Podcast „Alles Böse“ So skurril kann es beim Kampf des Landes gegen Rocker zugehen
Kurz vor Weihnachten marschieren im Jahr 2009 hunderte Polizisten in der Kaiserslauterer Innenstadt auf. Und etwa 1000 Rocker aus verfeindeten Lagern: Vor dem Landgericht beginnt ein Prozess um den gewaltsamen Tod eines Outlaw-Chefs. Er ist Monate zuvor bei Stetten im Donnersbergkreis erstochen worden. Und in diese Bluttat verstrickt sind drei Männer aus dem Dunstkreis der Hells Angels. Also wollen die rivalisierenden Motorradclubs während der Verhandlungstermine Präsenz zeigen. Doch halbwegs friedlich bleibt es, immerhin, trotzdem.
SEK-Polizist erschossen
Aber im Landes-Norden stirbt schon im Frühjahr 2010 wieder jemand durch Rocker-Hand. Und diesmal ist das Opfer kein Mitglied einer Konkurrenz-Gang, sondern ein Polizist des Spezialeinsatzkommandos (SEK): Der Beamte wird tödlich getroffen, als er mit seinen Kollegen das Haus eines Hells-Angels-Chefs im Kreis Neuwied stürmen soll und der Rockerboss durch die geschlossene Eingangstür feuert. Besonders bitter für die Sicherheitskräfte: Nach langem juristischem Ringen entscheidet der Bundesgerichtshof dafür, dass diese Tat ungesühnt bleiben muss.
Denn der Todesschütze beteuert, dass er die Polizisten für mordlüsterne Rivalen von den Bandidos gehalten und sich deshalb in einer Notwehr-Situation geglaubt habe. Folgenlos bleibt der Fall aber trotzdem nicht: Rheinland-Pfalz stimmt sich mit den anderen Bundesländern ab und entwickelt eine umfassende, mehr als 60 Seiten dicke „Bekämpfungsstrategie Rockerkriminalität“. Im Podcast-Gespräch mit seinem stellvertretenden Chefredakteur Uwe Renners berichtet der RHEINPFALZ-Gerichtsreporter Christoph Hämmelmann nun, wie die Sicherheitsbehörden seither gegen die Motorradbanden vorgehen.
Ermittler als Fake-Rocker
Allerdings geht es dabei auch um Rückschläge: Die vom Landes-Innenminister Roger Lewentz (SPD) vor Jahren angekündigte Zwangsauflösung einer Südpfälzer Gang etwa steht bis heute aus. Außerdem unterhalten sich die Journalisten über die skurrilen Seiten dieser Form der Kriminalitätsbekämpfung: Sie sprechen zum Beispiel darüber, wie sich Hells Angels wegen einer von der Polizei zerdepperten Muttergottes-Statue beklagten. Und wie Ermittler sich als Mitglieder der erfundenen Biker-Gruppe „Schnelles Helles“ verkleideten, um echte Rocker zu provozieren.
Abrufbar ist das journalistische Format zum Hören im Webplayer auf rheinpfalz.de sowie auf den gängigen Plattformen wie zum Beispiel Spotify, Google Podcasts, Apple Podcasts oder Castbox. Ebenso kostenlos wie die neue Folge sind dort auch die Vorgänger-Beiträge verfügbar: „Sex-Betrug im Leiningerland“ etwa beschreibt den Fall eines Manns, der Frauen mit wahnwitzigen Geld-Versprechen ins Bett lockte. Und „Der Zwölfjährige und die Bombe“ widmet sich einem Jungen, der in Ludwigshafen ein islamistisches Selbstmordattentat verüben wollte.
