Rheinpfalz Die Ermittler-Gang
So richtig haben sich die echten Rocker offenbar nicht provozieren lassen. Dabei hatten die Beamten des rheinland-pfälzischen Landeskriminalamts (LKA) alles, was Motorradfreunde mit einem Hang ins Illegale brauchen. Teure Lederklamotten. Ein Klublogo. Und einen eingängigen Namen für ihre getürkte Gang: „Schnelles Helles“. Nun stiefelten sie durchs Land und bemühten sich, den harten Männern der Neuwieder Hells-Angels-Filiale aufzufallen. Die standen im Ruf, unliebsame Konkurrenz mit so ziemlich allen Mitteln aus ihrem Revier zu vertreiben. Im März 2016 hat der rheinland-pfälzische Innenminister Roger Lewentz (SPD) ihren Verein schließlich als kriminelle Vereinigung verboten, in seiner 30-Seiten-Verfügung Delikte wie Nötigung, Verstöße gegen das Waffengesetz und schwere Körperverletzung aufgelistet. Außerdem stehen seit Januar acht Mitglieder des illustren Clubs in Koblenz vor Gericht. Auf der Anklagebank sitzt unter anderem jener Rockerboss, der 2010 einen Oberkommissar des rheinland-pfälzischen Spezialeinsatzkommandos erschoss – und später freigesprochen wurde, weil er angeblich an einen Angriff konkurrierender Rocker glaubte. Diesmal füllen die gesammelten Vorwürfe der Staatsanwaltschaft gegen ihn und seine Kameraden eine 400-Seiten-Anklageschrift. Und auf Seite 19 dieses Wälzers taucht zum ersten Mal der Motorradclub (MC) „Schnelles Helles“ auf. Welche Bedeutung die LKA-eigene Pseudo-Gang für den Prozess haben wird, lässt die Koblenzer Staatsanwaltschaft mit Verweis aufs laufende Verfahren unkommentiert. Offen bleibt auch, inwieweit auf so unkonventionellem Weg gewonnene Erkenntnisse überhaupt benutzt werden dürfen. Ein Sprecher sagt: „Das muss die Kammer bewerten.“ Klar scheint nur: Die Hells Angels hat die vermeintliche Konkurrenz mit dem lustigen Namen kaum gejuckt. Vielleicht hätten sich die LKA-Leute einen martialischeren Namen suchen müssen. Aber vielleicht traten die Beamten ja bewusst als Gurkentruppe auf, um als noch dazu peinliche Konkurrenz die Hells Angels erst recht zu provozieren. Und sie müssen es beim nächsten Mal einfach noch konsequenter tun. Die Behörde könnte mit ganz kurz vor der Pensionierung stehenden Polizisten den Senioren-MC „Altes Kaltes“ gründen. Oder Ermittler mit Migrationshintergrund treten als MC „Schöner Döner“ an. Wenn auch das nichts nützt, legen sie sich eben teure Lederklamotten mit Glitzersteinchen zu. Und ein Klublogo, das den Hells-Angels-Schriftzug in rosa Farbe kopiert. Vom MC „Prosecco-Prösterchen“ werden sich die echten Rocker garantiert provozieren lassen.