Weinwelt Winzer für ein Jahr: Weinprobe zum Abschluss des Projekts
Philipp Heinz blickt mit großen Augen auf die vor ihm stehenden gefüllten Korbflaschen. Es sind jene Behältnisse, die die Teilnehmenden zum letzten Aktionstag des Projekts „Winzer für ein Jahr“ mitgebracht haben. Ein Jahr lang begleitete eine Gruppe die Weinherstellung bei unterschiedlichen Winzern. Für das Projekt zeichnet der Verein der Kultur- und Weinbotschafter der Pfalz verantwortlich.
Nun gibt es quasi den Lohn für die Mühen: einen Rosé, dessen Most Philipp Heinz unmittelbar nach der Lese in die Korbflaschen, den sogenannten „Glasballon“, gefüllt hatte. In den vergangenen Wochen „ruhte“ der Most bei den Testwinzern und sorgte für manche „Blubbermomente“ durch die fortschreitende Gärung, ehe sich die Hefe immer mehr am Flaschenboden absetzen konnte und zur Ruhe kam. Die Rebsorte ist für die Region Pfalz eher untypisch, denn bei dem Rosé setzte der sympathische Winzer aus Kapellen-Drusweiler auf die spanische Rebsorte Tempranillo, die den jungen Winzer nicht nur begeistert, sondern auch einen Hauch Sommer ins Glas bringt. „Ich bin gespannt, was daraus geworden ist“, sagt Heinz, und auch die Gruppe kann die finale Probe kaum abwarten. Ist er doch aus den Trauben, die die Teilnehmenden der Aktion Ende September per Hand gelesen haben. Sie wurden im Weingut gepresst, der Most dann in den Korbflaschen mit nach Hause genommen.
Vollernter-Lese in Neustadt
Nicht anders war es bei Winzer Kai Sommer vom Weingut Hammer-Sommer in Neustadt-Königsbach. Allerdings mit dem Unterschied, dass dessen Projektgäste nicht mit Schere und Eimer durch die Rebzeilen gingen: Sommer setzt ausschließlich auf die Lese mit dem Traubenvollernter. Bei ihm kam die Rebsorte Dornfelder zur Ernte.
Sommer sieht als Befürworter der Lese mit dem Vollernter darin keinen Nachteil für die Qualität der Weine. „Entscheidend ist für mich, den richtigen Zeitpunkt der Reife zu finden, um dann direkt zu ernten“, erklärt Sommer, der mit einer Vorlese dafür sorgt, dass nur die qualitativ besten Trauben zur Verarbeitung kommen. Keine leichte Aufgabe. Denn die Maische, das Gemisch aus Most, Beerenschalen und Kernen sowie bei nicht entrappten Trauben auch Stielen und Stängeln, die vom Vollernter in den Maischewagen gepumpt werden, soll schnellstmöglich zur Verarbeitung in den Keller. Das ist bei der Handlese nicht immer möglich, weil es schon eine Weile dauert, bis die jeweiligen Behälter gefüllt sind. So dauert es auch bei warmen Temperaturen länger, bis die Trauben weiterverarbeitet werden können.
Was das bedeutet, konnten Bernd Kaiser und Thomas Hocker sowie Marianne und Ludwig Feldmeier erfahren, die das Geschehen im Weinberg von Kai Sommer als Kursteilnehmende hautnah beobachtet haben und es sich nicht nehmen ließen, doch einige Trauben mit der Hand zu lesen. Umso mehr freuten sie sich über den Most, den ihnen Kai Sommer in seinem Weingut in ihre Korbflaschen gefüllt und mit einem wassergefüllten Gärrohr, Gärpfeife genannt, versehen hatte. Durch das Wasser im U-förmigen Röhrchen kann das Gärgas entweichen, die Gärpfeife verhindert aber, dass Luft oder Sauerstoff in den Behälter eindringt.
Farbliche Unterschiede durch Lagerung
Acht Wochen nach der Lese treffen sich jetzt auch im Weingut Sommer die Teilnehmer mit ihren Korbflaschen zur abschließenden Probe und Bewertung. Kai Sommer ist auf die Eindrücke, aber auch die Bewertung der Weine ebenso gespannt wie sein Kollege aus der Südpfalz. Schon farblich unterscheiden sich einige der mitgebrachten Weine voneinander. Mal ist das Rot etwas heller, dann wiederum etwas dunkler.
Kai Sommer will von jedem seiner Teilnehmer wissen, wie sich der Most in den ersten Tagen nach der Lese entwickelt habe. „Bei mir hat es in den ersten drei Wochen nur geblubbert, ich dachte schon, es hört ja nicht mehr auf“, erzählte Bernd Kaiser. Und Marianne Feldmeier meint: „Bei mir hat es schon einige Tage gedauert, bis das Blubbern losgegangen ist.“. Woran lag das? Am Ort, der Temperatur oder der Helligkeit, des Ortes, wo der jeweilige Most gelagert wurde? Oder wurde vielleicht das Gärrohr beim ein oder anderen öfter mal abgenommen, sodass der Wein mit Luft in Berührung gekommen ist? Alles Faktoren, die die Gärung beeinflussen können.
Punktabzug in der „Nase“
Jeder Winzer zielt auf seine eigene Stilistik ab, hat eigene Vorstellungen davon, wie er seine Weine ausbauen möchte – und das fängt bei der Gärung an. Daraus macht auch Philipp Heinz kein Geheimnis, der gerade den vierten Wein in das Glas seiner Teilnehmenden gegeben hat. Schon ist das erste „Wow“ zu hören. Der Rosé zeigt eine helle Farbe, glänzt in zartem Lachston und wirkt schon fast klar. Aber beim Geruch schauen sich einige Teilnehmer der Gruppe skeptisch an. „Er stinkt leicht faulig“, bringt es Heinz ernüchternd auf den Punkt. Harte Worte. „Ich habe nichts gemacht, der Most stand bei 18, 19 Grad Celsius bei uns auf der Terrasse“, verteidigt Caroline Wolff ihren Wein.
Aber es besteht kein Grund zur Sorge. Trotz des Geruchs zeigt dieser im Geschmack ein Aroma nach Johannisbeeren, dazu eine angenehme Säure und „bleibt lange im Mund“. „Offensichtlich hat hier bei der Gärung was nicht gepasst“, wendet Heinz dennoch ein. Er sieht den Grund des leicht fauligen Geruchs in der Unterversorgung der Hefe. „Die Hefe gibt dem Wein seinen Geschmack“, erklärt er. Und Caroline Wolff räumt ein: „Die Gärung dauerte bei mir nur acht Tage“. Anders die Erfahrung von Gerold Laubscher: „Bei mir hat es lange gedauert bis überhaupt die Gärung begonnen hat. Der Wein stand im Keller, und nach acht Tagen hatte das Blubbern ein Ende“, erzählt er. Das wiederum dauerte bei Augusto Maggioni deutlich länger. „Bei mir waren es schon fast vier Wochen“. Dazu erklärt Gastgeberin Charlotte Heinz: „Je wärmer der Most steht, je schneller gärt er auch“.
Die beiden Gruppen lernen noch mehr: Bei der Blindverkostung streifen die Experten thematisch auch auf die Weinchemie. So erklärt Kai Sommer seinen Teilnehmerinnen und Teilnehmern etwa den sogenannten BSA. Konkret: Der „Biologischen Säureabbau“, ebenfalls ein Gärprozess, erfolgt während oder nach der alkoholischen Gärung. Die stets mehr oder weniger im Most oder im entstehenden Wein vorhandene aggressive Äpfelsäure wird dabei in die milde Milchsäure umgewandelt.
Die Neugier der Hobby-Winzer findet kein Ende, Weinmachen ist eben faszinierend. Dem widerspricht auch Michael Ceranski vom Verein der Kultur- und Weinbotschafter Pfalz nicht. Das Interesse an diesem Projekt sei weiterhin groß, bestätigt er. Und so wird es 2025 eine Neuauflage mit fünf Projekttagen geben. Die Weingüter Philipp Heinz und Otto Grün (Grünstadt-Sausenheim) sind wieder mit von der Partie, dagegen pausieren die Sommers aus betrieblichen Gründen. Dafür ist das Weingut Kühborth und Sinn in Neustadt dabei.
Anmeldung: jahreswinzer@kwb-pfalz.de

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