Bundeskanzler
Merz eilt von Gipfel zu Gipfel
Die Krisen der Welt, aber auch die nahende Sommerpause, sorgen beim Bundeskanzler für einen vollen Kalender mit Terminen in Übersee und Europa. So stürmt Friedrich Merz innerhalb von zehn Tagen auf drei internationale Gipfel und muss sich dazwischen in Berlin für einen Tag um Infrastruktur und Steuerausfälle kümmern. Bis Ende Juni heißt das für Merz vor allem: viel Flugzeug, wenig Sauerland.
Dass Merz derzeit vor allem als „Außenkanzler“ wahrgenommen wird, schadet jedoch nicht seinem Ansehen: Mehr als der Hälfte der Deutschen gefällt es laut einer Forsa-Umfrage, wie der Kanzler im Ausland auftritt. Wobei vor allem die diplomatische Feuertaufe im Weißen Haus eine große Rolle spielt. Beim Antrittsbesuch bei US-Präsident Donald Trump ließ sich Merz nicht aus der Ruhe bringen und konnte die Position Deutschlands etwa mit Blick auf Russland-Aggressor Putin deutlich machen.
Trump ohne großes Interesse
Der Gipfelreigen startete am Montag mit dem G7-Treffen in Kanada. Merz ist neu in der informellen Runde der führenden Industrieländer. Er traf sich dort abermals zu einem persönlichen Gespräch mit Trump, wenn auch nur kurz. Der Zollstreit mit der EU wurde gar nicht angesprochen, auch eine Zusage für US-Sanktionen gegen Russland gab es nicht. Ohnehin zeigte Trump wenig Interesse und düste bald ab.
Ohne Trump aber geht es nicht: Schon beim Nato-Gipfel am Dienstag wird sich zeigen, wie treu die USA zu ihren Verpflichtungen im Verteidigungsbündnis stehen. Für Merz ist das Treffen in Den Haag eine weitere Premiere. Der Kanzler sieht sich als Brückenbauer und will auf die Bemühungen der europäischen Nato-Länder verweisen, ihre Militärausgaben zu erhöhen. Direkt im Anschluss findet Gipfel Nummer drei statt: Der Europäische Rat in Brüssel ist für Merz so etwas wie eine Rückkehr zu den eigenen Wurzeln. 1989 wurde er in das Europäische Parlament gewählt, dem er bis 1994 angehörte.
Besorgte Ministerpräsidenten
An diesem Mittwoch muss der Kanzler kurz die Themen und Ebenen wechseln. Beim Treffen mit den deutschen Ministerpräsidenten geht es weniger um Weltpolitik, sondern mehr um die Folgen des angekündigten Wachstumsboosters. Länder und Kommunen befürchten Einnahmeausfälle durch die höhere Pendlerpauschale und die Senkung der Mehrwertsteuer in der Gastronomie. Ein Trost für Merz: Trump ist bei diesen Gesprächen nicht dabei.