Politik Beifall für die Idee, das Fach Mathe abzuwählen
Sozialkunde-Leistungskurs des Frankenthaler Karolinen-Gymnasiums lädt Bundestagskandidaten zu Diskussion ein – Grüne bei Abstimmung vorne
Fünf Direktkandidaten für die Bundestagswahl stellten sich am Mittwoch in der Aula der Gymnasien den Fragen der Schüler. Organisiert hatte die Podiumsdiskussion der Sozialkunde-Leistungskurs der 13. Klasse des Karolinen-Gymnasiums (KG). Unter den 450 Zuhörern waren auch Schüler des Albert-Einstein-Gymnasiums. Seit Ostern hatten die 16 Oberstufenschüler mit Lehrerin Marie Hage an dem Konzept gearbeitet. Eingeladen war neben den Wahlkreiskandidaten von CDU, SPD, Grünen, FDP und Linke auch die AfD. Die Partei habe auch auf mehrmalige Nachfrage nicht reagiert, erläuterte KG-Schulleiter Christian Baier. Linke-Kandidat Gerald Unger wurde von Maximilian Keck vertreten, der im Wahlkreis Neustadt-Speyer antritt. Mit Keck auf dem Podium saßen Doris Barnett (SPD), die als einzige bereits ein Bundestagsmandat hat, Torbjörn Kartes (CDU), Thomas Schell (FDP) und Raik Dreher (Grüne). Moderiert wurde die Diskussion von Tilmann Bolik und Christoph Hemmer, die mit ihrem Leistungskurs vier Fragerunden zu den Themen Bildung, Umwelt, Europa und Sozialpolitik vorbereitet hatten. Nach einer zum Teil sehr persönlichen Vorstellung der Kandidaten und ihres Wegs in die Politik, fühlten die Schüler den Parteienvertretern in Sachen Bildungspolitik auf den Zahn. Auch wenn dies Ländersache sei, interessiere die Einstellung der Kandidaten dazu, erläuterten die Moderatoren. Alle fünf Podiumsteilnehmer sprachen sich für eine Vereinheitlichung von Bildungsstandards und Abschlüssen aus. Digitalisierung sei das Zukunftsthema Nummer eins, das stärker in Lehrpläne und Ausstattung Einzug halten müsse. Programme wie Powerpoint oder Excel sollte der Schulunterricht vermitteln, findet Kartes. Beifall gab es für den Vorschlag Kecks, das Fach Mathematik nach der zehnten Klasse abzuwählen. Abgeordnete Barnett wies darauf hin, dass der Bund aktuell 3,5 Milliarden Euro zur Sanierung von Schulen und Kindertagesstätten bereitstelle. „Ich rate: Stellt einen Antrag.“ Heftig diskutiert wurde das Thema Ausbildungs- und Studiengebühren. Im Grundsatz sprechen sich alle fünf Kandidaten dagegen aus. Deutliche Kritik übten die Parteienvertreter an der Automobilindustrie, die derzeit mit Abgasmanipulationen und Dieselskandal für Schlagzeilen sorgt. Die Politik müsse hart bleiben und die Konzerne nicht aus der Verantwortung entlassen, sagte Barnett. Deutschland dürfe die globale Entwicklung in Sachen Elektromobilität nicht verschlafen, mahnte Dreher, Schell sprach sich hier für eine Förderung ähnlich der Abwrackprämie als Anreiz aus, Keck für mehr Investitionen in den Nahverkehr. Weitere, zum Teil kontrovers diskutierte Themen und Fragen aus dem Publikum drehten sich um den Brexit, die europäische Flüchtlingspolitik, Klimaschutz, gleichen Lohn für Frauen und Männer und Initiativen für mehr soziale Gerechtigkeit. Um den Einfluss der Veranstaltung auf die politische Meinungsbildung abzuschätzen, ließ der Sozialkunde-LK Mitschüler abstimmen. Von 223 Schülern hatten im Vorfeld 30 Prozent für die CDU votiert, SPD (28), Grüne (21), FDP (zehn), Linke und AfD (jeweils vier) folgten. Nach der Debatte lag Dreher (Grüne, 54 Prozent) klar vor Kartes (CDU, 22). SPD und FDP bekamen neun Prozent der 268 abgegeben Stimmen, Linke vier, AfD ein Prozent. Die Bereitschaft, wählen zu gehen, ist laut Hage nach der Debatte nun höher.