Politik Anschlag in Iran facht Spannungen gefährlich an

Nach dem Tod von mindestens 25 Menschen bei einem Anschlag auf die iranischen Revolutionsgarden eskalieren die Spannungen in der Golf-Region. Die Gewalttat könnte wie ein Funke für die Lunte an einem Pulverfass wirken. Aus Sicht der Regierung in Teheran steht fest, dass der regionale Rivale Saudi-Arabien seine Hand im Spiel hatte.
Schon vor dem Anschlag bildeten der Stellvertreterkrieg zwischen Teheran und Riad in Jemen, der iranische Einfluss in Irak und in Syrien sowie der wachsende wirtschaftliche Druck der USA auf Iran eine hochgefährliche Mischung. Diese könnte jetzt bis zu militärischen Auseinandersetzungen mit Beteiligung der USA eskalieren. Das Ziel des Anschlags während eines Aufmarsches in Ahwas zum Gedenken an den Ausbruch des iranisch-irakischen Krieges 1980 machte deutlich, dass es den Tätern und deren mutmaßlichen Hintermännern um das iranische Regime an sich ging: Die Revolutionsgarden bilden die mächtigste militärische Streitmacht im Land; sie unterstehen direkt Revolutionsführer Ayatollah Ali Chamenei. Schon wenige Stunden, nachdem die Attentäter das Feuer auf die Soldaten der Garden und auf Schaulustige eröffnet hatten, ging die iranische Führung mit den Vorwürfen in Richtung Riad an die Öffentlichkeit. Anfängliche Beschuldigungen gegen die Dschihadistenmiliz „Islamischer Staat“ (IS) wichen bei iranischen Politikern und Medien rasch der Einschätzung, dass die Bluttat einen regionalpolitischen Hintergrund gehabt haben muss. Als Schuldige für das Blutvergießen kommen aus Sicht Teherans vor allem Organisationen in Frage, die von Saudi-Arabien unterstützt werden. So wurden in iranischen Medienberichten die Bekenntnisse arabisch-separatistischer Gruppen zitiert: Diese hätten als Extremisten der sunnitischen Minderheit in Iran den Kampf gegen die Sicherheitskräfte in dem überwiegend schiitischen Land aufgenommen. Ob die zitierten Bekenntnisse echt sind oder nicht, ist fast schon Nebensache: In einer Stellungnahme nach der anderen beschuldigte die iranische Regierung die Partner der USA am Golf und Washington selbst. Chamenei sprach von „Staaten in der Region, die Marionetten der USA“ seien; er meinte damit Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate. Präsident Hasan Ruhani betonte, die USA würden ihre „aggressive Haltung“ noch bereuen. Hinweise auf diese „aggressive Haltung“ der USA und ihrer Partner am Golf gibt es aus iranischem Blickwinkel genug. US-Präsident Donald Trump überzieht Iran mit Wirtschaftssanktionen. Seine Politik zielt auf eine Ablösung des Mullah-Regimes, auch wenn diese Absicht notdürftig mit dem Hinweis auf die Gefahren durch das iranische Atomprogramm bemäntelt wird. Der saudische Thronfolger Mohammed bin Salman hat Chamenei im vergangenen Jahr auf eine Stufe mit Adolf Hitler gestellt und einen Machtkampf mit Teheran angekündigt, der „in Iran“ stattfinden werde. Beide Seiten fühlen sich vom jeweiligen Gegenüber in die Zange genommen. In Jemen kämpfen die Saudis seit Jahren gegen die mit Iran verbündeten Huthis. Riad betrachtet zudem mit Sorge, dass Iran seine Rolle in Irak und Syrien systematisch ausbaut: Die beiden Entwicklungen könnten das saudische Königreich vom Süden und Norden her unter Druck setzen. Umgekehrt sieht sich Iran an seiner Südwestgrenze durch Saudi-Arabien, die Emirate und die starke amerikanische Militärpräsenz am Golf bedroht, während im östlich gelegenen Afghanistan ebenfalls Amerikaner und andere westliche Staaten aktiv sind. Trumps geplante Sanktionen für den iranischen Ölsektor heizen die Stimmung weiter an. Washington will erreichen, dass Iran ab November kein Rohöl mehr exportieren kann. Damit will das Weiße Haus der Islamischen Republik ihre Haupteinnahmequelle nehmen. Teheran drohte deshalb bereits mit der Sperrung der Straße von Hormus, des Nadelöhrs am Persischen Golf, durch das die Ölexporte der amerikanischen Partner in der Region zu den Weltmärkten gebracht werden. Scharfe Warnungen aus Washington waren die Folge. Nach dem Anschlag von Ahwas wird die Lage in der Region nun noch weniger berechenbar.