Politik Macrons junge Garde

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Die Mehrheit, die sich Frankreichs Präsident Emmanuel Macron gestern bei der Parlamentswahl für seine Bewegung „La République en Marche“ („Vorwärts die Republik“) sichern konnte, geht auch zurück auf die Arbeit einer ihm treu ergebenen „Sechserbande“. Eine Frau und fünf Männer entwickeln Strategien, schreiben Reden für Macron und bestücken seine Facebook-Seite.

Auch wenn der 39-jährige Emmanuel Macron „Charme, Charisma, Jugend und Schönheit“ besitzt, wie der Soziologe Gilles Lipovetsky anerkennend festgestellt hat: Im Alleingang hat Macron den Gipfel der Macht nicht erklommen. Ein verschworener, ihm bedingungslos ergebener Trupp steht ihm zur Seite. Diese sechs Menschen haben in den oberen Stockwerken des Elysée-Palasts Büros bezogen. Ein knallharter Job ist das. Der Präsident begnüge sich mit drei Stunden Nachtschlaf und erwarte ähnlichen Einsatz von seinen Getreuen, berichtet die Schriftstellerin Gael Tchakalof, die Macron auf dem Weg zur Macht monatelang begleitet hat. Macron hat die Mitglieder der „Sechserbande“ nach seinem Bilde ausgewählt. Zwischen 30 und 45 Jahre alt, gehören sie seiner Generation an, haben wie er Elitehochschulen besucht, zumeist in der Privatwirtschaft Erfahrungen gesammelt und Macron bereits im Wirtschaftsministerium oder in der Bewegung „En Marche“ wertvolle Dienste geleistet. Dass ihnen die Missgunst ehemaliger Weggefährten Macrons entgegenschlägt, die der Präsident nach Art eines Monarchen mittlerweile höflich auf Distanz hält, schweißt die sechs zusätzlich zusammen. Neider bezichtigen sie der Arroganz, schmähen sie als „Macrons Mormonen“. Wer die junge Garde des Präsidenten am Tag des Machtwechsels beobachtet hat, attestiert ihr zumindest ausgeprägtes Selbstbewusstsein. Im Pulk marschierten sie über den roten Teppich, ein Siegerlächeln auf den Lippen. Sibeth Ndiaye (37), Spezialistin für Öffentlichkeitsarbeit und Medien, führte den Trupp an. Es folgten die fünf Männer: der Sprecher von „La République en Marche“ (LRM), Benjamin Griveaux (39), und der stellvertretende LRM-Generalsekretär Julien Denormandie (36), Strategieexperte Ismael Emelien (30), Redenschreiber Sylvain Fort (45) sowie der Politikberater Stéphane Séjourné (32). Zwei der Vertrauten stehen dem Präsidenten besonders nahe: der verschlossen wirkende Strategieberater Emelien und der joviale, extrovertierte Ghostwriter Fort. Emelien, der zu den Gründungsmitgliedern von „En Marche“ zählt, gilt als „Spezialist für neue Ideen“, mit denen Macron gern überrascht. 2014 waren die beiden drauf und dran, ein Start-up-Unternehmen zu gründen. Stattdessen heuerte Macron beim damaligen Präsident François Hollande als Wirtschaftsminister an und verpflichtete Emelien als Berater. Fort war zwar erst im September vergangenen Jahres hinzugestoßen, überzeugte aber mit seinen Referenzen. Bei der Bank BNP-Parisbas war er für die Strategie des Hauses mitverantwortlich, bevor er seine eigene Agentur für Öffentlichkeitsarbeit gründete. Beide zeichnen sich darüber hinaus durch absolute Verschwiegenheit aus. Nach dem Einzug in den Élysée-Palast hat der zuvor in Transparenz schwelgende Hausherr den Schalter umgelegt. Aus den Fehlern des Vorgängers Hollande lernend, der als Plaudertasche galt und durch Indiskretionen immer wieder in Verlegenheit geriet, setzt Macron auf totale Kommunikationskontrolle. Kabinettsangehörige pflegen nach dem mittwochs einberufenen Ministerrat mit zusammengekniffenen Lippen und gesenktem Blick zu ihren Dienstfahrzeugen zu eilen. Nicht ein Wort ist den Regierungsmitgliedern zu entlocken. Und die Sechserbande schweigt sowieso.

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