Interview RHEINPFALZ Plus Artikel Warum sich fremde Arten im Pfälzerwald ausbreiten

Immer häufiger in der Südpfalz zu finden: die Kermesbeere.
Immer häufiger in der Südpfalz zu finden: die Kermesbeere.

Im Pfälzerwald breiten sich immer mehr Pflanzenarten aus, die dort nicht ihren Ursprung haben. Viele von ihnen schädigen dabei andere Arten. Biologin Astrid Kleber vom Kompetenzzentrum für Klimawandelfolgen erklärt, ob und wie es gelingen kann, invasive Arten in den Griff zu bekommen.

Welchen Schaden können invasive, also fremde, Arten anrichten?
Ihr Steckenpferd ist, dass sie sich sehr schnell ausbreiten, weil sie sehr konkurrenzstark sind. Beispielsweise weil sie sehr schnell wachsen und ein großes, dichtes Blätterdach haben, mit dem sie die Umgebung verdunkeln. Oder auch durch Nährstoffentzug können sie andere Arten schädigen und unter Umständen deren Bestand gefährden.

Sind solche Schäden im Pfälzerwald erkennbar?
Als Schäden würde man es dann bezeichnen, wenn sie andere Arten stark in Bedrängnis bringen. Was man auf jeden Fall sieht, ist die Ausbreitung einer Vielzahl von invasiven Arten im Pfälzerwald. Im Elmsteiner Tal sieht man den Staudenknöterich, der ganze Gewässerabschnitte eingenommen hat, wo dann wirklich nichts anderes mehr wächst. Was wir auch in der Südpfalz haben, ist die Kermesbeere, bei der umstritten war, ob sie als invasiv eingestuft werden sollte oder nicht, aber die jetzt neu ist unter den Vorschlägen zur Unionsliste.

Was bedeutet es, wenn eine Art auf dieser Liste steht?
Die Europäische Union hat eine Liste von invasiven Arten zusammengestellt, vor denen sie sich schützen möchte. In dem Sinn, dass für die Länder eine Pflicht besteht, dass, wenn solche Arten entdeckt werden, sie unverzüglich entfernt und gemeldet werden. Die Liste ist 2016 erstmals veröffentlicht worden und wird seither regelmäßig aktualisiert.

Wie werden solche Arten überhaupt in andere Gebiete eingeschleppt?
Der Handel ist da ein großer Faktor, grundsätzlich alle Reisebewegungen des Menschen, auch Urlaubsreisen. Gerade Arten, die wärmeliebend sind, können über die Südroute relativ leicht nach Deutschland einwandern. Manche Arten wandern auch selbstständig, zum Beispiel manche Libellenarten oder Vögel. Zugvögel können übrigens auch Arten herbringen.

Welche Rolle spielt der Klimawandel generell für invasive Arten?
Er führt insbesondere dazu, dass wärmeliebende Arten es leichter haben, sich hier zu halten. Die Hyalomma-Zecke kann erst hier überwintern, seit die Winter milder geworden sind. Die Beifußambrosie wäre noch ein Beispiel, sie kommt durch die wärmeren Temperaturen erst zur Samenreife. Starkregen ist auch ein Faktor, beispielsweise können sich Samen leichter verteilen. Auch das umgekehrte Extrem, die Austrocknung von Feuchtgebieten, erleichtert invasiven Arten die Ausbreitung, weil die Gebiete in der Regel nährstoffreicher werden, wenn sie austrocknen.

Welche Maßnahmen gegen invasive Arten gibt es im Pfälzerwald?
Es gibt Projekte, wo durch Beweidung versucht wird, zu verhindern, dass sich invasive Arten weiter ausbreiten. Oder auch durch Abdeckung von Böden: Ich hatte den Knöterich im Elmsteiner Tal schon angesprochen. Da gibt es im Legelbachtal ein Versuchsprojekt, wo der Boden mit einer Plane abgedeckt wurde. Das muss über mehrere Jahre passieren, bis jeglicher Wurzelwuchs von dieser Art unterbunden wurde.

Inwieweit ist es realistisch, dass invasive Arten eingedämmt werden können?
Wir haben nur für Arten, die ganz neu hier sind, diese Verpflichtung, solange sie noch kleinräumig ausgebreitet sind. Ansonsten hat man wirklich nur eine Management-Aufgabe zu erfüllen. Das heißt: besondere Arten und besondere Ökosysteme schützen und beobachten.

Gibt es etwas, das man als Laie tun kann, wenn man invasive Pflanzenarten im Wald findet?
Wenn man welche findet, sollte man sich im Artenfinderportal von Rheinland-Pfalz informieren, wie weit die Art schon verbreitet ist. Man sollte sich auch mit der Unteren Naturschutzbehörde in Verbindung setzen, ob es anzuraten ist, dass man als Privatperson aktiv wird. Die Kermesbeere kann man zum Beispiel durchaus ausreißen. Bei anderen Arten wie dem Springkraut oder dem Knöterich bringt das sehr wenig, denn die treiben einfach wieder aus ihren Wurzeln aus.

Welchen Einfluss haben invasive Arten auf den Menschen?
Manche Arten können negative Auswirkungen auf den Menschen haben. Die Beifußambrosie ist beispielsweise hochallergen und der Riesenbärenklau kann Verbrennungen hervorrufen. Aber die meisten sind meines Wissens nur aus Naturschutzsicht problematisch.

Gibt es auch Fälle, in denen invasive Arten einen positiven Effekt haben?
Per Definition schließt sich das aus. Eine invasive Art ist eine Art, die andere Arten zurückdrängt. Selbstverständlich gibt es neue Arten, die durchaus positiv sein können. Nicht jede neue Art ist per se eine invasive Art. Wenn sie sich nicht invasiv verhalten, spricht nichts dagegen. Im Gegenteil, neue Arten können auch die Vielfalt hier erhöhen, gerade in Anbetracht des Klimawandels, wo manche Arten verdrängt werden. Und wenn neue Arten diese Nischen einnehmen, kann das für ein Ökosystem durchaus positiv sein.

Zur Person

Astrid Kleber (43) ist promovierte Biologin und seit 2016 am rheinland-pfälzischen Kompetenzzentrum für Klimawandelfolgen in Trippstadt tätig. Ihre Fachgebiete sind Artenvielfalt, Gesundheit und Raumordnung.

Astrid Kleber
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