Ludwigshafen
Neue Förderschule: Unterricht auf einer Baustelle
Das überwucherte Gelände am Rand des Baugebietes „Neubruch“ im südlichen Rheingönheim ist schon seit langer Zeit für den Bau einer Schule reserviert, denn der Ludwigshafener Stadtteil ist bei Familien sehr beliebt und wächst. Die Bewohner und der Ortsbeirat haben sich vielfach dafür ausgesprochen, dass auf dem Areal eine weitere Grundschule gebaut werden sollte. Denn die Mozartschule platzt längst aus allen Nähten und wurde mehrfach erweitert. Aber zunächst kommt es anders: Auf dem 4500 Quadratmeter großen Grundstück entsteht nun eine provisorische Förderschule mit 30 Klassen. Diese wird mehr als dringend benötigt, nämlich schon zum neuen Schuljahr nach den Sommerferien. Denn die Georgensschule in Oggersheim darf eigentlich nur 30 Klassen einrichten und hat schon seit Jahren keine räumlichen Kapazitäten mehr für die immer mehr Schüler mit geistigen Beeinträchtigungen aus der Stadt und dem Rhein-Pfalz-Kreis.
Bis eine neue dauerhafte zweite Förderschule in der Gartenstadt bezugsfertig wird, soll daher der Ausweichstandort auf dem unbebauten Grundstück in der Rheingönheimer Gabriele-Münter-Straße für die Kinder zur Verfügung stehen. Geplant ist hier nach Angaben von Baudezernent Alexander Thewalt (parteilos) und Schulbereichsleiter Stefan Weißmann eine dreigeschossige Anlage, die in den kommenden Jahren eine Förderschule mit 30 Klassen für 240 Schüler mit allen dazugehörigen Nebenräumen wie Gymnastikräume, Fachräume, Mensa, Lehrerzimmer sowie dem Schulsekretariat unterbringen wird. Auch einen Aufzug wird es in dem barrierefreien Komplex geben.
Unterricht auf der Baustelle
Das gesamte Gebäude soll laut Projektleiter Florian Stadler aus insgesamt 329 Modulen bestehen, die Einzelmodule haben eine Größe von jeweils drei mal 7,20 Meter. Das fertige Haus besteht dann aus zwei L-förmig zueinanderstehenden Gebäudeteilen. Die Mietmodule liefert die Firma Amtra aus Dernbach bei Montabaur, die auch im Ahrtal nach der Flutkatastrophe in sehr kurzer Zeit eine provisorische Schule errichtet hat.
Wegen der Brandschutzauflagen und einer zusätzlichen Betonwand, die die Bauabschnitte A und B des Provisoriums voneinander trennt, haben sich jedoch die Arbeiten in Rheingönheim verzögert, sodass die Förderschule nicht – wie ursprünglich geplant – pünktlich zum neuen Schuljahr fertig wird. Im parallel zu den Bahngleisen verlaufenden Abschnitt soll der Unterricht bereits nach den Sommerferien starten. Erst im Herbst sollen dann auch der zweite Bereich auf der westlichen Seite des Platzes sowie die gesamte Außenanlage fertiggestellt sein. Zwischenzeitlich soll ein provisorischer Schulhof mit rund 500 Quadratmeter Fläche angelegt werden.
Stadt zahlt 15 Millionen Euro
Trotzdem lobt Baudezernent Thewalt den Baufortschritt und die gute Zusammenarbeit aller Beteiligten bei dem Projekt, das die Stadt am Ende voraussichtlich rund 15 Millionen Euro kosten wird. „Von der Auftragsvergabe an die Firma Amtra bis zur Übergabe der Mietmodule hat es nur etwas mehr als ein Jahr gedauert.“ Rainer Bernhard, Bereichsleiter Gebäudewirtschaft, meinte sogar scherzhaft: „Wir haben hier mal gezeigt, wie der Bauturbo geht.“
Auf dem künftigen Schulhof werden neue Bäume gepflanzt, die nach dem Rückbau des Ausweichstandorts erhalten bleiben sollen. Das Provisorium soll wieder verschwinden, sobald der Förderschulneubau in der Gartenstadt fertig wird.
In Absprache mit der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) soll die neue Schule am Otto-Thiele-Platz entstehen. Bis dahin soll die Anlage in Rheingönheim die bisherigen Zweigstandorte der Oggersheimer Georgensschule zusammenfassen und bis zur Fertigstellung der neuen Schule die auflaufenden Zugänge auffangen, so Schulbereichsleiter Weißmann.
Die zweite Förderschule für Kinder mit geistigen Beeinträchtigungen wird kein „Ableger“ der Georgensschule, sondern eine eigenständige Förderschule mit neuem Namen und eigenständiger Schulleitung. Sobald die Mietmodule in Rheingönheim nicht mehr für die Förderschule benötigt werden, steht das Gelände für eine neue Nutzung zur Verfügung. Ob dort dann eine Grundschule gebaut wird, wie es sich die Rheingönheimer wünschen, steht jedoch noch in den Sternen.