Kalender RHEINPFALZ Plus Artikel Die erste Frau Minister in der Bundesrepublik

Für sie wurde eigens ein neues Ministerium eingerichtet: Elisabeth Schwarzhaupt.
Für sie wurde eigens ein neues Ministerium eingerichtet: Elisabeth Schwarzhaupt.

Elisabeth Schwarzhaupt war die erste Bundesministerin, die zwölf Jahre nach der Gründung der Bundesrepublik Deutschland ins Amt berufen wurde. Das es so weit kam, dazu war einiger Druck vonnöten.

Zwölf Jahre nach Gründung der Bundesrepublik Deutschland war die Berufung einer Frau ins Kabinett mehr als überfällig. Doch der greise Kanzler Konrad Adenauer wollte keine Frau in seiner Herren-Ministerriege. Die weiblichen Abgeordneten der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag setzten Adenauer jedoch unter Druck, seine vor der Wahl gegebene Zusage einzuhalten und endlich einer Frau einen Ministerposten zu geben.

Eine Art Sitzblockade

Vier Tage vor der Vereidigung des vierten Kabinetts Adenauer versammelten sich einige Politikerinnen vor dem Kabinettssaal zu einer Art Sitzblockade. „Wir sind entschlossen, hier nicht eher wegzugehen, bis wir eine Ministerin haben“, drohte die damals 80-jährige Abgeordnete Helene Weber (CDU), eine der vier „Mütter des Grundgesetzes“.

Die Aktion der Frauen hatte Erfolg, der Kanzler berief die promovierte Juristin Elisabeth Schwarzhaupt, stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, zur ersten Frau Minister. Da alle Ressorts bereits vergeben waren, richtete man ein Gesundheitsministerium ein. Am 14. November 1961 wurde Elisabeth Schwarzhaupt als Gesundheitsministerin vereidigt. In der DDR hingegen hatten es bereits in den 50er Jahren zwei Frauen auf Ministerposten geschafft: Elisabeth Zaisser als Ministerin für Volksbildung und Hilde Benjamin als Justizministerin.

Harter Lebensalltag von Frauen

Doch wer war Elisabeth Schwarzhaupt, die vor fast 60 Jahren eine Vorreiterrolle für Frauen in der Politik einnahm? Geboren 1901 in Frankfurt, aufgewachsen in einem liberalen Elternhaus, studierte sie Jura. Nach dem zweiten juristischen Staatsexamen arbeitete Schwarzhaupt zunächst in der städtischen Rechtsauskunftstelle für Frauen in Frankfurt. Hier wurde sie mit dem harten Lebensalltag von Frauen konfrontiert und mit einem Familienrecht von 1900, das dem Ehemann Recht auf Vermögensverwaltung und Letztentscheidung einräumte und die Ehefrau weitgehend in die Unmündigkeit verbannte. Diese Erfahrungen führten dazu, dass sie sich später als Politikerin für eine Änderung des Familienrechts einsetzte.

1932 wurde Schwarzhaupt zur Richterin am Dortmunder Amtsgericht ernannt – ein Herzenswunsch. Doch ein Jahr später kam die Entlassung, die Nazis duldeten keine Frauen im Justizsystem. Die Juristin machte daraufhin Karriere in der Evangelischen Kirche. 1953 trat sie in die CDU ein und kandidierte für den Bundestag.

Der Conterganskandal

Kurz nach Antritt ihres Amtes als Gesundheitsministerin stand Schwarzhaupt vor ihrer ersten Herausforderung: Wissenschaftliche Untersuchungen bewiesen 1961 den Zusammenhang des Schlafmittels Contergan mit schweren Missbildungen Tausender Neugeborener. Die Ministerin verschärfte die Arzneimittelkontrolle und weitete die Rezeptpflicht aus. Auch in Sachen Umweltpolitik wird sie tätig durch erste Verordnungen zur Reinhaltung des Wassers und der Luft sowie Kennzeichnung von Fremdstoffen in Lebensmitteln. 1966, als die Koalition mit der FDP zerbrach, reichte Elisabeth Schwarzhaupt ihren Rücktritt ein. Sie blieb aber Mitglied des Bundestages und engagierte sich unter anderem in der Strafrechtsreform.

Im heutigen Kabinett sind sechs Ministerinnen vertreten, an der Spitze steht eine Kanzlerin. Im Bundestag indes liegt der Frauenanteil bei 30,7 Prozent, so niedrig wie zuletzt vor zwei Jahrzehnten.

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