Meinung
Die Europäer dürfen vor Trump nicht kuschen
Gäbe es einen Nobelpreis für die brachialsten Ankündigungen eines Staatschefs, er wäre Donald Trump gewiss. Der Narzisst im Weißen Haus will aber den Friedensnobelpreis. Ob in Nahost oder im Ukrainekrieg – Trump glaubt, er könne per Diktat „Deals“ erzwingen. Es wird schon ein bisschen mehr brauchen.
Vor allem müssen die Betroffenen vor Ort mitspielen. Kiew kann und wird sich nicht zur endgültigen Aufgabe besetzter Gebiete überreden lassen. Mit einem Feind, der das eigene Existenzrecht negiert, ist allenfalls ein kalter Friede möglich.
London und Paris gehen voran
Die Europäer müssen jetzt und hier Kiew Sicherheitsgarantien geben, die den Namen verdienen. Washingtons Druck, konkrete Beiträge zu definieren, ist in der Sache richtig. Es ist unser Kontinent, der im Feuer steht. London und Paris gehen voran und zeigen die Führungsstärke, die dem deutschen Bundeskanzler abgeht. Das ist verständlich so kurz vor der Bundestagswahl, und Polens Premier zaudert ja auch. Aber es ist mitnichten verfrüht, zu klären, was den Kreml davon abhalten könnte, in drei Jahren doch zu erobern, was er als Seins erachtet.
Trumps „Friedensdiktat“ müssen die Europäer nicht hinnehmen. Die Bundeswehr hat für zehn Milliarden Euro amerikanische F-35-Kampfjets bestellt. 13 weitere europäische Streitkräfte haben F-35 geordert. Stornotaste, bitte, und ankündigen, das Geld in Kiews Kriegsindustrie zu stecken. Wetten, dass noch ein Stuhl jenseits des Katzentischs frei wird?