Rheinland-Pfalz
Im Dienst gezielt getötete Polizisten: Seit Montag sind es 16
Es scheint nur um einen harmlosen Verkehrsregelverstoß in der Kaiserslauterer Innenstadt zu gehen, als Herbert Schoner an einem Mittwochmorgen im Dezember 1971 einschreiten will: Der 32-jährige Polizeiobermeister hat einen weinroten VW-Bus mit Neunkirchener Kennzeichen erspäht, der in der Fackelstraße im Halteverbot steht. Doch als er an das Fahrzeug tritt und den im Wagen wartenden Fahrer ansprechen will, feuert der durchs rechte Seitenfenster mehrere Schüsse auf den Beamten ab.
RAF-Terroristen mit ihrer Beute
Der verheiratete Vater zweier Kinder schleppt sich daraufhin schwer verletzt zu einer nahen Bankfiliale. Und trifft dort auf Verbrecher, die erneut auf ihn schießen: RAF-Terroristen, die soeben bei einem Überfall 134.000 Mark erbeutet haben und nun mit ihrem Komplizen im VW-Bus entkommen. Schoner hingegen stirbt, noch ehe er ins Krankenhaus gebracht werden kann. Zwei Tage später, an Heiligabend, wird er in seinem Heimatort Weilerbach (Kreis Kaiserslautern) beigesetzt.
Bis heute wird an ihn erinnert auf dem Gelände der Landes-Polizeihochschule am Hunsrück-Flughafen Hahn. Dort gibt es seit dem Jahr 2018 eine Gedenkstätte für 47 rheinland-pfälzische Polizisten, die seit 1945 im Dienst ums Leben kamen. Viele von ihnen starben bei Unglücksfällen: Sie wurden zum Beispiel bei Verkehrskontrollen überfahren. Als Opfer gezielter Angriffe galten vor der Bluttat im Kreis Kusel 14 Polizeibeamte. Der bislang letzte in dieser Reihe war ein Polizist des Spezialeinsatzkommandos (SEK).
Vom Rockerboss erschossen
Er wurde im Jahr 2010 erschossen, als die schwer bewaffnete Elitetruppe der Sicherheitskräfte das Anwesen eines Hells-Angels-Chefs stürmen wollte: Der Rockerboss feuerte durch die geschlossene Haustür. Und behauptete später vor Gericht, dass er an einen Angriff mordlüsterner Konkurrenten aus den Reihen eines anderen Motorradclubs glaubte. Weil er sich demnach in einer Notwehr-Situation glaubte, blieben seine Todesschüsse für ihn am Ende ohne rechtliche Folgen.
Für den RAF-Mord an Polizeiobermeister Schoner in Kaiserslautern hingegen wurde wenigstens einer der Beteiligten verurteilt: Klaus Jünschke, Codename „Spätlese“, bekam 1977 eine lebenslange Haftstrafe. Und wurde 1988 vom damaligen rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten Bernhard Vogel (CDU) begnadigt. Zwei Jahre zuvor hatte er seine Mitstreiter in einem offenen Brief dazu aufgerufen, „den bewaffneten Kampf einzustellen“.

