Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Kauft die GAG einen Großteil der BASF-Wohnungen?

BASF-Stammwerk in Ludwigshafen.
BASF-Stammwerk in Ludwigshafen.

Die BASF-Tochter Wohnen + Bauen will Tausende Wohnungen verkaufen. Damit soll das Stammwerk gestärkt werden. Die Ludwigshafener GAG ist interessiert.

Die BASF plant den Verkauf eines Großteils der Wohnungen im Bestand ihrer Tochtergesellschaft BASF Wohnen + Bauen (BWB) GmbH. Es geht um 1100 Eigentumswohnungen sowie weitere 3300 Wohnungen, die als Gesamtpaket inklusive Gebäude veräußert werden sollen. Für den überwiegenden Teil will die BASF bis Ende 2026/Anfang 2027 „einen verantwortungsvollen Kaufinteressenten“ finden, dem an einer langfristigen, nachhaltigen Investition gelegen sei. Eine Sozialcharta soll die Mieter der betroffenen Wohnungen über die gesetzlichen Vorgaben hinaus absichern, so die BASF. Betroffen davon sind über 10.000 Menschen in Ludwigshafen, Mannheim, Frankenthal und dem Rhein-Pfalz-Kreis.

Fokus liegt auf dem Kerngeschäft
Klaus Blettner, Ludwigshafener Oberbürgermeister.
Klaus Blettner, Ludwigshafener Oberbürgermeister.

Mit diesem Schritt will sich der Konzern noch intensiver auf sein Kerngeschäft konzentrieren, um die Wettbewerbsfähigkeit und das Stammwerk zu stärken, betonte am Montag Helmut Winterling, Präsident Europäische Verbundstandorte. „Unser Unternehmen befindet sich seit Längerem in einem enorm schwierigen Marktumfeld, was einen hohen Fokus auf unser eigentliches Geschäft, die Chemie, erfordert. Die geplante Veräußerung der Wohnungen ist für uns eine sehr, sehr schwierige, aber notwendige Entscheidung, die uns dabei hilft, unsere Bilanz zu stärken“, erläuterte er. In Europa stehe die komplette Chemiebranche zunehmend unter Druck. „Die Produktivität ist bei höheren Fixkosten spürbar erodiert. Diese Schere ist aufgegangen. Wir müssen die Belegschaft sehr, sehr hart auf Effizienz trimmen. Gerade drehen wir jeden Stein um“, ergänzte Winterling. 1400 werksnahe der insgesamt 5800 Wohnungen sollen im Bestand der BWB (90 Mitarbeiter) bleiben, die umstrukturiert werde. Ein Stellenabbau sei auch hier unvermeidlich, in welchem Umfang sei noch unklar.

Kritik der Gewerkschaft

Ein potenzieller Käufer für die 3300 Wohneinheiten hat sich bereits gemeldet: die Stadt Ludwigshafen. Laut Oberbürgermeister Klaus Blettner (CDU) könnte die städtische Immobiliengesellschaft GAG die Wohnungen „möglicherweise und in einer noch zu klärenden Form“ übernehmen. „Die Mieter brauchen Planungssicherheit und einen Partner, auf den sie sich verlassen können“, so Blettner. Ob ein GAG-Angebot letztlich zum Zuge komme, müsse sich zeigen, schließlich gehe es hier um mehrere Hundert Millionen Euro. Die BASF selbst macht keine Angaben zu Preisen. Kritik an den Konzernplänen äußert die Gewerkschaft IG BCE. Damit verkaufe die BASF endgültig ihre Werte. Die Landesregierung appellierte an die BASF, ihrer Verantwortung gegenüber Mitarbeitern und Mietern gerecht zu werden.

GAG-Vorstand Wolfgang van Vliet.
GAG-Vorstand Wolfgang van Vliet.

Das sagt der GAG-Vorstand

„Die Ankündigung der BASF Wohnen + Bauen, rund 3300 Wohnungen im Zuge einer strategischen Konsolidierung zu veräußern, ist für den regionalen Wohnungsmarkt von erheblicher Bedeutung“, sagte GAG-Vorstand Wolfgang van Vliet auf Anfrage. „Als kommunales Wohnungsunternehmen sehen wir uns in einer besonderen Verantwortung für die nachhaltige Entwicklung des Wohnstandorts Ludwigshafen und die Sicherung bezahlbaren Wohnraums. Vor diesem Hintergrund werden wir sorgfältig prüfen, ob und unter welchen Bedingungen ein Erwerb von Wohnungen für die GAG Ludwigshafen in Betracht kommen kann“, ergänzte er. Eine mögliche Entscheidung hänge von mehreren Faktoren ab. Dazu zählten die langfristige Sicherung bezahlbarer Mieten, die wirtschaftliche Tragfähigkeit und solide Finanzierbarkeit, der bauliche und energetische Zustand der Immobilien sowie der daraus resultierende Investitionsbedarf, die strategische Einbindung in das bestehende Portfolio sowie die organisatorische und personelle Umsetzbarkeit.

„Große Aufgabe“

„Ein Erwerb in dieser Größenordnung würde für die GAG eine große Aufgabe darstellen und zugleich einen strategischen Entwicklungsschritt bedeuten – insbesondere, da wir bislang nahezu ausschließlich Wohnungsbestand innerhalb Ludwigshafens bewirtschaften“, so van Vliet. „Wir werden den weiteren Prozess verantwortungsvoll, mit der gebotenen Sorgfalt und in enger Abstimmung mit unseren Gremien begleiten. Maßstab unseres Handelns bleibt stets die nachhaltige Stärkung unserer Stadt und die Sicherung bezahlbaren Wohnraums.“

Das größte kommunale Wohnungsunternehmen in Rheinland-Pfalz betreut mehr als 13.000 Wohnungen und 184 Gewerbeeinheiten, vermietet sie stadtweit und verwaltet zusätzlich 2000 Objekte Dritter. 210 Beschäftigte sowie zehn Auszubildende arbeiten für das Unternehmen mit Sitz in Ludwigshafen-Süd.

Hier geht’s zum Kommentar

x