Kommunalwahlen
Frankreichs Grüne machen Furore
Laut Pariser Innenministerium gingen am Sonntag nur knapp 45 Prozent der Wahlberechtigten an die Urnen – so wenige wie noch nie in einer ersten Runde seit Gründung der Fünften Republik 1958. Vor sechs Jahren hatte die Beteiligung noch rund 20 Prozentpunkte höher gelegen. Gewählt wurden die Gemeinderäte und Bürgermeister in 35.000 Kommunen.
Zu den Gewinnern zählen die Grünen. Aber auch die Rechtspopulisten des Rassemblement National um Marine Le Pen haben zumindest in ihren Hochburgen gut abgeschnitten.
In Hénin-Beaumont in der früheren Bergbauregion Nordfrankreichs und in Fréjus im Süden stellen die Rechtspopulisten auch künftig den Bürgermeister. In Perpignan liegen sie nach dem ersten Durchgang vorne.
Auch Straßburg und Metz mögen es grün
Die Grünen konnten offensichtlich von der Schwäche der Präsidentenpartei La République en Marche (LREM) profitieren. Die Öko-Partei punktete in großen Städten: neben Lyon und Bordeaux auch in Straßburg oder Metz.
In der lothringischen Metropole kommt der Grüne Xavier Bouvet auf Platz zwei hinter dem republikanischen Senatoren François Grosdidier. In Straßburg liegt die Grüne Jeanne Barseghian mit fast 28 Prozent deutlich vor dem zweitplatzierten Alain Fontanel, der knapp 20 Prozent erhielt. Er wird unter anderem von Macrons Partei unterstützt.
Enttäuschte Dritte in Straßburg, wo lediglich ein gutes Drittel der Wähler an die Urnen kam, wurde die Sozialistin Catherine Trautmann: nur 41 Stimmen hinter Fontanel! Dabei war die frühere Kulturministerin und EU-Abgeordnete die erfahrenste der Kandidaten. Die 69-Jährige war bereits zweimal Straßburger Bürgermeisterin, 1989 bis 1997 und 2000 bis 2001.
Stichwahl am 22. März kaum zu halten
Frankreich hatte bisher nur einen grünen Bürgermeister in einer größeren Stadt: Eric Piolle in Grenoble. Seine Liste geht mit deutlichem Vorsprung in die Stichwahl. Dabei stehen jeweils der erste und der zweite des ersten Urnengangs zur Wahl. Doch am Montag wurde davon ausgegangen, dass der Termin 22. März wegen der Corona-Pandemie nicht zu halten ist. Eine Briefwahl wie in Deutschland gibt es in Frankreich nicht. Als Ersatztermin wird der 21. Juni erwartet.
Eine herbe Niederlage gab es in Paris für die Macron-Kandidatin Agnès Buzyn. Sie landete auf Platz drei. Klar vorne liegt Amtsinhaberin Anne Hidalgo, eine Sozialistin mit grüner Verkehrspolitik. Platz zwei ging an die konservative Ex-Justizministerin Rachida Dati.