Rheinland-Pfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Tödliche Schüsse: Welchen Schutz das Land seinen Polizisten bietet

Mit schwerer Schutzausrüstung: Polizisten nach den Todesschüssen auf ihre Kollegen.
Mit schwerer Schutzausrüstung: Polizisten nach den Todesschüssen auf ihre Kollegen.

Rheinland-Pfalz hat in den vergangenen Jahren viel investiert, um seine Polizisten besser vor Gewalttätern zu schützen. Trotzdem sind jetzt zwei junge Einsatzkräfte bei einer Kontrolle erschossen worden. Gibt es immer noch Mängel bei der Ausrüstung oder den polizeilichen Einsatzkonzepten?

Unglaublich viel Glück hatte der Hamburger Polizist, als 1978 eine Pfarrerstochter aus der Westpfalz auf ihn schoss. Die RAF-Anhängerin wollte in der Hansestadt Schmerzmittel für einen medikamentensüchtigen Terroristen besorgen. Doch ein Apotheker war misstrauisch geworden, hatte die Beamten alarmiert. Die 21-Jährige zog daraufhin einen Colt und drückte ab. Doch ihr Opfer kam mit dem Leben davon: Die Kugel durchbohrte zunächst eine Lederjacke, zwei Notizblöcke und einen Strafzettelblock, traf den Ordnungshüter daher mit verringerter und nicht mehr tödlicher Wucht.

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Westen zum Stückpreis von 500 Euro

Heute sind Polizisten deutlich besser gegen solche Angriffe gewappnet. Kugelhemmende Schutzwesten etwa gibt es längst nicht mehr nur für die Elitekämpfer der Spezialeinsatzkommandos (SEK), sondern auch für Streifen- und Kriminalpolizisten. Die neueste Generation dieses speziellen und im Außendienst beständig anzulegenden Kleidungsstücks hat der rheinland-pfälzische Innenminister Roger Lewentz (SPD) im Dezember 2019 vorgestellt: Zum Stückpreis von knapp 500 Euro soll es den Beamten mehr Tragekomfort bieten als das Vorgängermodell.

Denn das war schwerer – und weniger biegsam, was aus anatomischen Gründen vor allem ein Problem für weibliche Einsatzkräfte war. Allerdings bietet so eine Weste keinen absoluten Schutz: Ob ein Projektil tatsächlich abprallt, kann etwa vom Winkel seiner Flugbahn abhängen. Und von der Durchschlagskraft der Waffe, mit der es abgefeuert wurde. Terroristen etwa haben bei Anschlägen in den vergangenen Jahren oft Kalaschnikow-Sturmgewehre verwendet. Und die verschießen Kugeln mit einer Wucht, die Schutzschichten leicht durchschlagen kann.

Helme im Kofferraum

Also liegen im Kofferraum jedes rheinland-pfälzischen Standard-Streifenwagens neben Maschinenpistolen auch extra-dicke Oberkörper-Panzer sowie Schutzhelme. Bei der Fahndung am Montag in der Westpfalz haben die Beamten diese Ausrüstung dann auch eingesetzt. Aber ausgepackt wird sie nur, wenn schon klar ist, dass besondere Gefahr droht. Die am frühen Montagmorgen im Kreis Kusel erschossenen Polizisten hingegen mussten nach bisherigem Kenntnisstand von einer Routinesituation ausgehen, als sie in eine tödliche Falle gerieten.

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Offiziellen Angaben zufolge waren sie uniformiert und nutzten ein ziviles Einsatzfahrzeug – ein durchaus übliches Vorgehen, wenn Beamte im Streifendienst etwa nach Einbrechern Ausschau halten und sie nicht gleich durch ein weithin erkennbares Polizeiauto verscheuchen wollen. Der 29-jährige Polizist und seine 24-jährige Kollegin haben sich dann offenbar dazu entschlossen, einen anderen Wagen für eine ganz normale Verkehrskontrolle zu stoppen. Was für Einsatzkräfte einerseits zum täglichen Geschäft gehört, aber auch immer ein Risiko birgt.

Ein Kollege beobachtet

Schließlich könnten sie auf einen Autofahrer treffen, der Drogen genommen hat und deshalb aggressiv reagiert. Oder auf Kriminelle, die der Kontrolle um jeden Preis entkommen wollen. Außerdem können Polizisten von außen nur schlecht erkennen, ob jemand im Auto-Innenraum gerade eine Waffe zückt. Schutz bietet ihnen daher neben der Alltags-Weste am ehesten die verlässliche Zusammenarbeit untereinander: Ein Kollege tritt an den Wagen heran und spricht mit dem Fahrer, der andere positioniert sich derweil seitlich und beobachtet, was passiert.

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Ein gewisses Sicherheitsplus bietet außerdem der Funkverkehr, der heute intensiver betrieben werden kann als früher. So ist es zum Beispiel üblich, dass Polizisten ihrer Dienststelle schon vorab das Kennzeichen des Autos durchgeben, das sie nun stoppen wollen. Denn dann können sie vorgewarnt werden, falls dieses Nummernschild etwa als gestohlen gemeldet ist. Und die Kollegen in der Zentrale können zielgerichteter reagieren, wenn sie mitbekommen, dass es im Verlauf einer vermeintlichen Routinekontrolle doch zu Problemen gekommen sein muss.

Gewerkschaftschef: keine Ausrüstungsmängel

Dass auf ihn und die Kollegin jetzt geschossen wird, hat der 29-jährige Polizist am Montag per Funk noch durchgegeben. Doch gerettet werden konnten die beiden nicht mehr. Auch wenn viele Details dazu am Montag noch unklar blieben: Thomas Meyer, der Landeschef der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), kann auf Anhieb keine Mängel bei der Ausrüstung oder den Vorgaben fürs polizeiliche Vorgehen erkennen. Allerdings plädiert er dafür, die Menschen besser auf Polizeikontrollen vorzubereiten und ihnen beizubringen, wie sie auf die Beamten reagieren müssen.

Die Idee dahinter: So könnten Konflikte zwischen Polizisten und Normalbürgern vermieden werden. Und die Beamten könnten es vielleicht schneller erkennen, wenn sie es mit wirklich gefährlichen statt mit nur genervten Menschen zu tun haben.

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