Kalender RHEINPFALZ Plus Artikel Der Tag, an dem Israel geboren wurde

 Land im ständigen Ausnahmezustand: Polizeibeamte und Soldaten in Tel Aviv auf der Straße am Unabhängigkeitstag, den die Israeli
Land im ständigen Ausnahmezustand: Polizeibeamte und Soldaten in Tel Aviv auf der Straße am Unabhängigkeitstag, den die Israelis dieses Jahr am 28. April feierten.

Warum das Jahr 1948 für den Nahostkonflikt noch wichtiger war als all die Kriege, die folgten.

Es geschah im Museum von Tel Aviv, einem zweistöckigen weißen Gebäude im kubistischen Bauhausstil. Was der österreichisch-ungarische Jude Theodor Herzl 1896 in seinem Werk „Der Judenstaat“ gefordert hatte, wurde am 14. Mai 1948 wahr: David Ben Gurion, selbst im Russischen Kaiserreich geboren, verkündete die Gründung des Staates Israel.

Das Datum war kein Zufall, und doch kam die Proklamation durch Ben Gurion überraschend. Am 14. Mai 1948 endete das britische Mandat über Palästina. Die 1916 von Briten und Franzosen vereinbarte Aufteilung des Nahen Ostens zwischen den Kolonialmächten wurde durch eine neue Ordnung ersetzt. Sie ist bis heute der Dreh- und Angelpunkt der scheinbar unendlichen Debatten über einen Frieden im Heiligen Land. Vor allem Muslimen in aller Welt gilt die Gründung Israels als Ursprung der Konflikte. Die Realität ist komplexer.

UN-Teilungsplan abgelehnt

Als Ben Gurion Israels Gründung verkündete, lag ein Teilungsplan der Vereinten Nationen auf dem Tisch, den die arabischen Staaten nicht akzeptierten. In dem 25.000 Quadratkilometer umfassenden Palästina mit einer Bevölkerung von 1,3 Millionen Arabern und 608.000 Juden sollten ein arabisch-palästinensischer und ein jüdischer Staat entstehen. Jerusalem - heilige Stadt für Juden, Christen und Muslime – sollte eine neutrale Enklave werden.

Stattdessen: Als das Ende des britischen Mandats nahte, zogen um Palästina arabische Armeen auf. „Wir bieten allen benachbarten Staaten und ihren Völkern Frieden und Freundschaft“, verkündete Ben Gurion in Tel Aviv. Es folgte aber prompt die Invasion durch Truppen Ägyptens, Transjordaniens, Syriens, des Irak und des Libanon.

Dank mit amerikanischer und in der Tschechoslowakei beschaffter Waffen siegten die Israelis. Sie schufen den bisher demokratischsten Staat im Nahen Osten. Im Zuge des bis Januar 1949 dauernden Unabhängigkeitskriegs aber kam es zur Vertreibung Hunderttausender Palästinenser. Für sie bleibt der 14. Mai 1948 die „Nakba“ – die Katastrophe.

Massaker an Arabern

Auch zuvor war nicht nur von arabischer Seite Gewalt im Spiel gewesen. Attentate auf Einrichtungen der britischen Mandatsbehörden durch zionistische Milizen waren an der Tagesordnung gewesen. Schon in den Wochen vor der Unabhängigkeitserklärung gab es Massaker in Palästinenserdörfern, die dann wiederum Vergeltungsangriffe auslösten. Gewalt, die seither immer wieder aufflammt und weitere Kriege zur Folge hatte.

Der Kalender

DIE RHEINPFALZ feiert in diesem Jahr ihren 75. Geburtstag, 365 Tage lang. In diesem Kalender erinnern wir Sie, liebe Leserinnen und Leser, jeden Tag an ein besonderes Ereignis oder eine ungewöhnliche Geschichte aus den vergangenen 75 Jahren.
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