird bedient

Es mangelt nicht an nationaler und internationaler Prominenz auf der Bühne: Ein völlig überdrehter Elon Musk bekommt von Argentiniens ultraliberalem Präsidenten Javier Milei eine Kettensäge überreicht. Es reden der Brexit-Initiator Nigel Farage, der russlandfreundliche slowakische Ministerpräsident Robert Fico und – per Videoschalte – Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni. Im Publikum sitzen mehrere AfD-Politiker und Werte-Union-Chef Hans-Georg Maaßen aus Deutschland. „Wir sind auf dem Weg, Europa wieder auf die Spur zu bringen“, jubelt CPAC-Organisator Matt Schlapp. Seine Zuhörer muss er nicht mehr überzeugen.

Trotz ihres Wahlsiegs und der politischen Übermacht in Washington kreisen auffallend viele Ultrarechte um die Vergangenheit und bedienen das Opfernarrativ. Man sei „vier Jahre durch die Hölle gegangen“, klagt Musk. Immer wieder geht es um die angeblich gestohlene Wahl 2020 und die „Verfolgung“ Trumps durch die Justiz. Der Präsident selbst arbeitet sich bei seinem Auftritt drastisch an seinem Vorgänger Joe Biden ab: „Alles, was er anfasste, ist zu Scheiße geworden“, pöbelt er.

Draußen im Land spürt man derweil täglich stärker die Folgen von Trumps radikaler Disruptionspolitik. Tausende Staatsdiener haben über Nacht ihre Jobs verloren. Der schwarze Generalstabschef ist am Freitagabend einfach gefeuert worden. Ganze Behörden werden ohne Zustimmung des Kongresses geschlossen. Das alles spielt bei CPAC keine Rolle, wohl aber bei einer Gegenveranstaltung der republikanischen Never-Trumper, die 15 Kilometer entfernt zeitgleich in einem Washingtoner Innenstadthotel stattfindet.

Republikaner irgendwie ratlos

In der Partei haben die traditionellen, moderaten Konservativen seit langem nichts mehr zu sagen. Insofern ist es schon ein Erfolg, dass mehr als 1000 Teilnehmer zu der Konferenz gekommen sind. „Wir machen uns keine Illusionen“, sagt deren Vorsitzender Heath Mayo zum Auftakt einer zweitägigen Tagung. Der Kampf zur Überwindung von Trump werde schwierig und könne dauern: „Aber wir werden unsere Knie nicht beugen.“

In den Reden wird mit Kritik am Präsidenten nicht gespart. Das Land, da ist man sich einig, befinde sich in einer „Verfassungskrise“. Zugleich wirken die Anwesenden irgendwie ratlos. Viele hoffen, dass mit der Zeit die Stimmung auch in der Bevölkerung kippen werde. „Trump verspricht mehr, als er liefern kann. Und er schafft Chaos“, sagt der Tech-Unternehmer Mark Cuban, der im Wahlkampf im Gegensatz zu anderen Milliardären die Demokratin Kamala Harris unterstützt hatte. Das werde den Widerstand stärken, glaubt er.

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