Bundeswehr RHEINPFALZ Plus Artikel General Alfons Mais – ein Freund klarer Worte muss gehen

 Brigadegeneral Christian Freuding – hier hinter Verteidigungsminister Boris Pistorius – wird Chef des Heeres.
Brigadegeneral Christian Freuding – hier hinter Verteidigungsminister Boris Pistorius – wird Chef des Heeres.

Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) überrascht mit einer Personalie.

Die Truppe staunt über Boris Pistorius (SPD). Der Verteidigungsminister trifft bei den Landstreitkräften eine unerwartete Personalentscheidung. Mit Generalmajor Christian Freuding setzt er einen engen Vertrauten an die Spitze des Heeres.

Freuding löst im September Generalleutnant Alfons Mais ab. Der Drei-Sterne-General führte die mit rund 60.000 Soldaten größte Teilstreitkraft der Bundeswehr seit Anfang 2020. Er war für Ausbildung und Einsatzbereitschaft des Heeres verantwortlich. Ihm oblag auch die Aufstellung der Bundeswehrbrigade in Litauen zur Sicherung der Nato-Ostflanke.

Mais: Bundeswehr ist „blank“

Mais, Jahrgang 1962 und ausgebildeter Hubschrauberpilot, hat sich nach den Worten von Pistorius in den vergangenen Jahren „mit viel Engagement und Herzblut“ den Aufgaben als Heeresinspekteur gewidmet. Jeder Soldat der Bundeswehr dürfte dieses Urteil bestätigen. Möglich ist aber auch, dass Mais als Freund klarer Worte dem Minister doch etwas zu sehr auf die Nerven ging. Nach dem Überfall Russlands auf die Ukraine schlug der Eintrag des Generals in einem sozialen Netzwerk hohe Wellen, wonach die Bundeswehr „mehr oder weniger blank da steht“.

Das Zitat ist seitdem aus keiner Diskussion über die Fähigkeiten der deutschen Streitkräfte wegzudenken. Vor wenigen Wochen verschärfte Mais den Ton. Noch immer seien Panzer und Geschütze, die aus den Beständen der Bundeswehr an die Ukraine gingen, nicht ersetzt worden. Heute sei die Bundeswehr „blanker als blank“, bilanzierte Mais. Die Herausforderung allein für die Bundesregierung sei fast mit der Neuaufstellung der Bundeswehr in den Jahren bis 1962 vergleichbar.

„Zusätzlicher Schwung“ für das Heer

Mit Christian Freuding will Pistorius laut einer Pressemitteilung des Verteidigungsministerium „zusätzlichen Schwung und Veränderung in die Projekte des Heeres“ bringen, was durchaus als Kritik an Mais verstanden werden kann. Freuding war bislang Chef des Planungs- und Führungsstabs im Ministerium und leitete seit April 2022 den Sonderstab Ukraine. Seine Aufgabe war es bislang, die Waffenhilfe für die Regierung in Kiew zu organisieren.

Das hat dem heute 53-Jährigen Anerkennung quer durch alle politischen Lager verschafft – und einen guten Draht zum Minister. Schon einen Tag nach Amtsantritt flog Freuding mit Pistorius nach Ramstein zum Treffen der internationalen Ukraine-Kontaktgruppe.

Erstmals Frau als Vize-Generalinspekteurin

Und noch eine Personalie lässt aufhorchen: Erstmals steigt eine Frau in den Rang der Stellvertreterin des Generalinspekteurs auf. So ersetzt Generaloberstabsärztin Nicole Schilling den bisherigen Vize-Generalinspekteur Andreas Hoppe. Der verheiratete Offizier hatte gleichzeitig Affären mit mehreren Frauen, unter anderem im Ministerium. Es stand die Frage im Raum, ob Hoppe vor diesem Hintergrund erpressbar geworden sei. Nachdem dies öffentlich geworden war, bat er um die Versetzung in den einstweiligen Ruhestand.

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