Neustadt / Bad Dürkheim / Grünstadt RHEINPFALZ Plus Artikel Welche Bücher im Mai an der Weinstraße gefragt waren

Robert Seethaler ist mit „Die Straße“ ganz oben auf den Listen der Region zu finden.
Robert Seethaler ist mit »Die Straße« ganz oben auf den Listen der Region zu finden.

Die Bestseller im Mai: Robert Seethalers „Die Straße“ und Pierre Martins Provence-Krimi „Madame le Commissaire und die tödliche Rallye“ sind viel gefragt in der Region.

Ein überragender Topseller ist im Pfingstmonat Mai auf den Bestsellerlisten der neun regionalen Buchhandlungen zwischen Neustadt und Eisenberg nicht zu entdecken. Aber immerhin waren in vier Läden Robert Seethalers neuer Roman „Die Straße“ sowie in drei Buchhandlungen Pierre Martins Provence-Krimi „Madame le Commissaire und die tödliche Rallye“ viel gefragt. Da „Die Straße“ in der RHEINPFALZ schon rezensiert wurde, sei hier Melanie Pignitters Roman „Wiedersehen mit mir selbst zwischen Pizza und Aperol“, der bei Osiander viel Anklang fand, näher beleuchtet.

Mit dem VW-Bus nach Italien

Eva, Protagonistin der Geschichte, steht vor dem Chaos. Ihr Partner hat sie verlassen, und als wäre das nicht schon genug, verliert sie auch noch ihren Job als Marketingmanagerin. Verzweifelt beschließt sie, mit Berta, einem alten VW-Bus, zu einem Road Trip nach Italien zu starten. In den verschiedensten malerischen Orten des Landes gerät sie von einem Abenteuer ins nächste. Sie trifft Menschen, die ihr Leben total verändern werden. Dabei kommt sie zu einer ganz neuen Erkenntnis: Sie stellt fest, dass sie auch ohne Partner etwas zu bieten hat. Endlich lernt sie, Grenzen zu setzen und ihre Selbstzweifel zu überwinden. Pignitter, 1984 in der Steiermark geboren, lebt in Wien. Sie ist diplomierte Mental- und Kommunikationstrainerin und umreißt in ihren Büchern unter anderem die Themen Achtsamkeit und Lebensfreude.

Freiheit oder Liebesbeziehung?

Eine komplizierte Liebesbeziehung thematisiert Eva Pramschüfer in ihrem Debütroman „Weißer Sommer“. Die 26-jährige Journalistikstudentin und Künstlerin Alma aus München hat bereits vier Jahre in die Beziehung zu ihrem französischen Partner Théo „investiert“, wie sie es nennt, doch wirklich glücklich fühlt sie sich nicht. Sie will ihre Freiheit genießen, doch dieses Ziel vereinbart sich kaum mit einer tiefen Liebesbeziehung. Um eine Entscheidung darüber treffen zu können, ob jeder allein glücklicher wäre, verbringen beide einige Ferientage in Südfrankreich, wo Almas kürzlich verstorbener Großvater ihr ein Haus überlassen hatte. Sie werden es erst verlassen, wenn sie einen Entschluss gefasst haben: Gemeinsamkeit oder Trennung. Es wird der Sommer der Entscheidung sein. Die 1997 geborene, in München lebende Autorin erzählt von der ersten großen Liebe, von Kunst und von dem, was die Menschen verbindet und trennt.

Gegen die Ideologie des Vaters

Ein ganz anderes Thema greift Rüdiger von Fritsch in seinem biografischen Sachbuch „Die Geschichte in mir“ auf. Als Diplomat, der unter anderem als Botschafter in Warschau und Moskau agierte, hat er sein Leben der Verständigung der Völker verschrieben. Anders als sein Vater Thomas, für den „Deutschlands Feinde“ schuld am Verlust von Heimat und Menschenleben waren. Dieser Verlust bestimmte in seiner Kindheit die Erzählungen der Erwachsenen. Erst später erkannte er, dass es in Wahrheit die Deutschen waren, die unendliches Leid über die Menschen brachten. In seinem Buch berichtet er, wie er sich schließlich nach eigenen Recherchen und Reisen seinem Vater und dessen Ideologie entgegenstellte. Für seinen Ruhestand nahm er sich vor, alles, was er selbst von Geschichte mitbekam, aufzuschreiben.

Rüdiger von Fritsch, 1953 in Siegen geboren, in Schwäbisch Gmünd lebend, studierte in Erlangen und Bonn Geschichte und Germanistik. Er veröffentlichte unter anderem die Sachbücher: „Russlands Weg. Als Botschafter in Moskau“, „Zeitenwende – Putins Krieg und die Folgen“ sowie „Welt im Umbruch. Was kommt nach dem Krieg?“

Urlaubslektüren und Schulbuchgeschäft

Mit dem Verkauf waren die Buchhändlerinnen und Buchhändler im Pfingstmonat Mai unterschiedlich zufrieden. Jutta Laubersheimer von Hofmann in Neustadt bilanziert: „Die Wochenenden verliefen recht erfolgreich, weil auch viele Touristen kamen. Doch derzeit wird im Einzelhandel vieles teurer, und allgemein sparen die Leute für den Urlaub. Das verspüren wir natürlich auch.“ Andrea von Boeltzig, Buchhändlerin bei Frank in Bad Dürkheim, resümiert: „Durch die Kooperation mit Hugendubel sind wir recht zufrieden. Da das Stadtfest gut besucht war, kamen auch viele Leute zu uns. Die Geißbock-Versteigerung brachte uns ebenfalls viel Zulauf.“

Daniel Häfele von Frank in Grünstadt fasst zusammen: „Nach Ostern war es etwas ruhiger bei uns. Aber so langsam decken sich die Kundinnen und Kunden fleißig mit Urlaubslektüre ein. Außerdem zieht das jährliche Schulbuchgeschäft spürbar an. Wir haben also gut zu tun.“

Buchtipp: „Ein Ort, der bleibt“ von Sandra Lüpkes

Anja Gößling von der Buchhandlung Frank in Bad Dürkheim hat Sandra Lüpkes’ Roman „Ein Ort, der bleibt“ (gebunden, 496 Seiten, 25 Euro. Rowohlt/Kindler Verlag) mit wachsender Spannung gelesen. Als Buch des Monats empfiehlt sie ihn heute.

„In ihrem neu erschienenen Roman verbindet Sandra Lüpkes auf sehr spannende Weise historische Tatsachen mit fiktionalen Elementen, Vergangenheit und Gegenwart. Sie erzählt die Geschichte des ersten Botanischen Gartens in Istanbul, der 1937 gegründet wurde. Der deutsch-jüdische Botaniker Dr. Alfred Heilbronn (1886-1961) gehörte zu einigen hundert Wissenschaftlern und Akademikern, die während der Zeit des Nationalsozialismus mit ihren Familien aus Deutschland in die Türkei emigrierten. Kemal Atatürk, der erste Präsident von 1923 bis 1938, hatte die Absicht, die Türkei zu modernisieren, die Wissenschaften auf europäisches Niveau zu bringen und warb dafür viele jüdische Professoren an, die in Deutschland entrechtet wurden. So auch Alfred Heilbronn aus Münster, der den Auftrag erhielt, einen Botanischen Garten in Istanbul zu erbauen. Im Mittelpunkt des Romans stehen außerdem drei Frauen und ihre Lebenswege. Die Autorin erzählt in wechselnden Perspektiven auf zwei Zeitebenen.

Ich-Erzählerin der Gegenwartsebene ist Imke. Die 26-jährige Stadtplanerin erhält den Auftrag, in Istanbul ein Gutachten darüber zu erstellen, wie die Zukunft des Botanischen Gartens aussehen soll. Diese Figur ist rein fiktiv, die beiden anderen sind historisch belegt.

Zum einen ist da Magda Heilbronn (1889-1944), Ehefrau von Alfred, die sich um die beiden gemeinsamen Kinder kümmert und ihrem Mann den Rücken frei hält. Sie ist auch diejenige, die darauf drängt, Münster zu verlassen. In der neuen Heimat lernt sie schnell die Sprache und versucht, sich anzupassen und sich in die andere Kultur zu integrieren. Die dritte Frau ist Mehpare, etwa 1910 bis 1993, eine wissbegierige, zielstrebige Person, die das erste Mädchengymnasium in Istanbul besuchte, Naturwissenschaft studierte und schließlich die Assistentin von Alfred Heilbronn und später dessen zweite Ehefrau wurde.

Diese Lektüre ist sehr fesselnd, mitreißend und vielfältig. „Ein Ort, der bleibt“ ist ein historischer Roman, außerdem eine Familien- und Emanzipationsgeschichte mit den Themen Heimat, Exil, Abschied und Neuanfang. Nicht zuletzt vermittelt diese Geschichte noch wichtige Fakten zur Botanik. Ein tolles Lese-Erlebnis, sehr informativ, und zum „Reinfallenlassen“ in Geschichte(n) bestens geeignet.“wss

Die Bestseller im Mai

Bahnhofsbuchhandlung (Neustadt)

1. Annette Dittert: Dear Britain

2. Robert Seethaler: Die Straße

3. Pierre Martin: Madame le Commissaire und die tödliche Rallye

Buchmarkt (Bad Dürkheim)

1. Andreas Gruber: Dinner in the Dark

2. Thomas Schlesser: Monas Augen

3. Florian Becker: Positive Psychologie

Frank-Hugendubel (Bad Dürkheim)

1. Robert Seethaler: Die Straße

2. Caro Claire Burke: Yesteryear

3. Eva Pramschüfer: Weißer Sommer

Frank-Hugendubel (Eisenberg)

1. Robert Seethaler: Die Straße

2. Annette Dittert: Dear Britain

3. Benjamin von Stuckrad-Barre: Udo Fröhliche – Alles über Udo Lindenberg – von Alkohol bis Zigarren

Frank-Hugendubel (Grünstadt)

1. Daniel Wolf: Der Thron der Lilie

2. Rüdiger von Fritsch: Die Geschichte in mir

3. Leonie Swann: Widdersehen

Hofmann (Neustadt)

1. Robert Seethaler: Die Straße

2. Annette Dittert: Dear Britain

3. Lukas Rietzschel: Sanditz

Neustadter Bücherstube

1. Volker Wissing: Verantwortung

2. Patti Smith: Bread of Angels

3. Ursula K. Le Guin: Die linke Hand der Dunkelheit

Osiander (Neustadt)

1. Hannah Häffner: Riesinnen

2. Pierre Martin: Madame le Commissaire und die tödliche Rallye

3. Melanie Pignitter: Wiedersehen mit mir selbst zwischen Pizza und Aperol

Quodlibet (Neustadt)

1. Pierre Martin: Madame le Commissaire und die tödliche Rallye

2. Angela Steidele: Ins Dunkel

3. Andreas Hecke: Felix bei Omnan dem Weisen – Die Schlüssel zum Glück

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