Politik Leitartikel: Das rechnet sich

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Mit 800 000 Besuchern hat die am Sonntagabend zu Ende gehende Landesgartenschau in Landau keine Rekorde aufgestellt, aber für die Stadtentwicklung war sie ein voller Erfolg. Zoo und Stadtbibliothek kosten

die Stadt Landau mehr, als es die Gartenschau getan hat.

Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie: Neustadt will sich um die nächste Landesgartenschau bewerben. 2009 hatte sich die Stadt noch dagegen entschieden. Doch der Erfolg Landaus, das Neustadt auch als Wirtschaftsstandort den Rang abgelaufen hat, hat ein Umdenken bewirkt. Die Chancen, dass 2022 erneut die Vorderpfalz zum Zuge kommt, sind allerdings gering. Landau macht schon lange vor, wie Stadtentwicklung geht. Das Land hat dem mit der millionenschweren Gartenschau zusätzlichen Schub verliehen. Aus der trostlosen Kaserne Estienne & Foch wird ein kompletter neuer Stadtteil, den die gegen den Trend wachsende Unistadt gut gebrauchen kann. Anders als noch bei der Südwestdeutschen Gartenbauausstellung (Süwega) 1949 geht es heute nicht mehr um Parks und Rabatten. Im Zentrum der 185-Tage-Veranstaltung stand die Zukunftsfähigkeit. So gesehen, ist „Gartenschau“ ein Etikettenschwindel – ein bewusster, denn eine Konversionsausstellung taugt kaum als Besuchermagnet. So sind auch gelegentliche Klagen der meist älteren Besucher zu erklären, dass man zu viele Militärgebäude und zu wenig Beete gesehen habe – wobei 27 Hektar Fläche, 1000 neue Bäume, 4000 Quadratmeter wechselnde Bepflanzung, 1500 Quadratmeter Gartenkabinette, ein 3,5 Hektar großer, neuer Park und vieles andere ausgeblendet wurden. Ein sehr reger Freundeskreis mit 800 Mitgliedern zeugt davon, dass zumindest die Landauer sich mit ihrer Schau identifiziert haben. Ein Fehler war jedoch, dass kein Südpfälzer in der Geschäftsführung saß, der die Veranstaltung noch besser in der Region hätte verankern und mehr Rücksicht auf örtliche Gegebenheiten hätte nehmen können. So kam die Schau bisweilen als reiner Wirtschaftsbetrieb rüber. Bei den Besucherzahlen ist Landau weit hinter der Gartenschau Bingen zurückgeblieben. Knapp 800.000 Besucher dürften es wohl bis Sonntagabend werden – an Mäuseturm und Rheinufer waren es eine halbe Million mehr. An Erklärungen dafür fehlt es nicht, von 30 Tagen mit über 30 Grad bis hin zur Tatsache, dass das Programm zwar 2000 Veranstaltungen umfasste, Höhepunkte in der zweiten Hälfte aber dünn gesät waren. Besucherzahlen sind indes kein verlässliches Beurteilungskriterium, denn gezählt wird überall anders. So kann beispielsweise ein Dauerkarten-Inhaber als 30 Besucher in die Bücher eingehen. So gesehen, läge auch Landau über einer Million. Die Stadt hatte mit 600.000 Besuchern vorsichtig kalkuliert. Ein Drittel mehr bedeutet denn auch, dass sie nicht 5,9 Millionen Euro zuschießen muss, sondern höchstens 4,8 Millionen Euro. Dafür sind über Jahre Rückstellungen gebildet worden. Zum Vergleich: Stadtbibliothek und Zoo lässt sich Landau jeweils rund 600.000 Euro kosten, Jahr für Jahr. Neben Südpark, Aussichtsturm, Schrebergärten und einem Sport- und Freizeitcampus hat die Gartenschau der Innenstadt einen sanierten Hauptbahnhof, einen weiteren Bahnhaltepunkt und einen Platz an der Queich mit Zugang zum Wasser beschert. Der Investitionshaushalt betrug 35 Millionen Euro (27 vom Land), zur Durchführung waren weitere 14 Millionen erforderlich, doch diese Summen werden nach Schätzung der Stadt Investitionen von 400 Millionen Euro nach sich ziehen. Schon jetzt haben sich die jährlichen Investitionen innerhalb weniger Jahre auf 120 Millionen Euro verdoppelt, und das ist im Stadtbild nicht zu übersehen. Kurz: Unter Kosten-Nutzen-Aspekten war die Gartenschau für Landau ein voller Erfolg.

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