Wandern im Pfälzerwald „Lost Places“ Enkenbach-Alsenborn: Tunnel, Gleise und verlassene Orte
Vorneweg: Diese Wanderung empfiehlt sich nur für trittsichere und fitte Menschen, die mit der gegebenen Vorsicht auf die Tour zu den „Lost Places“, den „verlassenen Orten“ im Pfälzerwald, gehen. Die Gleise sind zwar stillgelegt, gehören aber immer noch der Deutschen Bahn, was man beachten sollte, falls man sich dafür entscheidet, die Anlage zu betreten.
Stempelkopftunnel gesperrt
Die Deutsche Bahn (DB) hat die Zugänge zum Stempelkopftunnel auf der stillgelegten Bahnstrecke Grünstadt–Enkenbach verschlossen. Grund dafür seien gesetzliche Verkehrssicherungspflichten, teilte eine Bahnsprecherin auf RHEINPFALZ-Anfrage mit. Als die RHEINPFALZ im Sommer 2024 dort war, zeigten sich bereits Schäden in der Röhre: Lose Bodenplatten entpuppten sich als gefährliche Stolperfallen, die Verkleidung der Tunnelwände bröckelte ab. Nun wurde dem Treiben von neugierigen Wanderern, Lost-Place-Fans und Randalierern ein Ende gesetzt und die Tunneleingänge versperrt. Die DB informiert zudem, dass auch die Dreibrunnertalbrücke nicht betreten werden darf. Diese ist zwar nicht explizit gesichert, werde aber trotz Stilllegung weiterhin regelmäßig überprüft. Für sie gelte, wie für alle Bahnanlagen, ein grundsätzliches Betretungsverbot.
Für Kinder ist der Ausflug nicht geeignet und zusätzliches Kartenmaterial sollte im Wandergepäck nicht fehlen. Denn man ist auf teils unmarkierten Wegen unterwegs. Eisenbahnbrücke und Tunnel lassen die Herzen von „Lost Place“-Abenteurern höher schlagen, es ist jedoch Achtung geboten.
Wer Lust hat, auf den rund acht Kilometern direkt mehrere historische Spuren im Pfälzerwald zu entdecken, startet am Billesweiher, zwischen Enkenbach-Alsenborn und Neuhemsbach gelegen. Nur ein kurzer Spaziergang ist es am Seeufer entlang zur gleichnamigen Quelle, die hier fröhlich vor sich hin plätschert.
Hinter der Quelle geht ein Weg nach links ab, kurz darauf an der Kreuzung geradeaus und über einen nicht befestigten Weg rund 700 Meter – streckenweise steil bergauf. Oben angekommen geht es nach links weiter und entlang der Markierungen „14“ und „3“ bis zum Stumpfwaldgericht. Hier war einst die Gerichtsstätte der Grafen von Leiningen, jeder der neun „steinernen Stühle“ steht für eine Gemeinde der Umgebung.
Teilabschnitt auf altem Gleisbett
Dort, hinter dem Rettungspunkt, führt ein unscheinbarer Weg ins Grün hinein, der wiederum mit der „14“ und dem Hinweis „Parkplatz Kleefeld“ markiert ist. Bereits nach 250 Metern stößt der Pfad auf einen breiteren Waldweg. Hier links halten. Bei der Beck-Kiefer nach rechts laufen und die 14er-Markierung verlassen.
Der Hauptweg macht kurz darauf eine leichte Linkskurve und an dessen Ende, leicht absteigend, geht es scharf nach rechts weiter. Vom Stumpfwaldgericht bis an dieser Stelle sind es rund zwei Kilometer und nun sind immer wieder die alten Gleise zu sehen. Sie verlaufen ab hier parallel zum Waldweg in Richtung Eisenbahnbrücke.
Es empfiehlt sich, zunächst auf dem Weg zu bleiben, denn später muss direkt auf den Schienen gelaufen werden, was mit der Zeit ziemlich anstrengend ist. So steigt also die Spannung, während es rund 600 Meter an der Bahnlinie entlang geht und der Pfad bald nach unten abfällt.
Das ist das Zeichen, dass man sich der Dreibrunnentalbrücke nähert, die einst ein Teil der Strecke von Grünstadt über Ramsen bis nach Enkenbach-Alsenborn war. Die imposante Bogenbrücke aus Beton ist knapp 28 Meter hoch, 176 Meter lang und überspannt mächtig das Tal. Über einen Pfad ging es hinunter und nach der Brücke wieder hinauf.
Nun ist es an der Zeit, langsam auf die Schienen zu wechseln, um zum nächsten „Lost Place“, dem Stempelkopftunnel, zu kommen. Zwar geht das auch über parallel zur Bahnschiene verlaufende Pfade und Wege, diese führen aber stellenweise recht weit weg vom eigentlichen Weg. Genau wie die Brücke war auch der knapp 500 Meter lange Tunnel bis 31. Dezember 1988 in Betrieb.
Ab in den dunklen Tunnel: Taschenlampe nicht vergessen
Auf der „Lost Place“-Wanderung im Pfälzerwald heißt es nun: Taschenlampe raus. Es empfiehlt sich zudem eindringlich, in der Mitte der Gleise zu laufen, da einige Bodenplatten rechts und links locker sind. Das Herz schlägt höher beim Gang durch den stockfinsteren Tunnel, in dem die längst vergangene Zeit spür- und sichtbar ist.
Erleichtert geht es aus der Röhre hinaus ins Tageslicht und nun auf den Schienen weiter. Dabei gilt es allerlei Stolperfallen zu beachten und Hindernisse wie umgefallene Bäume zu überwinden. Auch hier besteht die Möglichkeit, auf den Waldweg, der parallel zur Strecke führt, auszuweichen. Nach etwa einem Kilometer erscheint dann die Ruine des einstigen Bahnhofs Stempelbrunnen. In dem zweigeschossigen, von der Natur überwucherten Gebäude hat es offensichtlich gebrannt, wovon Spuren zeugen.
Nun geht es nicht mehr auf den Schienen, sondern auf dem Weg ein ganz kurzes Stück zurück wie gekommen und dann nach links in Richtung Wald. Die Markierung „2“ und das schwarze „Nordic Walking 1“-Schild weisen den Weg. An der Kreuzung links halten und schnell ist man mit allerlei Eindrücken und Erlebnissen im Gepäck zurück an der Billesweiherquelle.



