Cannabis
Wie ein Pfälzer Verein Cannabis anbauen möchte
Ein Verein, der Cannabis-Pflanzen anbaut, seinen Mitgliedern den richtigen Umgang zeigt, der aber auch aufklärt und berät – das möchte der Cannabis Social Club (CSC) Südpfalz werden. So berichtet es der erste Vorsitzende des Vereins, Carsten Boge, aus Knittelsheim (Kreis Germersheim) im RHEINPFALZ-Gespräch.
Obwohl es bislang noch kein fertiges Gesetz zur Cannabis-Legalisierung in Deutschland gibt, haben sich in Rheinland-Pfalz schon mehrere CSC gegründet, darunter der aus der Südpfalz, der CSC Zweibrücken, der CSC Neuwied oder der Verein „High Society“ aus der Landeshauptstadt Mainz. Beide Vereine sind noch nicht eingetragen. Boge sagt: „Wir müssen mit der Satzung ja noch auf das Gesetz warten.“
Anbauen ja, kiffen nein
Den Social Clubs – auf Deutsch in etwa soziale Vereine – kommt bei der geplanten Cannabis-Legalisierung durch die Bundesregierung eine wichtige Rolle zu. Denn in den Vereinen, deren Mitgliederzahl auf 500 begrenzt ist, sollen Cannabis-Pflanzen zum Eigenbedarf angebaut werden dürfen. Kiffen, also Cannabis rauchen, darf man in den Clubs aber nicht, auch nicht im näheren Umfeld der Vereine sowie in der Nähe von Kitas, Schulen oder Sportstätten. Zudem sollen Erwachsene bis zu 25 Gramm Cannabis straffrei besitzen und bis zu drei Pflanzen anbauen dürfen. Noch ist das Gesetz aber nicht beschlossen, es muss noch durch den Bundestag und den Bundesrat.
Bis es so weit ist, ist beim CSC Südpfalz Warten angesagt. Man verfolge die politischen Entwicklungen und informiere die Mitglieder. 40 Personen sind im Verein aktiv, 80 im weiteren Umfeld, berichtet Boge. Ist die gesetzliche Grundlage dann da, soll es rasch losgehen.
Keine Cannabis-Neulinge anwerben
Der Name sei Programm. „Wir verstehen uns als sozialer Club“, sagt der Knittelsheimer. Ist die rechtliche Grundlage da, soll Cannabis angebaut werden. Die Mitglieder sollen sich aber auch gegenseitig helfen, bei Suchtfragen wolle man auch Anlaufstelle für Außenstehende sein. Zwar gebe es im Verein Mitglieder aus sozialen Berufen, aber um wirklich in Suchtfragen beratend aufzutreten, brauche es Schulungen, sagt Boge. Auch hierfür benötige man die rechtliche Grundlage, um als eingetragener Verein agieren zu können. Wichtig ist dem Vorsitzenden dabei: „Wir möchten Menschen nicht dazu animieren, etwas Neues auszuprobieren.“ In erster Linie sollen Menschen angesprochen werden, die ohnehin schon mit Cannabis in Kontakt gekommen sind.
Laut Bundesgesundheitsministerium kann der Konsum von Cannabis sich vor allem bei Kindern und Jugendlichen bis zum Alter von 25 Jahren negativ bemerkbar machen. Der Wirkstoff Tetrahydrocannabinol (THC) könne den Reifeprozess des Gehirns stören. Je früher der Konsum beginne, desto stärker seien die Auswirkungen. 4,5 Millionen Menschen haben demnach im vergangenen Jahr in Deutschland mindestens einmal Cannabis konsumiert. Die meisten Konsumenten seien zwischen 18 und 24 Jahre alt.
Den Schwarzmarkt zurückdrängen
Boge und seine Mitstreiter beim CSC Südpfalz wollen auch auf die Risiken beim Cannabis-Konsum hinweisen. Es sei wichtig, von Anfang an über das Rauschmittel aufzuklären, sagt Boge, der erstmals in seiner Jugend mit Cannabis in Kontakt gekommen sei. Nun biete sich aber genau diese Gelegenheit. „Es kommt etwas Neues in die Gesellschaft“, so der erste Vorsitzende des CSC Südpfalz.
Boge glaubt, dass die CSC helfen können, langsam den Cannabis-Schwarzmarkt zurückzudrängen. Denn Mitglieder der Vereine könnten ja auf die eigenen Produkte zurückgreifen, die im Vereinsumfeld streng überwacht angebaut werden. Im Gegensatz zum illegalen Handel gebe es hier keine Verunreinigungen. Beim Dachverband deutscher CSC heißt es, dass Konsumenten in den Vereinen eine risikoärmere Alternative zum Schwarzmarkt geboten werde. Zudem würde durch die Kontrollen verhindert, dass Cannabis aus den CSC in die illegalen Märkte abfließen könne.
Kritik von der Gewerkschaft der Polizei
Neben den Vereinen sehen die Legalisierungs-Pläne der Bundesregierung auch Cannabis-Modellregionen vor. In diesen soll über einen Zeitraum von fünf Jahren in speziellen, staatlich lizenzierten und überwachten Geschäften der Verkauf des Rauschmittels erprobt werden. In Rheinland-Pfalz möchte sich die Landeshauptstadt Mainz als Modellregion bewerben. Sollte sich der Handel dann nach dieser Probezeit etablieren, könnte in den CSC der Vereinsalltag einkehren, glaubt Boge. Dazu könnte dann in erster Linie die Weitergabe von Fachwissen oder der Austausch über besondere Cannabis-Sorten gehören.
Die Gewerkschaft der Polizei Rheinland-Pfalz sieht die geplante Cannabis-Legalisierung kritisch. Im Juli äußerten Vorstandsmitglieder im RHEINPFALZ-Gespräch Bedenken in Sachen Jugendschutz. Zudem kämen auf die Beamten neue Herausforderungen zu, etwa durch mehr berauschte Autofahrer. Unklar sei, welche Behörde die Cannabis-Clubs künftig überwachen soll.