Politik
Bolivien: Morales greift Nachfolgerin scharf an
Bolivien hat nach dem Rücktritt von Evo Morales mit der oppositionellen Senatorin Jeanine Áñez eine neue Übergangspräsidentin. Ruhe bringt das aber nicht.
Die 52-jährige Áñez wurde am Dienstagabend vom Parlament in einem Verfahren gewählt, das lange auf der Kippe stand. Es brauchte zwei Versuche, um im Senat und der Abgeordnetenkammer Beschlussfähigkeit festzustellen, da nicht genug Parlamentarier anwesend waren. Das Parlament wird von den Abgeordneten der Linkspartei MAS von Ex-Staatschef Morales dominiert, die am Ende die Abstimmung verweigerten. Nach ihrer Vereidigung versprach die konservative Politikerin, innerhalb von 90 Tagen Präsidentenwahlen zu organisieren. Die Amtszeit von Morales wäre regulär am 22. Januar geendet.
Weil neben Morales auch der Vizepräsident, die Präsidentin des Senats und der Präsident der Abgeordnetenkammer zurückgetreten waren, rückte Áñez als zweite Vizepräsidentin des Senats an die Regierungsspitze. Aus dem mexikanischen Exil, wo er am Dienstag angekommen war, kritisierte Morales die Wahl von Áñez scharf. Sie sei Teil des „schlauesten und katastrophalsten Staatsstreichs in der Geschichte“. Auf seinen Kopf seien 50.000 US-Dollar ausgesetzt gewesen, behauptete Morales. „Der mexikanische Präsident und das mexikanische Volk haben mir das Leben gerettet.“
Für die Randale wird bezahlt
Die Wahl der Übergangspräsidentin hat die Unruhen nicht beendet. Auch am Dienstag gingen den dritten Tag in Folge Anhänger der MAS auf die Straße und plünderten und brandschatzten. Nach Angaben von Anwohnern zahlte die MAS ihr treuen Jugendlichen bis zu 200 Bolivianos (27 Euro), um zu randalieren.
Politisch im Aufwind ist der Rechtsaußen-Politiker Luis Fernando Camacho. Mit der parlamentarischen Demokratie hat es der 40-Jährige aber nicht so. Ihm wäre es am liebsten, sein Land werde zumindest vorübergehend von einer Art „Regierungsjunta“ geführt, gebildet aus Militärs und Vertretern der Bürger-Komitees.