Politik
Künstliche Intelligenz: Panikmache und Überforderung
Mit dem Einsatz künstlicher Intelligenz sind große Erwartungen verbunden, insbesondere für die wirtschaftliche Entwicklung. Welche Folgen das für die Gesellschaft hat, wurde in Ludwigshafen diskutiert. In einem Punkt gab es Entwarnung.
Ob Online-Kartendienst, Einparkhilfe oder Sprachassistenten – im Alltag ist künstliche Intelligenz (KI) längst angekommen. Darunter versteht man Computersysteme und Maschinen, die nicht mehr nur programmierte Abläufe abarbeiten, sondern lernfähig sind und bestimmte Aufgaben eigenständig erledigen können. Alle Teilnehmer der Podiumsdiskussion im Ernst-Bloch-Zentrum waren sich einig: „KI hat eine gesellschaftsverändernde Dimension“, wie Petra Sitte (Linke) sagte. Wo genau die Chancen und Risiken liegen, wollten die Datenschutzbeauftragten von Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg, Dieter Kugelmann und Stefan Brink, von vier Fachfrauen wissen.
Mehr Daten, höhere Rechenleistung
Drei sitzen in der Enquete-Kommission des Bundestages, die bis Herbst 2020 Empfehlungen zum Umgang mit KI abgeben soll. Vor alle mehr Daten und höhere Rechenleistung für das maschinelle Lernen befeuerten den aktuellen KI-Trend, erläuterte Anna Christmann (Grüne). Die Wirtschaft könne dadurch neue Anwendungen anbieten, sagte Lena-Sophie Müller, Geschäftsführerin der Initiative D21 und als Sachverständige in dem Gremium. Die ethische Debatte drehe sich darum, inwieweit wir das wollen. Sie führte als ein womöglich problematisches Beispiel die automatisierte Bewertung von Bewerbern an. Drei zu klärende Aspekte über alle KI-Bereiche hinweg seien die Verarbeitung zum Teil personenbezogener Daten, die Transparenz der Prozesse und die Verantwortung für von Maschinen getroffene Entscheidungen.
Hollywood prägt das Bild
Doris Aschenbrenner von der Universität Delft wies darauf hin, dass derzeit viel Panikmache betrieben werde und etwa humanoide Roboter aus Hollywoodfilmen noch das Bild von KI prägten. „Die Enquete-Kommission und die Wissenschaft sind für das Entzaubern zuständig“, plädierte sie für eine nüchterne Herangehensweise.
Angst vor sogenannter starker KI, die den Menschen in seinen intellektuellen Fähigkeiten sogar übertrifft, müsse niemand haben, hieß es unisono auf dem Podium. Davon sei man noch weit entfernt. Die vier Frauen machten allerdings ein anderes großes Problem aus: „Die Gesellschaft ist mit dem Fortschritt der Digitalisierung überfordert“, formulierte Professorin Aschenbrenner. Deshalb sprachen sich alle für mehr digitale Bildung aus. Denn auch in der Antwort auf Moderator Brinks provokante Frage, ob wir auf KI ganz verzichten können, herrschte Einigkeit: „Nein!“