Volkszählung RHEINPFALZ Plus Artikel Der Staat will wissen: Wie viele Deutsche gibt es eigentlich?

Ausgewählte Bürger können beim Zensus 2022 Online-Fragebögen auf dem Tablet oder Smartphone ausfüllen.
Ausgewählte Bürger können beim Zensus 2022 Online-Fragebögen auf dem Tablet oder Smartphone ausfüllen.

Millionen zufällig ausgewählter Bürger werden bei der Volkszählung im kommenden Jahr befragt. Es wird ermittelt, wie viele Menschen in Deutschland leben, wie sie wohnen und arbeiten. Rheinland-Pfalz sucht dafür rund 4000 Interviewer.

Viele Bürger werden gar nichts davon mitbekommen, denn die Volkszählung – auch Zensus genannt – im nächsten Jahr ist eine Stichprobenerhebung. Etwa 10,2 Millionen nach dem Zufallsprinzip ausgewählte Menschen werden unter anderem zu Alter, Familienstand und Staatsangehörigkeit sowie zu ihrer Ausbildung und ihrer Arbeitssituation befragt.

Zusätzlich müssen alle Haus- und Wohnungseigentümer Auskunft geben, beispielsweise zu Baujahr, Heizungsart oder der Aufteilung der Räume ihrer Liegenschaften. Betroffen sind in dieser Gruppe rund 23 Millionen Bürger. Auch Bewohner von Studentenwohnheimen, Alten- und Pflegeheimen und Gemeinschaftsunterkünften werden erfasst. Zur Auskunft ist man verpflichtet, sonst droht ein Bußgeld.

Stichtag ist der 15. Mai

Der Sinn der Erhebung ist der Wunsch nach mehr Präzision für die Planung von Straßen, Schulen, Kitas oder Wohnungen. Es geht auch darum, Ungenauigkeiten in den Melderegistern zu beheben, die entstehen, wenn sich Menschen etwa nach Umzügen noch nicht am neuen Wohnort angemeldet haben. Das Projekt wird federführend vom Statistischen Bundesamt in Zusammenarbeit mit den Statistischen Landesämtern durchgeführt.

Der Zensus soll seit 2011 turnusgemäß alle zehn Jahre stattfinden. Damals hatte sich herausgestellt, dass in vielen Städten und Gemeinden weniger Menschen leben als angenommen – mit schmerzhaften finanziellen Konsequenzen, da sich die Höhe von Zahlungen aus dem Finanzausgleich an der Bevölkerungszahl bemisst. Auch die Größe von Stadt- und Gemeinderäten orientiert sich an der Einwohnerzahl. Der 2021 vorgesehene Zensus wurde wegen der Pandemie auf das nächste Jahr verschoben. Die Gesamtkosten des Zensus werden mit 1,5 Milliarden Euro angegeben.

„Zuverlässig und verschwiegen“

Stichtag ist der 15. Mai. Ab dann werden die beteiligten Bürger aufgefordert, Online-Fragebögen auszufüllen. Allerdings muss ein Teil der Fragen in kurzen persönlichen Interviews geklärt werden. Dafür suchen die Statistischen Landesämter in ganz Deutschland mehrere Tausend Interviewer. Als sogenannte Erhebungsbeauftragte sollen sie in ihrem Bundesland – aber nicht unmittelbar an ihrem Wohnort – unterwegs sein und Befragungen durchführen.

Die Interviewer müssen nach den Angaben der Landesämter „volljährig, zuverlässig, verschwiegen und zeitlich flexibel“ sein und erhalten eine Aufwandsentschädigung. In Rheinland-Pfalz werden schätzungsweise 4000 Interviewer benötigt. Jeder wird rund 100 bis 120 Interviews führen. Für den Zensus sind in Rheinland-Pfalz 36 örtliche Erhebungsstellen in den Rathäusern und Gemeindeverwaltungen der Städte und Kreise eingerichtet worden. Diese Stellen werben die Interviewer an, betreuen und schulen sie, so das Statistische Landesamt in Bad Ems auf Anfrage.

„Datenschutz beachtet“

Das Statistische Bundesamt betont, dass die Vorgaben zum Datenschutz aus dem Statistikgesetz und der Datenschutzgrundverordnung beachtet würden. Die Daten würden nicht an Behörden außerhalb der amtlichen Statistik weitergegeben. Personenbezogene Daten würden zur Aufbereitung benötigt und baldmöglichst gelöscht. Die Daten würden nur anonymisiert ausgewertet. Es gehe nicht darum, etwas über die individuellen Lebensverhältnisse oder Einstellungen zu erfahren, sondern eine Datenbasis zu erhalten, so Statistik-Präsident Georg Thiel.

Kommentar: Deutschland hat Lücken in der Statistik

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