Meinung Die „Letzte Generation“ verschwindet
Für viele Menschen in Deutschland, sind die Klimaschutzaktivisten der „Letzten Generation“ das Allerletzte. Insbesondere für die Bewohner großer Städte wie Berlin, Köln oder München. Auf dem Weg zur Arbeit, manchmal auch bei der Autofahrt zum Arzt oder zum Flughafen, standen sie im Stau, weil sich weiter vorne Demonstranten auf der Straße festgeklebt hatten.
In den sozialen Netzwerken fanden sich so schon bald nach dem Auftauchen der ersten „Klimakleber“ Anfang 2022 Hasstiraden gegen die Blockierer. Deren Anliegen, der Schutz des Weltklimas, spielte kaum mehr eine Rolle in den Diskussionsforen. Nun hat die „Letzte Generation“ die Konsequenz gezogen: Sie will nicht mehr so heißen. „Wir lassen den Namen hinter uns“, sagte Carla Hinrichs, eine der Sprecherinnen der Klimaaktivisten, dem „Spiegel“. Aufhören zu demonstrieren will man nicht. Aber aus den Strukturen der „Letzten Generation“ werde Neues entstehen.
Der Zweck heiligt die Mittel?
Das ganze Projekt war ein gehöriges Missverständnis. Es begann schon mit dem Namen. Nicht wenige Menschen in Deutschland waren und sind der Meinung, der Begriff „Letzte Generation“ spiele auf einen bevorstehenden Weltuntergang durch den sich verschärfenden Klimawandel an. Das aber ist falsch. Die Aktivisten wollten ausdrücken, dass sie der letzten Generation angehören, der es noch möglich sein werde, durch geeignete Maßnahmen den Klimawandel auf ein erträgliches Maß zu begrenzen.
Gescheitert sind die Klimaaktivisten aber nicht, weil sie ein Ziel verfolgten, das ja auch von der Wissenschaft geteilt wird. Sie sind gescheitert, weil ihnen der Zweck die Mittel heiligte. Weil sie ihr Ziel nicht mit der Gesellschaft in Angriff nehmen wollten, sondern gegen sie.
Vorher abgebogen
Das ist aussichtslos. Die Geschichte ist voll mit Gruppen, die sich anderen moralisch überlegen fühlten, die aber nicht die Mehrheit hinter sich scharen konnten und schließlich ins Sektiererische abglitten. Oder die als Stadtguerilla weiterkämpften. Die „Letzte Generation“ ist vorher abgebogen. Ihre Begründung lautet: Die „Letzte Generation“ könne nicht mehr sicher sein, dass sie wirklich die letzte Generation vor einem Klima-Umsturz sei. Dieser sei wohl eingeleitet, der Gruppenname damit obsolet geworden. Doch zur Wahrheit gehört auch: Der Leitsatz „Wer nicht stört, wird nicht gehört“ hatte die „Letzte Generation“ zuletzt ins Abseits geführt.