Meinung
Drohendes Kampfjet-Aus ist ein europäisches Desaster
Die Welt ist im Moment kein friedlicher Ort. Im Weißen Haus sitzt ein Präsident, der nicht zögert, Kriege vom Zaun zu brechen, wenn sie zu seinem persönlichen Nutzen sind. Zur selben Zeit arbeitet das imperiale China konsequent an seinem Aufstieg zur wirtschaftlichen und militärischen Weltmacht. Und in Europa wird seit dem Überfall Russlands auf die Ukraine die gesamte EU in ihrer Existenz bedroht.
Zeichen der Zeit nicht erkannt
Es gibt also genügend sehr gute Gründe für die Europäer, sich zusammenzuraufen, um gemeinsam den Herausforderungen zu begegnen. Doch die führenden Politiker und Unternehmer scheinen die Zeichen der Zeit nicht erkannt zu haben. Nirgends wird das deutlicher als bei dem Desaster der Entwicklung des Kampflugzeuges FCAS. Das 100-Milliarden-Euro-Projekt droht persönlichen Eitelkeiten und nationalen Egoismen geopfert zu werden. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und der deutsche Kanzler Friedrich Merz preisen sich in der Öffentlichkeit als Kämpfer für ein geeintes Europa, geben im entscheidenden Augenblick bei diesem sehr konkreten Projekt zum Schutz des Kontinents aber keine gute Figur ab.
Unehrlich ist, dass jeder versucht, die Schuld für das Versagen bei der Gegenseite abzuladen. Die Verantwortlichen scheinen die Tragweite dieses fatalen Scheiterns zu verdrängen. In einer feindlich gesinnten Welt muss Europa daran arbeiten, sich militärisch schnell unabhängig zu machen.