Landtagswahl 2021
CDU-Spitzenkandidat Christian Baldauf: Mal Zuhörer, mal Kümmerer, mal Genießer
„Fangen Sie bitte noch mal an, die anderen Mikros sind jetzt aus“, fordert Christian Baldauf eine Frau auf, die mit dem Spitzenkandidaten der CDU über die Verkehrssituation in der Süd- und Vorderpfalz sprechen will. Baldauf sitzt rund 75 Kilometer entfernt in der Mainzer Rheinallee. Das Wahlkampfstudio in der CDU-Landesgeschäftsstelle ist in diesem Corona-Wahlkampf sein Tor in die Regionen. Auf einem großen Bildschirm sind die rund 40 Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu sehen, CDU-Wahlkreisabgeordnete, Kommunalpolitiker und interessierte Bürger – digital vernetzt.
Jetzt klappt es mit der Technik. Die Pfälzerin macht ihrem Ärger über die Abfahrt Grünstadt der B 271 Luft. Gegen die Staus am Autobahnkreisel würden weniger Lkws helfen, meint sie. „Lkws kann man nur für die Durchfahrt verbieten, aber was machen wir mit dem Ziel- und Quellverkehr?“, fragt Baldauf zurück und kommt gleich noch auf die B-271-Problematik im Neustadter Stadtteil Mußbach zu sprechen. Auf die Politik vor Ort, auf die Regionen hat er die Kampagne ausgelegt. Die Politik könne nicht überall Verbotsschilder aufstellen. „Was wir tun müssen, wenn wir dran kommen, ist eine gründliche Analyse“, sagt Baldauf der Frau zu. Den Sanierungsstau bei Landes- und Kommunalstraßen auflösen zu wollen, verspricht er der Runde.
In Umfragen knapp vor der SPD
Drankommen. Regieren. In den Umfragen liegt Baldaufs CDU knapp vor der SPD von Ministerpräsidentin Malu Dreyer. Dennoch gilt der 53-jährige Herausforderer aus Frankenthal nicht als Favorit bei dieser Landtagswahl am 14 März. Im Januar geben bei einer SWR-Umfrage des SWR 40 Prozent der Befragten an, Baldauf nicht zu kennen. In den Beliebtheitswerten rangiert Dreyer weit vor ihm. Baldauf wollte von Region zu Region fahren, sich mit vielen Terminen vor Ort bekannt machen. Wegen der Pandemie geht das nicht. Gleichzeitig ist Dreyer als Krisenmanagerin in den Medien omnipräsent.
Wer Baldauf darauf anspricht, erlebt ihn gelassen. Das sei nun mal nicht zu ändern. Dreyer sei eine sympathische Frau, persönlich komme er gut mit ihr aus. „Aber nett sein alleine, macht noch keine gute Politik“, gehört zu seinen Standardsätzen vor der Wahl. Doch die Gelassenheit hat Grenzen. Nach der Aufzeichnung eines Fernsehinterviews in der Landesgeschäftsstelle kommt es zum Wortgefecht zwischen einen Mitglied aus Baldaufs Team und der ZDF-Journalistin über eine der Fragen. Baldauf mischt sich ein, die Atmosphäre lädt sich auf. Ein Telefonat am nächsten Tag wird die Wogen wieder glätten.
Treffen nur mit wenigen Menschen
Im Studio ist er gleich in der nächsten Schalte. Aus dem Landesnorden haben sich 50 Leute zugeschaltet, um über Landärzte zu reden. Dass der Notarzt nach einem geänderten Landesgesetz nun 15 statt zehn Minuten brauchen darf, um vor Ort zu sein, will der CDU-Mann wieder rückgängig machen. Baldauf stellt sein Programm vor, hört zu, macht Notizen und verspricht bei der einen oder anderen Frage ihr nachzugehen. Er gibt sich als Kümmerer.
Vor der Tür der CDU-Parteizentrale in Mainz steht Baldaufs Wahlkampfbus. Er fährt damit zu Impfzentren, zu Firmen, trifft aber jeweils nur sehr wenige Menschen. Größere Reichweiten erreicht er über Facebook oder Instagram. 190 Menschen schauen am Sonntag zu, wie er mit dem Mainzer Fasnachtsstar Thomas Neger plaudert. Ob er den „kleinen Feigling“ für die politische Konkurrenz mitgebracht habe, will Neger wissen. So würde er das nicht formulieren, sagt Baldauf und schiebt Richtung SPD hinterher. „Aber wir lösen euch jetzt leider ab, das ist nun mal so.“ Unter seiner Narrenkappe versprüht er gute Laune.
Whiskyprobe online
Der direkte Austausch mit den Menschen liegt ihm. Und die Not macht Wahlkämpfer erfinderisch. Bei einer Online-Whiskyprobe ist er der nette Typ von nebenan. Diesmal schaltet er sich aus seinem Haus in Frankenthal zu, wo er mit Frau und zwei Kindern wohnt. Eine Bücherwand ist im Hintergrund zu sehen. Leger sitzt er im Hemd in einem Sessel, als Frank Zimmer von den Heimatfreunden Landstuhl den ersten von vier schottischen Whiskys vorstellt. Etwas ruppig seien sie. Rund 50 Leute, darunter einige Paare, erweitern bei dieser Whiskyprobe ihr Wissen über Hochprozentiges – und über das Wahlprogramm der CDU. Ein Teilnehmer, der beruflich mit Pandemieplänen zu tun hat, beklagt, dass die Politik die zweite Welle nicht vorhergesehen hat. „Net falsch verstehen“, sagt Baldauf, aber es gebe keine Blaupause für diese Pandemie. „Wir werden die Welt nicht retten, aber wir versuchen, dass alle geschützt werden“, sagt er und spricht von seinem Vater, der im Dezember in einem Seniorenheim an Covid-19 gestorben ist. Mehr politischer Dialog will an diesem Abend nicht aufkommen. Im Chat schreibt ein Teilnehmer: „Christian, du machst das schon.“ Es ist noch vor dem dritten Whisky.