Weinwelt international Zwei junge Frauen erzählen vom Weinbau in Südafrika
Südafrika. Da denken viele an Sonne und wilde Tiere. Gibt es dort auch Wein? Die Nordfriesin Mia Karlsson und die Badnerin Beatrice Werwitzke haben im März ihr Studium Weinbau und Oenologie am Weincampus Neustadt als dualen Studiengang abgeschlossen. 2025 haben sie Südafrika während eines Praktikums kennengelernt.
Was ist das Besondere am Weinland Südafrika? Werwitzke erklärt: „Im Vergleich zu Deutschland ist Land kein knappes Gut und durch niedrige Arbeitslöhne ist die Arbeitsstruktur anders. Trotz des warmen Klimas werden finessenreiche Weine mit guter Säure produziert.“ Sie war in der Region Cape Agulhas. Die Reben dort sind geprägt durch einen salzigen, kühlenden Wind vom Atlantik kommend. Teilweise mit sehr trockenen und kargen Böden. Wein habe sie neben der Arbeit auch probiert, geschmackliche Unterschiede zum pfälzischen Wein erläutert die junge Winzerin so: „Die Rotweine sind sehr dicht und tanninreich, das ist natürlich auch sortenbedingt. Weißweine werden gerne leicht und säurebetont gehalten, also ähnlich wie in der Pfalz nur mit anderen Sorten wie Chenin blanc, Semillion und Viognier.“ Im Weißwein werde auch mit Holz gearbeitet, allerdings eher dezent. Oft könne man in Weinkarten die Unterteilung „wooded“ und „unwooded“ als Kategorie vorfinden. Der Trend mit Amphoren zu arbeiten sei groß.
„Weingüter schaffen Erlebnisse“
Beatrice Werwitzke war 2025 drei Monate im Weingut Lomond in Gansbaai von Anfang Februar bis Ende April, also während der Lese. Ihre Erinnerungen beschreibt sie so: „Es war spannend zu sehen, wie Weinbau in Südafrika funktioniert. Nicht nur bezogen auf die Arbeit selbst, sondern auch auf die Strukturen. Weingüter schaffen Erlebnisse.“ Menschen würden nicht nur für eine Weinprobe und zum Wein kaufen kommen, sondern sie machten ihren Sonntagsausflug dort hin. „Sie probieren Wein, picknicken in der Parkanlage, bestaunen Kunst, fahren Fahrrad über das Anwesen, gehen ins weinguteigene Restaurant und vieles mehr“, hat die Studentin beobachtet. Sie habe sich sehr kurzfristig für ein Praktikum in Südafrika entschieden. Im Nachhinein sei sie sehr froh dieses gemacht zu haben. Sie könne ein Praktikum in Südafrika nur empfehlen. Beatrice Werwitzke kommt ursprünglich aus dem Raum Heilbronn, lebt in Eichstetten am Kaiserstuhl. Dort arbeitet die 28-Jährige inzwischen in einem Weingut.
Im Himmel und Erde-Tal
Mia Karlsson hat im Weingut Newton Johnson Family Vineyards gearbeitet. Das Weingut liegt im sogenannten „Hemel-en-Aarde-Valley“, übersetzt das Himmel-und-Erde-Tal, welches in der Weinbauregion „Walker Bay“ liegt, sich aber aufgrund seines speziellen Terroirs über gravierende Unterschiede verfüge. Durch die Nähe zum Meer gebe es mehr Regen als in den Winelands, sei also „kühl“ im südafrikanischen Kontext. Im Hemel-en-Aarde-Valley ist man vorwiegend auf Chardonnay und Spätburgunder spezialisiert, anders als in Gebieten wie Stellenbosch oder Swartland. Die Nordfriesin erklärt: „Die Reben wachsen vorwiegend auf Granitböden, was laut Gordon Newton Johnson zu einer parfumartigen, blumigen Aromatik führt. Die hohe Säure, mit denen die Trauben gerne gelesen wurden, hat den Weinen Struktur und Langlebigkeit verpasst.“
Im Keller werde so wenig eingegriffen, wie möglich; die Trauben würden über Nacht im Kühlraum gelagert und dann am nächsten Morgen gepresst oder in Maischegärtanks transportiert. Die Moste vergärten ausschließlich spontan, die Chardonnays in Barriques oder Tonneaus. Das Weingut beziehe Trauben von einer Fläche zwischen 18 und 20 Hektar durch eigene Parzellen plus Zukauf, so die ehemalige Studentin am Weincampus Neustadt.
„Ich hatte während der Lese bis auf die freien Sonntage wenig Zeit, etwas zu unternehmen, die Aktivitäten haben sich eher auf Strandspaziergänge, Restaurantbesuche mit anderen sogenannten Interns oder eine entspannte Flasche Wein auf der Terrasse beschränkt“, erinnert sich die 24-jährige Karlsson. In der letzten Arbeitswoche habe man ihr aber ein wenig Freizeit gegeben, um auch die anderen Weingüter im Valley besuchen zu können. Das erste Mal so wirklich aus Hermanus herausgekommen sei sie erst, nachdem sie ihren letzten Arbeitstag und ein paar Wochen Zeit hatte, zu reisen. Da habe sie auf eigene Faust einige Weingüter besucht und die Westküste erkundet.
Und der Weinbau in Südafrika? „Am Weinbau selbst hat mich wenig überrascht, da die Praktiken weitestgehend denen gleichen, die wir hier in Deutschland beziehungsweise Europa kennen. Ich habe jedoch festgestellt, dass man in Südafrika schon zu einem sehr geringen Preis einen qualitativ hochwertigen Wein kaufen kann, zum einen, weil dort vieles signifikant günstiger ist, als hier, zum anderen, weil südafrikanische Weine vielleicht nicht den Bekanntheitsgrad und die Reichweite haben, wie zum Beispiel Weine aus dem Burgund“, erläutert Mia Karlsson.

Dürfen wir nachschenken?
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