Meinung
Helmut Kohl, der Pfälzer Staatsmann
Helmut Kohl ist als Kanzler der Deutschen Einheit in die Geschichte eingegangen. Dass Berlin die Hauptstadt und der Regierungssitz Deutschlands sein muss, war seine tiefe Überzeugung – schon vor dem Fall der Mauer. Und doch ist Berlin der falsche Ort für den Sitz der Bundeskanzler-Helmut-Kohl-Stiftung, für die es nun, fast vier Jahre nach Kohls Tod, endlich ein Gesetz des Bundestages gibt.
Wer Kohls Überzeugungen verstehen will, der muss sich mit seiner pfälzischen Heimat und ihrer Geschichte im Herzen Europas auseinandersetzen. Nicht von ungefähr hat der Katholik und Historiker Kohl den Kaiserdom so geliebt und liegt zu Speyer begraben. Völlig zurecht gab es im Straßburger EU-Parlament den Trauerakt für den Ehrenbürger Europas. In Ludwigshafen wurde Kohl 1930 geboren, hier starb er 2017. In der Chemiestadt begann seine Karriere, und er blieb „LU“ als Wohnsitz und Wahlkreis immer treu. Mehr noch: Es war ihm wichtig, Staatsgäste in seine Heimat einzuladen. Das ist oft, aber zu unrecht belächelt worden.
„Die Witwe“ ist nicht allein schuld
Bis heute ist Helmut Kohl umstritten – wegen der Schattenseiten der Wiedervereinigung, wegen der Parteispendenaffären (von Flick 1984 bis „anonyme Spender“ 1999), wegen seines Führungsstils, auch wegen seiner Art, Gegner zu demütigen. Die Neigung, in Lagern zu denken, hat offenbar auch seine zweite Ehefrau Maike Kohl-Richter. Ihre am Mittwoch veröffentlichte Stellungnahme zum Stiftungsgesetz spiegelt, wie persönlich getroffen sie ist. Sie misstraut der CDU-Spitze, „den“ Journalisten sowieso. Wegen allem, das da mal war. Kaum zu fassen. Aber auch tragisch!
Es wäre falsch, alle Fehler bei „der Witwe“ zu sehen. Nicht zuletzt hat die CDU Rheinland-Pfalz versagt. Jene Partei, die Kohl mit seinem außergewöhnlichen Instinkt und Blick für talentiertes Personal so lange an der Macht hielt. Die ihm so viel verdankt. Selbst wenn Kohls Alleinerbin sich – auf ihrem Standpunkt beharrend – nicht wie gewünscht einbinden lassen wollte, was hinderte die CDU daran, zum Beispiel Kohls Geburtshaus in Ludwigshafen-Friesenheim als Standort eines Kohl-Zentrums zu etablieren? Und wo war die Stadtspitze, die frühere wie die heutige? Man hat sich nicht getraut, Tacheles zu reden, geschweige denn zu handeln.
Kohls eigener Wunsch
Nun also hat die Bundes-CDU gehandelt. Nun also Berlin, nicht Ludwigshafen. Das muss nicht das Ende der Geschichte sein. Die Stiftung kann, wie andere Kanzlerstiftungen, mehrere Standorte haben. Auch für Kohl-Richter lässt sich immer noch die ihr gebührende Rolle finden. Sogar für Kohls Kinder ist das denkbar, auch wenn der ältere Sohn Walter erklärt hat, er halte eine Stiftung ganz ohne die Familie für die beste Lösung.
Wie immer die Konstruktion aussehen wird, wie immer man zu Kohl steht – dieser Pfälzer Staatsmann ist eine Figur der Weltgeschichte. Sein Wirken wissenschaftlich aufzuarbeiten und für die Nachwelt verständlich zu machen, ist wichtig. Es entspricht seinem eigenen Wunsch: Nicht von ungefähr hat er so viel Energie auf seine leider unvollendeten Memoiren verwendet. Bei dieser Arbeit soll er in dem ihm eigenen Humor einmal erklärt haben, warum sie wichtig ist: „Damit die Leut’ in 20 Jahren noch wissen, wie man meinen Namen schreibt.“