Südpfalz / Südwestpfalz
Kameraüberwachung im Wald: Luchsen und Wölfen auf der Spur
Seit Montag steht fest: Ein Luchs hat am 5. Februar bei Frankenstein im Kreis Kaiserslautern ein Schaf gerissen. Das hat ein DNA-Test ergeben. Hinzu kam auch aber noch ein Fotobeweis: Nach dem Vorfall wurde ein Luchs im Diemersteiner Tal von einer Fotofalle aufgenommen. Denn solche sind seit Kurzem quer über die Pfalz im Wald verteilt. 2016 wurden Luchse erstmals im Pfälzerwald ausgewildert. Wie groß ist die Population mittlerweile? Und wo sind die wilden Katzen unterwegs? Das will das Koordinationszentrum Luchs und Wolf (Kluwo) mit Sitz in Trippstadt nun mit der groß angelegten Wildkamera-Überwachung herausfinden. Und als „Beifang“ erhoffen sich die Forscher Erkenntnisse über ein anderes Raubtier, das seit einiger Zeit auch die Region durchstreift.
Vom 3. Januar bis zum 9. Februar haben die Mitarbeiter des Kluwo über den gesamten Pfälzerwald, den Donnersberg und die Sickinger Höhe ein Netz aus Fotofallen aufgebaut. 80 Standorte umfasst das Untersuchungsgebiet, davon knapp 25 in der Südpfalz. Bis Ende April sollen die Kameras Bilder der Waldbewohner auf leisen Pfoten machen, um zu ermitteln, wie viele Luchse und Wölfe derzeit in hiesigen Wäldern beheimatet sind. „Die Fotofallen sind so groß wie eine Ein-Liter-Milchpackung und werden in grünen Metallschutzkästen an Baumen angebracht“, erklärt Projektbeauftragter Julian Sandrini vom Kluwo. Zu einem Standort gehörten jeweils zwei Fotofallen. Die meisten stünden entlang von Forststraßen und Wanderwegen in mittleren Hanglagen der Höhenzüge des Pfälzerwalds.
So funktionieren die Fotofallen
Denn gerade beginne die Paarungszeit der Luchse. In dieser seien die Katzentiere sehr mobil. Da das Revier von Luchsen mit 100 bis 400 Quadratkilometern recht groß sei, nutzten die Tiere gerne das bestehende Wegenetz im Wald, um bei ihren Wanderungen Energie zu sparen. Die Kameras seien links und rechts des Weges aufgebaut, nach Möglichkeit auf Höhe des Luchses; das entspricht der menschlichen Kniehöhe. So könnten die Flanken der Tiere bestmöglich beidseitig abgelichtet werden, um die Luchse zu identifizieren, erklärt Sandrini. Wer zu Hause einen Bewegungsmelder hat, um die Außenbeleuchtung zu aktivieren, kennt das Prinzip. So funktionieren auch die Fotofallen. Nur dass diese, sobald eine Wärmequelle den Sensorbereich passiert, kein Licht aktivieren, sondern die Kamera auslösen. Die Kameras sind laut Sandrini mit einem Weißlichtblitz ausgestattet, um auch in der Nacht möglichst scharfe Bilder der vorbeiziehenden Luchse zu bekommen.
Übrigens, das Kluwo will mit der Aktion keine Menschen unter die Lupe nehmen. „Eine Überwachung menschlicher Aktivitäten ist in keinem Falle beabsichtigt“, macht es deutlich. Deswegen sind alle Kameras auch mit einer Hinweistafel versehen, auf der über die laufende Untersuchung, den Datenschutz und die Kontaktdaten der Koordinationsstelle in Trippstadt informiert wird. Sollte es dennoch zu Aufnahmen von Menschen, Fahrzeugen oder Reitern kommen, lösche das Kluwo die Bilder unverzüglich und werde sie in keinerlei Form verwenden, versichert das Wissenschaftszentrum.
Derzeit erste Auswertung
So eine Kamera kostet 200 bis 300 Euro pro Stück. Finanziert wird das Projekt aus Mitteln der Forschungsanstalt für Waldökologie und Forstwirtschaft Rheinland-Pfalz. Gegen Langfinger schützen sich die Waldarbeiter, indem die Kameras in den Metallkästchen vor Diebstahl gesichert sind. Zudem kontrollieren Landesbedienstete die Standorte regelmäßig – nicht nur zur Überwachung, sondern auch, um die Technik zu warten und die Daten auszulesen.
Und gibt es schon erste Erkenntnisse? In der Vergangenheit wurden ja bereits in allen Ecken des Pfälzerwalds Luchse nachgewiesen – ob durch Satelliten-Telemetrie, Bilder oder Videos. Zu Wölfen gab es nur zwei Nachweise: Vergangenen Sommer war ein männlicher Grauwolf im Dreieck Fischbach bei Dahn, Martinshöhe und Carlsberg unterwegs. Ein im Dezember bei Frankenstein gerissenes Schaf wurde anhand der DNA-Spuren als Beute einem anderen Wolf zugeordnet. Derzeit ist laut Sandrini kein sesshafter Wolf im Pfälzerwald bekannt. Haben die Fotofallen nun schon neue Spuren ausgespuckt? Dafür ist es noch etwas zu früh. Gerade laufe die erste Auslesung der Kameras im Bereich Südpfalz, berichtet der Kluwo-Experte. „Daher liegen noch keine Erkenntnisse über den Erfassungserfolg von Luchsen oder gar Wölfen vor.“
Start des Projekts im Hunsrück
Vor rund einem Jahr gab es bereits ein groß angelegtes Fotofallen-Projekt im Norden des Landes. Damals wurden 55 Wildkameras im Hunsrück-Hochwald aufgestellt, nachdem es im Mai 2021 einen ersten genetischen Wolfsnachweis für das Nationalparkgebiet gegeben hatte. Das dortige Nationalparkamt hatte das Monitoring-Projekt zusammen dem Kluwo entwickelt, um Hinweise auf die mögliche Anwesenheit der Großkarnivoren zu bekommen. Die ersten Fotofallen im Pfälzerwald wurden im Dezember 2019 aufgestellt, um die Wiederansiedlung des Luchses im Auge zu behalten.
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