Meinung
Azubis dringend gesucht
Dieser Tage schlug der DGB in Rheinland-Pfalz Alarm. Anlass waren Zahlen des Statistischen Landesamts. Demnach befanden sich 2025 landesweit 57.700 Menschen in einer dualen Berufsausbildung – der niedrigste Wert seit Beginn der Statistik vor fünf Jahrzehnten und nur noch gut die Hälfte jener 112.000 Ausbildungsverhältnisse, die 1984, dem Jahr mit dem bisherigen Höchststand, bestanden.
Die Zahlen der amtlichen Statistiker belegen eine seit Jahren anhaltende Entwicklung. So kamen 2025 bundesweit noch knapp 462.000 neue Ausbildungsverträge zustande – 50.000 weniger als ein Jahrzehnt zuvor. Vor allem im Bereich Industrie und Handel brach die Anzahl der Lehrverträge ein.
Viele wollen möglichst rasch Geld verdienen
Das System der dualen Ausbildung mit seiner Kombination aus betrieblicher und schulischer Ausbildung, das bis heute weltweit hohe Anerkennung findet, befindet sich hierzulande offensichtlich in der Krise. Und das nicht erst, seit große Teile der Wirtschaft in massiven Schwierigkeiten stecken, was sich auch negativ auf das Angebot an Ausbildungsplätzen auswirkt. Zugleich bewerben sich weniger junge Menschen um eine Lehrstelle.
Das hat sicher mit dem demografischen Wandel zu tun, in dessen Folge schlicht weniger Nachwuchskräfte zur Verfügung stehen. In früheren Jahren galt zudem der Trend, anstelle einer beruflichen Ausbildung ein Studium zu beginnen, als Grund für die sinkende Nachfrage nach einem Ausbildungsplatz. Inzwischen kommt noch hinzu, dass viele junge Menschen ohne qualifizierten Berufsabschluss bleiben, den häufig auch gar nicht anstreben, sondern sich nach der Schule gleich einen Job suchen, um möglichst rasch Geld zu verdienen. 2024 hatten 13 Prozent der erwerbstätigen 20- bis 34-Jährigen keinen qualifizierten Berufsabschluss. Alleine in Rheinland-Pfalz sind das laut DGB 140.000 junge Menschen.
Drei Viertel der jungen Arbeitslosen ohne Berufsausbildung
Hier wächst ein Riesenproblem heran – für die Betroffenen wie auch für unsere Wirtschaft. Ohne entsprechende Qualifikation schwindet die Chance auf eine sichere, gut bezahlte Beschäftigung, während das Risiko, arbeitslos zu werden und zu bleiben, deutlich steigt. So waren 2024 unter den jugendlichen Arbeitslosen mehr als drei Viertel ohne Berufsausbildung.
Diese individuelle Problematik geht einher mit nachteiligen Folgen für die Volkswirtschaft. Auch wenn das Thema angesichts der derzeit vergleichsweise hohen Arbeitslosigkeit aus dem Blickfeld verschwunden sein mag: Will Deutschland sein Wohlstandsniveau halten, braucht es dringend möglichst viele qualifizierte Arbeitskräfte. An denen mangelt es angesichts des demografischen Wandels ohnehin schon. Wenn jetzt auch noch ein beträchtlicher Teil derjenigen, die in Betrieben und Verwaltungen dringend gebraucht werden, nicht über die dafür notwendigen Fähigkeiten verfügt, schafft das ein massives Problem.
Die beunruhigende Diagnose ist seit Längerem gestellt und bekannt – ohne dass es Anzeichen für eine Veränderung zum Besseren gibt, im Gegenteil. Damit aber droht Deutschland seine vielleicht wichtigste Ressource zu verlieren: möglichst viele gut ausgebildete, leistungsbereite Frauen und Männer. Für die Zukunft des Landes verheißt das nichts Gutes.