Meinung RHEINPFALZ Plus Artikel Ist Trump unaufhaltsam? Nicht ganz

An diesem Dienstag ist Donald Trumps zweite Präsidentschaft genau ein Jahr alt.
An diesem Dienstag ist Donald Trumps zweite Präsidentschaft genau ein Jahr alt.

Seit einem Jahr regiert Donald Trump wieder die USA und hält die Welt in Atem. Allein seine Moral könne ihn stoppen, sagte er jüngst – und unterschätzt offenbar seine Bürger.

Es ist fast auf den Tag genau zehn Jahre her, dass Donald Trump, damals noch einer von vielen Präsidentschaftskandidaten der Republikaner, bei einer Wahlkampfveranstaltung sagte: „Ich könnte mitten auf der Fifth Avenue stehen und jemanden erschießen, und würde keine Wähler verlieren.“ Nun, ein Jahr nach Beginn seiner zweiten Amtszeit als US-Präsident, lässt sich bilanzieren: Er könnte Recht haben.

Trump hat die Gewaltenteilung, die sogenannten „Checks and Balances“, faktisch abgeschafft. Schon in seiner ersten Amtszeit hat er das Oberste Gericht mit Richtern besetzt, die ihm praktisch allumfassende Immunität bescherten. Die Republikaner und ihre Abgeordneten im Kongress hat er auf Linie gebracht. Wer sich erdreistet, öffentlich Kritik an ihm zu üben, wird abgestraft.

Kritikern droht der politische Tod

Aktuelles Beispiel: Marjorie Taylor Greene. Die Abgeordnete und Vorkämpferin von Trumps MAGA-Bewegung war lange seine glühendste Unterstützerin. Weil sie aber vehement darauf gepocht hatte, dass das Justizministerium alle Akten zu den pädophilen Umtrieben rund um Jeffrey Epstein veröffentlichen soll (und Trump mutmaßlich weiß, dass er darin erwähnt ist), nannte er sie eine „Verräterin“ und überzog sie mit einer Schmierkampagne auf Social Media. Abweichlern droht nicht weniger als der politische Tod. Auch Taylor Greene gab ihr Mandat auf.

Trump hat die USA nach seinem Willen umgebaut und lässt die Welt spüren, welche Machtfülle der US-Präsident auf sich vereint. Nur seine eigene Moral könne ihn aufhalten, sagte er der „New York Times“ gerade in einem Interview. „Das ist das einzige, das mich stoppen kann.“

Druck von innen

Ist Donald Trump wirklich unaufhaltsam? Nicht ganz. Der Druck kommt von innen, und er wächst.

Schon Ende 2025 haben die Republikaner wichtige Gouverneurswahlen an die Demokraten verloren. Es war eine schmerzhafte Klatsche für Trump, die er ganz der republikanischen Partei statt sich selbst ans Revers heftete. Dabei zeigt eine Umfrage nach der anderen, wie unzufrieden die US-Amerikaner mit ihm sind.

Nach den jüngsten Zahlen, die der US-Nachrichtensender CNN vergangenen Freitag veröffentlicht hat, sind 61 Prozent der Befragten mit Trumps Arbeit unzufrieden. Die Wirtschaft bezeichneten die Befragten als wichtigstes Thema – gerade hier schwächelt Trump. Lediglich 32 Prozent gaben an, der Präsident habe die Lage verbessert, 55 Prozent sahen indes eine Verschlechterung. Hinzu kommt ein Unwohlsein darüber, wie stark Trump die Macht bei sich bündelt – 58 Prozent sagten, er sei zu weit gegangen.

Verliererthema Grönland

Der Tod von Renee Good, die in Minnesota von einem Agenten der Migrationsbehörde ICE erschossen wurde und laut Trumps Administration selbst Schuld war, hat für Bestürzung im Land gesorgt. Trumps Pläne, Grönland zu übernehmen, unterstützen laut einer Umfrage der Nachrichtenagentur Reuters nur 17 Prozent der US-Bürger. Selbst prominente Republikaner wagen sich mit Kritik aus der Deckung. Sie wissen, dass im November die nächste große Klatsche droht: Die Republikaner könnten bei den Zwischenwahlen die Mehrheit im Kongress verlieren. Auch wenn sich Trump für unantastbar hält: Noch ist Amerika eine Demokratie. Und Wahlen können Machtgefüge ändern.

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