Neustadt
Neustadt: Selbst Feuer juckt den Staudenknöterich nicht wirklich
Alle Jahre wieder: Der Japanische Staudenknöterich bereitet auch in Neustadt Sorgen. Das gilt vor allem entlang des Speyerbachs. Ufermauern mag er dabei besonders gern. Und das kann teuer werden.
Als er Anfang des 19. Jahrhunderts sein erstes Gastspiel in Deutschland hatte, waren irgendwie alle glücklich. Als Zierpflanze war der Japanische Staudenknöterich gedacht, als Futter für Nutzvieh und Rotwild, als Deckung für Fasane. Sein Drang, sich auszubreiten, wurde dabei aber weit unterschätzt: Die aufrecht wachsende Wildstaude kann bis zu drei Meter hoch werden und kilometerlange Bestände bilden. Im Stadtgebiet wächst er aktuell beispielsweise an mehreren Stellen aus den Ufermauern, wie Stadt-Pressesprecherin Runa Hess auf Anfrage informiert. So auch entlang des neuen Grünzugs Böbig im Bereich der Winzinger Scheide, aber auch an einigen anderen Gewässerabschnitten.
Im Auftrag der Stadt ist dabei der Gewässerzweckverband tätig. Er schneidet laut Hess alljährlich die Knöterich-Bestände ab, bevor er Samen abwirft, und entsorgt die Biomasse. So soll eine weitere Verbreitung zumindest stark verlangsamt werden. Zwar kann sich der Japanische Staudenknöterich sozusagen selbst klonen, ist also nicht unbedingt auf Samen angewiesen – aber nach den langjährigen Erfahrungen des Gewässerzweckverbands konnte durch den jährlichen Schnitt ein Ausbreiten über den gesamten Bachverlauf erfolgreich verhindert werden. Daran ändere auch nichts, dass die Pflanze an einzelnen Stellen – wie vor ein paar Jahren an der oberen Wallgasse zwischen Polizei und Roxy-Wehr – versuchte Fuß zu fassen.
Bis zu drei Meter tief in Mauer
Tatsächlich wurzeln die Pflanzen bis zu drei Meter tief in das Mauerwerk hinein und können damit Schäden verursachen. Am besten könnten sie mit Pflanzenschutzmittel bekämpft werden – aber das ist an einem Fließgewässer natürlich verboten. Und ein Abflämmen würde nicht ausreichen, weil die Wurzeln damit nicht erreicht werden, so Hess.
Bleibt also nur das Bekämpfen mit der Hand, um teure Mauersanierungen in Grenzen zu halten. Viermal schneiden ist dabei zwischen Mai und September auf rund zehn Kilometer Gewässerstrecke angesagt. Das kostet die Stadt 10.000 bis 15.000 Euro. An der Wallgasse setzt der Gewässerzweckverband außerdem schwarze Folie ein, ebenso verfährt der Stadtforst im Kaltenbrunner Tal. Mit der Folie zugedeckt, soll dem Knöterich zum einen das Licht für die Photosynthese genommen werden. Zum anderen heizen sich die Flächen unter der schwarzen Folie stark auf – was den Pflanzen nicht gut tut.
Ständig in Alarmbereitschaft
Innerhalb der Stadt wird zudem versucht, dem nervigen Grün erst gar keine Chance zu geben, sich in neu renaturierten Bereichen einzunisten. Dazu muss laut Hess ständig kontrolliert und im Alarmfall sofort eingegriffen werden. Der schlimmste Fall, der eintreten kann: Dass an ganzen Gewässerabschnitten nichts anderes mehr wächst als Staudenknöterich. Da nur im Sommer grün, finden dann auch Vögel im der kalten Jahreszeit dort keine Deckung mehr.
Stichwort: Japanischer Staudenknöterich
Der Japanische Staudenknöterich wurde aus Ostasien eingeführt. Mittlerweile ist er verwildert an Ufern im Saum von Erlen- und Weidengebüsch auf nassen, grundwassernahen, nährstoffreichen, tonigen Kies- oder Schotterböden anzutreffen, wie in einem Handbuch des Bunds Deutscher Baumschulen zu lesen ist. Demnach ist die Art sehr lichtbedürftig und kann am besten durch Gehölze verdrängt werden. Im Sommer blüht er grünlich-weiß, seine unterirdischen Sprossen bilden dichte Herden. Eine „attraktive, aber gefährliche Pflanze“, so das Urteil des Verbands.