Speyer
Bistum Speyer: Einbruch bei Kirchensteuern
Sind in den vergangenen Jahren die Kirchensteuereinnahmen noch gesprudelt, soll jetzt der Einbruch kommen. So jedenfalls prognostiziert es Finanzdirektor Jörg Lang in einer Pressekonferenz am Mittwoch. Mit 116,7 Millionen Euro Kirchensteuern rechnet er für dieses Jahr. Im vergangenen Jahr waren es noch 15,9 Millionen mehr. Gründe sind die Kirchenaustritte und die Corona-Krise.
Im Haushalt fehlen 15,7 Millionen Euro
Für den Haushalt 2021 plant das Bistum Einnahmen in Höhe von rund 144,5 Millionen ein, die Ausgaben belaufen sich auf knapp 161 Millionen Euro. Damit fehlen 15,7 Millionen. Zur Finanzierung sollen rund 10,5 Millionen Euro aus den Rücklagen entnommen werden. Der Rotstift wird angesetzt bei den Zuweisungen an die Kirchengemeinden, aber auch an Caritasverband, Priesterseminar, Domkapitel. Sie erhalten fünf Prozent weniger als im vergangenen Jahr. Die Sachkosten im Bereich des Bistums werden um vier Prozent gekürzt.
Bis April Entscheidungen zu Einsparungen
„Wir brauchen Visionen“, sagt Generalvikar Andreas Sturm. Dazu gehöre die Antwort auf die Frage : Wozu brauche es Kirche? Sturm macht deutlich, dass die Kirche Dinge aufgeben müsse, die bislang große Bedeutung hätten. Um zu erfahren, wofür das Bistum seine Kraft und Finanzen künftig einsetzen solle, wurde im November eine Umfrage unter den Mitgliedern der Diözesanversammlung gestartet. Das Ergebnis soll auf der Sitzung der Versammlung am Samstag vorgestellt werden. Entscheidungen zu ersten strukturellen Einsparungen sollen dann bis spätestens April dieses Jahres getroffen werden. Der Idee, aus Spargründen die Pfarreieinheiten weiter zu vergrößern – derzeit gibt es 70 –, erteilt Sturm eine Absage. „Das macht Seelsorge als Beziehung zu Menschen unmöglich.“
Bischof: Missbrauch erschüttert Bistum
Das Missbrauchsgeschehen im Kinderheim in der Speyerer Engelsgasse wie auch in anderen Einrichtungen habe das gesamte Bistum wie auch die Mitarbeiter „schwer erschüttert“, sagte Bischof Karl-Heinz Wiesemann. Seitdem der Speyerer Oberhirte die Vorfälle in einem Interview im Dezember öffentlich machte, hätten sich bislang weitere 15 Personen gemeldet, die entweder selbst von Missbrauch betroffen seien oder zur Aufklärung beitragen wollten. Auch hätten sich Betroffene gemeldet, die in einem eigenen Beirat die Aufarbeitung des Bistums begleiten und Hinweise geben sollen, wie Präventionsmaßnahmen verbessert werden könnten. Mitte Januar startete die Diözese die Initiative „Sicherer Ort Kirche“, die dem Schutz von Kindern und hilfebedürftigen Erwachsenen vor Missbrauch dienen soll.
Eine siebenköpfige unabhängige Aufarbeitungskommission soll unterdessen prüfen, wie Verantwortliche auf Missbrauchsfälle und - vorwürfe reagiert hätten. Dafür brauche es, so Bernhard Scholten, Mitglied der Kommission und ehemaliger Abteilungsleiter im rheinland-pfälzischen Sozialministerium, eine eigene Geschäftsstelle sowie die Zuarbeit einer Anwaltskanzlei oder eines sozialwissenschaftliches Instituts. Im Haushalt 2021 ist dafür noch kein Geld vorgesehen. Als Grund nennt Sturm , dass die Kosten noch nicht abzuschätzen seien. Aber: „Am Geld darf das Thema nicht scheitern.“