Kolumne RHEINPFALZ Plus Artikel Bundestag: Die Sitzung mit der Maus

Hat keinen Hausausweis für den Bundestag: Hausmaus
Hat keinen Hausausweis für den Bundestag: Hausmaus

In einem Parlamentsgebäude in Berlin gibt es Hausbesetzer, die im Untergrund leben

Am Dienstag ist die Liste im Büro von Anke Domscheit-Berg wieder um zwei Einträge gewachsen. Die Bundestagsabgeordnete der Linkspartei zählte an diesem Tag die 23. Maus, die in die aufgestellte Lebendfalle getappt ist. Die unerlaubte Visite der possierlichen Nager ist ein klarer Verstoß gegen die Hausordnung. Darin steht, dass Tiere in den Gebäuden des Bundestages verboten sind.

Die Hausmaus aber spielt Mäuschen und hält sich nicht an das Verbot – nachtaktiv lebt sie im Untergrund. Das Resultat der Mäuse-Erkundungen dürfen Domscheit-Berg und ihre Mitarbeiter morgens dann bestaunen. Detailliert schildert die Politikerin, dass eine Maus sich über die in einer Schublade gelagerte Schokolade hergemacht und diese „ratzekahl“ aufgefressen habe. Ein andermal war die Zuckerschachtel das Ziel eines hungrigen Besuchers, wobei das vierbeinige Felltier Zuckerwürfel in diversen Ecken des Büros stapelte. Möglicherweise spielen Mäuse Tetris.

Mäuse werden wieder freigelassen

Gelegentlich huschen die Tierchen auch während einer Bürobesprechung über den Boden. Dann gibt es einen Strich auf Domscheit-Bergs Liste unter dem Stichwort „Sichtung“.

Betroffen ist nur ein Gebäude unweit des Reichstags und dort nur das Erdgeschoss, hat die Bundestagsverwaltung bestätigt. Es ist das Jakob-Kaiser-Haus, der größte Parlamentsneubau aus dem Jahr 2002. Die schlauen Hausbesetzer steigen vermutlich über die Kabelkanäle ein, die in den Büros enden. Die Mäuse werden stets im benachbarten Tiergarten wieder freigelassen. Allerdings sind auch schon drei Mäuse in der Lebendfalle gestorben. Vermutet wird, dass der laute Knall der Klappe sie zu Tode erschreckt hat.

Tierheim empfiehlt eine Bürokatze

Auf Twitter berichtet Domscheit-Berg laufend unter dem Hashtag #bundestagsmaus über Mäuse-Neuigkeiten. Manche Twitter-Nutzer dachten zuerst, dies sei ein politisch unkorrekter Altherren-Hashtag.

Ein Tierheim hat übrigens zu einer Bürokatze geraten und bot Vermittlung an. Das geht allerdings nicht – siehe Hausordnung. Noch halten sich die Kosten für den Bundestagskammerjäger in Grenzen. In London soll man für die Bekämpfung der Mäuse in ihrem Paradies Westminster Palace jährlich knapp 150.000 Euro ausgeben. Vermutlich sind es die Nager, die im Unterhaus die Abgeordneten immer so gereizt machen.

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