Politik Innenminister Seehofer sorgt für Risse im CSU-Stammtisch

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Am Umgangsstil des CSU-Vorsitzenden und Bundesinnenministers Horst Seehofer scheiden sich die Geister. Im Asylstreit gibt ihm die CSU-Basis in Bobingen bei Augsburg Recht. Und was ist mit Seehofers Zukunft als Parteichef?

CSU-Stammtisch in der Nähe von Augsburg. Etwa 30 Leute sind an diesem Abend in ein Bobinger Wirtshaus gekommen: langgediente Ex-Bürgermeister, Kreisräte, Partei-Engagierte von der Basis. Die örtliche Landtagsabgeordnete, frisch zur Staatssekretärin befördert – Applaus! – hält eine Wahlkampfrede wie von der Stange. Standardisierter Partei-Sprech, per Rundmail aus der Zentrale verschickt: die gesammelten und geplanten Wohltaten der Landesregierung, Punkt eins bis (mindestens) siebenundzwanzig. Das Partei-Drama um Horst Seehofer, sein Zermürbungskrieg gegen Angela Merkel, die zehnstündige Sitzung des CSU-Vorstands, der Rücktritt, angekündigt, hinausgeschoben, zurückgenommen – all das ist erst drei, vier Tage her. Carolina Trautner jedoch erwähnt es nur am Rande: „Ich hätte mir einen anderen Ton gewünscht, und dass wir erst unter uns diskutiert hätten, bevor wir nach draußen gegangen sind.“ Das war’s. „Und jetzt: Ihre Fragen!“ Die folgenden eineinhalb Stunden haben etwas Skurriles. Der CSU-Stammtisch diskutiert über Digitalisierung, über die Zeit, die Kinder mit dem Handy (nicht) zubringen sollten, über Funklöcher, den Busverkehr am Ort und den „für die Bevölkerung sehr wichtigen“ Erhalt kommunaler Schwimmbäder. Parteikrach? War da was? Gut, von der Senioren-Union steht einer auf, wirbt – das Publikum passt ja genau – für seine Gruppierung und sagt beiläufig, Seehofer habe mit seinen Grenzplänen „endlich das Recht vom Kopf wieder auf die Füße gestellt“. Ein anderer konzentriert sich auf den bayerischen Ministerpräsident Markus Söder und nennt ihn „Krawallmacher“. Am Abend zuvor sind im Fernsehen die neuesten Umfragen für Bayern gelaufen. Ja, sagen 70 Prozent, Seehofer habe mit seinen Attacken „die Union geschwächt“; 69 Prozent finden es aber auch gut, dass er „offen den Asylkurs Merkels kritisiert“. Und mit dieser Spaltung geht es weiter. Wer ist schuld am Unionsschlamassel? 26 Prozent lasten ihn der Kanzlerin an, 35 Prozent sehen Seehofer verantwortlich – und 37 Prozent sagen „beide gleichermaßen“. Wie viele Bayern finden Seehofers Transitzentren richtig? Fast zwei Drittel tun das, 64 Prozent, die meisten aufseiten von AfD und CSU. Wer wiederum unterstützt Merkel? Vorwiegend Grüne und SPD-Wähler. Und ist die Einigung zwischen den Unionsschwestern von Dauer? Da gibt Andreas Bachmann vom Institut Infratest-dimap im Fernsehen zu, „so einen Balken“, so viel Eindeutigkeit habe er in zehn Jahren politischer Umfragen noch nie gesehen: 94 Prozent sagen, das hält nicht. Am Bobinger Stammtisch reden die Leute über Seehofer erst, als man sie nach Ende der offiziellen Veranstaltung eigens darauf anspricht. Und dann ist die Linie klar. In der Sache klatscht die CSU-Basis ihrem Parteichef Beifall. „Die Flüchtlinge sind ein Problem, und ohne Seehofer hätte sich nix bewegt“, sagen sie. „Merkel hat ja drei Jahre Zeit gehabt, und was hat sie geschafft?“ Seehofers Kampfstil aber, den hält man mindestens für „dilettantisch“, auf jeden Fall für falsch: „Wir alle, die ganze Partei hat Schaden genommen.“ Das münzen die CSU-Leute sowohl auf Seehofers „Theater“, auf das Hin und Her mit seinem Rücktritt. „Er hätte warten sollen, bis er alles aus einem Guss hingekriegt hätte.“ Sie denken aber auch an Seehofers Zickzackkurs gegenüber Kanzlerin Angela Merkel. „Streit, Einigung, Streit, Einigung – das geht schon viel zu lange so.“ Und was Seehofer gegen Merkel gesagt habe, dass er „mit der Frau nicht mehr arbeiten“ könne und Schlimmeres: „Das war ein Scheiß. Den hätt’ er sich sparen können.“ Kann Seehofer nach all dem noch Parteichef bleiben? Soll er es? „Mei“, sagt eine Frau: „So is’ er halt. Ein echter Bayer. Ihm kannst net bös’ sein.“ Andere sagen: „Grad jetzt, wo er so viel durchgesetzt hat, wär’s inkonsequent, wenn er gehen würde.“ Doch auch in dieser Frage geht der Spalt durch den Wirtshaussaal. Und „ob wir mit dem Seehofer die Kurve zur Landtagswahl noch hinkriegen“, bleibt als offene Frage im Raum stehen. Einer meint, wenn Seehofer klug sei, lasse er seinen Parteivorsitz nach der Landtagswahl auslaufen. Ein anderer sagt: „Klar, der Mann muss weg. Aber dass er freiwillig in den Ruhestand geht, glaub’ ich nicht. Er hat ja dann nichts mehr.“

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