CDU RHEINPFALZ Plus Artikel Christian Baldauf: Nahbar und geerdet, aber ohne glückliches Händchen

Christian Baldauf gibt nach dem Fraktionsvorsitz im Landtag nun auch den CDU-Landesvorsitz auf.
Christian Baldauf gibt nach dem Fraktionsvorsitz im Landtag nun auch den CDU-Landesvorsitz auf.

Die rheinland-pfälzische CDU verdankt ihrem scheidenden Landesvorsitzenden Christian Baldauf viel, aber die Partei und er hatten und haben es nicht immer einfach miteinander. Der Frankenthaler musste mit kriminellen Machenschaften aufräumen und gegen alte Seilschaften kämpfen. Den Sprung in die Regierung hat er nicht geschafft.

Im Moment seines größten Triumphs steht Christian Baldauf auf der Bühne des Saalbaus in Neustadt. Hinter ihm an der Wand ein Zitat des Pfälzer Fußballidols Fritz Walter: „Der Schlüssel zum Erfolg ist Kameradschaft und der Wille, alles für den anderen zu geben.“ Gerade hat Baldauf vor den Delegierten des CDU-Parteitags eine kämpferische Rede gehalten. Eine, die die Parteiseele streichelt. Manche werden später sagen, es war die Rede seines Lebens.

Es ist der 16. November 2019, die rheinland-pfälzische CDU kürt den Spitzenkandidaten für die Landtagswahl 2021. Draußen arbeiten sich die Bauern an Julia Klöckner ab, zu dieser Zeit Bundeslandwirtschaftsministerin und Vorsitzende der Landes-CDU. Drinnen siegt der Chef der Landtagsfraktion, Christian Baldauf, über seinen ebenso charismatischen wie rebellischen Herausforderer Marlon Bröhr, damals Landrat im Rhein-Hunsrück-Kreis. Knapp über 80 Prozent der Delegierten votieren für Baldauf. Mit dem Gefühl, dass er nach Jahrzehnten die Staatskanzlei für die CDU zurückerobern kann, gehen viele nach Hause.

Es ist kaum vorstellbar, dass Christian Baldauf drei Jahre später unschön den Fraktionsvorsitz loswerden wird und fünf Jahre später, nämlich am kommenden Samstag auf dem CDU-Parteitag in seiner Heimatstadt Frankenthal, als Landesvorsitzender abtreten wird.

Wahlabend 2021 markiert Ende als Hoffnungsträger

Aber so ist das in der Politik, wenn Wahlen verloren werden. Denn bei der Landtagswahl 2021 kommt es anders, als es die Stimmung im Saalbau verheißt. Corona hält die Welt in Atem. Der Wahlkampf zwingt den Pfälzer ins sterile Studio. Dabei gewinnt Baldauf im persönlichen Umgang. Er ist nahbar, fast kumpelhaft. Er kann aufmerksam zuhören, aber auch gut unterhalten. In Baldaufs Gegenwart ist es immer kurzweilig. In den Digitalformaten kommt das kaum rüber. Inhaltlich zündet der Wahlkampf nicht, auf Bundesebene zerreibt sich die Union gerade zwischen Armin Laschet und Markus Söder. Niemand hat Lust, Plakate zu kleben. Am Wahlabend im März 2021 bleibt der Balken bei 27,7 Prozent stehen, acht Punkte hinter der SPD von Malu Dreyer. Zu den 30 Jahren in der Opposition werden sich weitere fünf hinzugesellen.

Dieser Wahlabend markiert das Ende von Christian Baldauf als Hoffnungsträger der rheinland-pfälzischen CDU. Dabei startet seine Karriere im Mainzer Landtag 2001 fulminant. Er luchst der SPD in seinem Wahlkreis Frankenthal das Direktmandat ab. In der CDU, in die er 1983 mit 16 Jahren eingetreten ist, hat er es bis in den Bundesparteiausschuss und in die Satzungskommission geschafft.

Beruflich ist der Jurist in seiner Kanzlei in Frankenthal als Fachanwalt für Arbeitsrecht etabliert. Dieses Standbein, diese Unabhängigkeit, gibt er in all den Jahren nicht auf. Privat ist er schon mit seiner Frau Martina verheiratet, die zwei Kinder sind inzwischen junge Erwachsene.

2006: Leere Kassen und kriminelle Machenschaften

Baldauf trifft auf eine Landes-CDU, die auf eine Vollkatastrophe zusteuert. Als er nach der verlorenen Landtagswahl 2006 Verantwortung an der Spitze von Partei und Fraktion übernimmt, findet er nur leere Kassen vor und entdeckt kriminelle Machenschaften. Fraktionsgelder sind illegal in den Wahlkampf geflossen, und mit der Fraktionskreditkarte sind Bordellbesuche gezahlt worden. Der junge CDU-Mann steht alten Seilschaften gegenüber, die ihm das Leben schwer machen. Politisch gelingt es ihm nicht, der damals regierenden SPD-Alleinregierung von Ministerpräsident Kurt Beck Paroli zu bieten.

Baldauf zeigt Schwächen. In entscheidenden Sitzungen des Untersuchungsausschusses „Nürburgring“ wirkt er schlecht vorbereitet. Nur selten erlebt er Sternstunden als Redner im Landtag. Manchmal haut er pointierte Forderungen raus, nutzt dafür gerne den Boulevard. Aber das verpufft meist schnell.

Unter Klöckner in die zweite Reihe gerückt

Ein echter Coup, für den ihm die Partei dankbar sein muss, gelingt ihm 2010. Da holt Baldauf Julia Klöckner, damals Parlamentarische Staatssekretärin im Bundeslandwirtschaftsministerium, als Spitzenkandidatin nach Rheinland-Pfalz. Klöckner lehrt eine selbstgefällige SPD das Fürchten, aber 2011 gewinnt Kurt Beck dennoch die Wahl. Fünf Jahre später heißt die Siegerin Malu Dreyer.

Unter Klöckner rückt Baldauf in Partei und Fraktion in die zweite Reihe. Wer ihn in kleiner Runde erlebt, spürt, wie er zuweilen damit hadert. Das Verhältnis der beiden ist eher geschäftsmäßig. Aber eines gelingt in der gemeinsamen Zeit: Die rheinland-pfälzische CDU macht einen geeinten Eindruck. Die finanziellen Krisen bewältigen sie gemeinsam. Auch das bleibt aus der Ära Baldauf.

2022 wieder Landesvorsitzender

Nach der verlorenen Landtagswahl 2021 macht Baldauf weiter. Er lässt keine Fußballmetapher aus, um sich als Teamspieler zu präsentieren. Aber zunehmend sind Leute in der Fraktion genervt. Baldauf wird Sprunghaftigkeit vorgeworfen, fehlende Zuverlässigkeit. Im März 2022 fahren einige mit geballter Faust in der Tasche nach Wittlich zum Landesparteitag – und wählen ihn dennoch mit 83,6 Prozent zum Parteivorsitzenden, zum Nachfolger Klöckners.

Etwas braut sich aber zusammen. Baldauf sieht es nicht oder will es nicht sehen. Darüber gehen die Meinungen auseinander. Er verliert an Rückhalt, mindestens bei jenen, die er zu seinem engen Umfeld zählt, von denen er sagt, sie seien Freunde. Die Pfälzer CDU-Abgeordneten Marcus Klein und Dirk Herber sind darunter, aber auch Generalsekretär Gordon Schnieder aus der Eifel, der am Samstag Parteichef werden will.

„Ich bin völlig im Reinen mit mir“

Als Baldauf am 22. Dezember 2023 per Pressemitteilung bekannt gibt, im März den Fraktionsvorsitz abgeben zu wollen, dauert es nur wenige Stunden, bis hinter vorgehaltener Hand eine andere Erzählung die Runde macht: Er werde durch eine Intrige, einen Putsch zur Aufgabe des Amtes gezwungen. Es folgen Solidaritätsbekundungen auf der einen, Erklärversuche auf der anderen Seite. Weil sich niemand, auch Baldauf selbst nicht, offen und vor allem öffentlich dazu äußert, bahnen sich Gerüchte einen Weg.

„Ich bin völlig im Reinen mit mir“, sagt Baldauf in diesen Tagen häufig. Doch wie geht es weiter mit dem 57-Jährigen? Ein Bundestagsmandat wäre eine Option. Am Montag hörte er sich an, als wolle er 2026 noch einmal für den Landtag kandidieren. Kommunalpolitisch wenigstens hat er viel Grund zur Freude: Seine Tochter sitzt seit diesem Jahr mit ihm im Stadtrat.

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