Bildung Ein Lehrer namens KI

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Schülerinnen und Schüler haben ChatGPT und Co. längst für sich entdeckt. Jetzt empfehlen Experten, künstliche Intelligenz in der Schule zu erproben. Wie kann das gelingen?

Nicht wenige Lehrerinnen und Lehrer können schon heute nicht mehr beurteilen, ob beispielsweise die Referate über die Verwendung des Symbols der „Blauen Blume“ in der Romantik von ihren Schülerinnen und Schülern selbst verfasst wurden, oder ob ChatGPT so wegweisende Erkenntnisse wie das „metaphysische Streben nach dem Unendlichen“ am Ende zustande gebracht hat. Nun soll zumindest in den höheren Klassen die Nutzung künstlicher Intelligenz (KI) erlaubt und gelehrt werden, empfiehlt die Ständige Wissenschaftliche Kommission der Kultusministerkonferenz (KMK).

Wie funktioniert ChatGPT?

ChatGPT ist ein sogenannter Chatbot: Die Maschine kommuniziert über textbasierte Nachrichten und Bilder mit dem Nutzer. Der Automat wurde mit Unmengen von Informationen aus dem Internet gefüttert. Ausgehend von den Aufforderungen des Nutzers produziert die KI kurze Antworten, ganze Referate, Gedichte oder sogar Computerprogramme. Das Problem: Die Informationen aus dem Netz sind nicht immer fehlerfrei, manchmal sind sie sogar frei erfunden.

Nun sollen, so die Empfehlung, solche Instrumente („Tools“) in einer Übergangsphase in den Schulen ab Klasse 8 erprobt werden – „bei offener Fehlerkultur“. Zu gut Deutsch: mal schauen, was alles schieflaufen kann. Künstliche Intelligenz, so das Gremium in seinem am Mittwoch veröffentlichten Papier, könne allerdings den Lehr- und Lernprozess nur unterstützen. Die Bewertung am Ende und die Verantwortung für das, was schließlich herauskomme, müsse dann wieder beim Menschen liegen. Und: Aus diesem Grund müssten Lehrkräfte schnellstens für eine solche Aufgabe qualifiziert werden und die entsprechenden Fortbildungsangebote erweitert werden. „Die dynamische Entwicklung der Tools fordert die Lehrkräfte besonders“, heißt es in dem Papier.

Unterstützung für Lehrkräfte

Der Einsatz solcher Tools biete große Vorteile, so das KMK-Gremium. Sie könnten Lehrerinnen und Lehrer bei der Unterrichtsplanung unterstützen. Und vor allem könnten sie helfen, gezielter auf unterschiedliche Leistungsstärken der Schülerinnen und Schüler einzugehen, etwas durch das Erstellen von Wissenstests mit unterschiedlichem Niveau oder dem Konzipieren von Unterrichtsmaterialien, die nun individueller auf den Wissensstand der Kinder und Jugendlichen abgestimmt sind.

Für diese ist es sicher wichtig, einen kompetenten Umgang mit diesen neuen Hilfsmitteln zu erlernen. Etwa 20 Prozent der Schülerinnen und Schüler, so Schätzungen, nutzen sie sowieso schon. Nun sollen sie in der Schule dazu befähigt werden, die entsprechenden Inhalte bezüglich ihrer Qualität, Korrektheit und Vertrauenswürdigkeit zu bewerten. Das heißt, Fachwissen, analytisches Denken und kritisches Hinterfragen sind immer noch bitter nötig.

Schnelle Aus- und Weiterbildung wichtig

Damit das alles gelingt, gilt es laut Wissenschaftlicher Kommission noch einige Voraussetzungen zu erfüllen. Die allerwichtigste ist bereits genannt: die grundlegende und schnelle Aus- und Weiterbildung der Lehrkräfte. Darüber hinaus müssten die KI-Instrumente für den Bildungskontext und die entsprechenden Fächer angepasst werden. Vorhandene kommerzielle Tools könnten nicht einfach übernommen werden, warnte Ulrike Cress, Direktorin des Leibniz-Instituts für Wissensmedien. Und dann wäre da noch das Problem bei Prüfungen: Wo darf KI eingesetzt werden und wo nicht? Und vor allem: Wie soll das bewertet werden?

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