Bahnverkehr RHEINPFALZ Plus Artikel Deutschlandticket verlagert Verkehr auf die Bahn

Das Deutschlandticket wird in Rheinland-Pfalz besonders oft im Regional-Express genutzt.
Das Deutschlandticket wird in Rheinland-Pfalz besonders oft im Regional-Express genutzt.

Das Deutschlandticket hat zu einer deutlichen Verlagerung von Autoverkehr auf die Bahn geführt. In Rheinland-Pfalz hat die Verbreitung des Tickets 2024 stark zugenommen.

Mit dem im Mai 2023 eingeführten Deutschlandticket lassen sich bundesweit Busse und Bahnen einschließlich aller Regionalzüge nutzen. Michael Hauer, Staatssekretär im rheinland-pfälzischen Mobilitätsministerium, teilte in einer Antwort auf eine parlamentarische Anfrage der Grünen-Fraktion im Mainzer Landtag mit, dass die Anzahl der Nutzer des Tickets im vergangenen Jahr deutlich gestiegen sei. Nachdem im zweiten Halbjahr 2023 noch etwa 13,9 Prozent der Rheinland-Pfälzerinnen und Rheinland-Pfälzer ein Deutschlandticket besaßen, liege die Zahl ein Jahr später mittlerweile bei 18,9 Prozent, berichtete Hauer und berief sich dabei auf Ergebnisse einer Marktforschungsstudie. Der bundesweite Durchschnitt habe im vergangenen Jahr bei 20,4 Prozent gelegen.

Eine Auswertung mehrerer Studien für einen neuen Ariadne-Report zur Wirkung des Deutschlandtickets konstatiert eine deutliche Verkehrsverlagerung vom Auto auf den öffentlichen Personennahverkehr. Die Ariadne-Reports gehören zum Kopernikus-Projekt, das als Verbund von mehr als 27 Instituten organisiert ist und vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) geleitet wird.

Viele Fahrten vom Auto verlagert

Die Ariadne-Forscher kombinieren in ihrem neuen Report Ergebnisse aus einer Vielzahl an Studien basierend auf Befragungen und Beobachtungszahlen, wie zum Beispiel Mobilfunk- und Verkehrszählungsdaten. Sie kommen zum Ergebnis, dass etwa 12 bis 16 Prozent aller Fahrten mit dem Deutschlandticket Fahrten sind, die vom Pkw auf die Schiene verlagert wurden.

Die treibende Kraft für den Umstieg sind Menschen, die den öffentlichen Nahverkehr zuvor nur gelegentlich genutzt haben. Sie machen rund 45 Prozent der Deutschlandticket-Besitzer aus. Diese Gruppe spielt eine wesentlich bedeutendere Rolle als die relativ kleine Gruppe von „echten Neueinsteigern“, die den Nahverkehr zuvor überhaupt nicht genutzt haben. Sie machen weniger als 5 Prozent der Deutschlandticket-Besitzer aus.

Nur relativ wenig echte Neukunden

„Die von uns betrachteten Studien zeigen, dass das Deutschlandticket keine oder nur geringe zusätzliche Mobilität erzeugt, sondern maßgeblich zur Verkehrsverlagerung beiträgt“, stellt Ariadne-Forscher Nicolas Koch vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung fest. „Nicht nur die Befragungsdaten zeigen, dass der Pkw-Verkehr zugunsten der Bahn zurückgeht. Auch verschiedene Verkehrsdaten bestätigen eine Verlagerung von der Straße auf die Schiene.“

Kritiker des Deutschlandtickets argumentieren häufig mit dem geringen Anteil von echten Neukunden, die das Deutschlandticket gebracht hat und setzen sie in Relation zu den Zuschüssen von 3 Milliarden Euro, die Bund und Länder jährlich für das Deutschlandticket zahlen. Der Ariadne-Report verweist demgegenüber auf „einen nicht zu unterschätzenden gesellschaftlichen Nutzen durch vermiedene Klimaschäden und weitere Umweltbelastungen, wie zum Beispiel Luftschadstoffe, mit 2,4 bis 3,7 Milliarden Euro pro Jahr“.

Andreas Krämer von Exeo Strategic Consulting AG, Mit-Autor des Reports betont: „Das Deutschlandticket ist ein effektives Instrument für die Verkehrswende, bedarf aber weiterer flankierender Maßnahmen. Eine weitere Erhöhung des Ticketpreises oder auch Unsicherheit über den zukünftigen Preis könnten dagegen die positiven Effekte gefährden.“ Der Preis wurde Anfang 2025 von zuvor 49 Euro auf 58 Euro monatlich angehoben. Gesichert ist das Ticket zu diesem Preis zunächst nur bis Ende 2025. Bei den aktuellen Koalitionsverhandlungen zwischen Union und SPD wird derzeit eine deutliche Preiserhöhung ab 2027 angepeilt.

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