Rheinland-Pfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Neue Polizei-Schutzweste: Entlastung für die Beamten-Hüfte

Links das neue, rechts das alte Modell: Dank Reißverschluss lässt sich die Schutzweste jetzt leichter an- und ausziehen.
Links das neue, rechts das alte Modell: Dank Reißverschluss lässt sich die Schutzweste jetzt leichter an- und ausziehen. Foto: Hämmelmann

Die rheinland-pfälzischen Polizisten bekommen für den Alltagsdienst neue Schutzwesten. Die haben mehr Taschen, damit sich die Beamten nicht mehr so viel Ausrüstung um die Hüften schnallen müssen. Außerdem ist das Material „flexibler und anschmiegsamer“. Davon sollen besonders Frauen profitieren.

Paris blue“ heißt der Farbton der Schutzweste, die rheinland-pfälzische Polizisten künftig im Alltag tragen werden. Und Innenminister Roger Lewentz (SPD) meint: Dieses „Paris-Blau“ passt bestens zum Rest der Uniform. Doch es sind nicht in erster Linie modische Gründe, die das Land dazu gebracht haben, für die nächsten Jahre insgesamt 7000 Exemplare zum Stückpreis von knapp 500 Euro zu bestellen. Die Neuanschaffung war schon aus technischen Gründen fällig. Denn den individuell angepassten Oberkörper-Schutz für die einzelnen Beamten gibt es seit 2006.

Das Problem dabei: Das Material wird allmählich mürbe. Ursprünglich hatte der Hersteller daher gesagt, dass die Westen nur zehn Jahre lang benutzt werden dürfen. Stichproben-Tests haben nach Ministeriumsangaben allerdings gezeigt, dass die Verwendungszeit noch einmal um fünf weitere Jahre verlängert werden kann. Doch nun läuft die Frist für die erste Generation tatsächlich bald ab. Und als Ersatz kommt ein Modell, das den Schutz vor den Projektilen kleinerer Schusswaffen und Küchenmesser-Klingen mit mehr Komfort verbinden soll.

Die neue Weste ist leichter

Denn die neue Weste ist ein wenig leichter: Ein Exemplar in Größe L wiegt nicht mehr 1,7, sondern nur noch etwa 1,5 Kilogramm. Außerdem sind vorne zusätzliche Taschen angebracht. Sie bieten Platz für Notizblöcke, aber auch für Handschellen und Taschenlampe. Denn diese sperrigen und harten Ausrüstungsgegenstände müssen sich die Polizisten bislang an den Gürtel schnallen, wo sie oft drücken und scheuern. Überhaupt, Minister Lewentz und seine Fachleute wissen: Viele Beamte leiden darunter, dass sie sich zu viel Gewicht um die Hüfte binden müssen.

Also soll die Ausrüstung besser am Körper verteilt werden. Weshalb es jetzt auch mehr Auswahl bei den Pistolenholstern gibt: Wer will, kann sich seine Waffe künftig um den Oberschenkel schnallen. Keine Veränderungen sind hingegen beim Uniform-Hemd geplant. Obwohl einige Polizisten finden: Das passt nicht mehr ins Gesamtkonzept. Denn eigentlich gelten die individuellen Schutzwesten der Polizisten als „Unterziehwesten“, die direkt über der Unterwäsche getragen werden. Und zivil gekleidete Kriminalpolizisten benutzen sie auch tatsächlich so.

Kritik am Uniform-Hemd

Streifenbeamte ziehen sie hingegen über das Hemd mit seiner Knopfleiste. Schutzwesten-Hersteller allerdings warnen: Unter ihren Projektil-Bremsen dürfen keine harten Gegenstände getragen werden – weil die Wucht eines Treffers sie in den Körper des Getroffenen treiben könnten. Das Innenministerium versichert jedoch: Diese Bedenken beziehen sich nur auf metallische Objekte wie Kugelschreiber, während von Plastikknöpfen keine Gefahr ausgehe. Aber die Hemd-Kritiker haben noch ein weiteres Argument in petto.

Sie sagen: Die Knopfleiste unter der Schutzweste ist einfach unbequem. Und weil sich unter dem Kugelfang die Körperwärme staut, wäre es ohnehin sinnvoller, weniger förmliche und dafür sportlichere Oberteile zu nutzen. Doch ein Ministeriumssprecher winkt ab: Pläne für zum Beispiel ein Polizei-Polohemd gebe es derzeit nicht. Gelöst sein soll dafür ein Problem, das sich bislang aus dem weiblichen Körperbau ergab. Um auf den Rücksicht zu nehmen, ist in die alten Frauen-Westen eine kaum sichtbare Ausbuchtung im Brustbereich eingebaut.

Lösung für weiblichen Körperbau

Technisch allerdings stellt diese Konstruktion eher eine potenzielle Schwachstelle dar, die Schutzwirkung kann darunter leiden. Und an den individuellen Körperbau der Trägerin anpassen ließ sich die Form an dieser Stelle auch nicht. Künftig hingegen gibt es ein Einheits-Modell für beide Geschlechter – aber aus Material, das „flexibler und anschmiegsamer“ ist.

Was in der Westen-Hülle steckt: Kunststoff-Schichten fangen Projektile ab.
Was in der Westen-Hülle steckt: Kunststoff-Schichten fangen Projektile ab. Foto: Hämmelmann
In zusätzlichen Taschen können die Polizisten Notizblöcke, Handschellen und die Taschenlampe verstauen.
In zusätzlichen Taschen können die Polizisten Notizblöcke, Handschellen und die Taschenlampe verstauen. Foto: Hämmelmann
An Halterungen kann das Funkgerät und eine Bodycam befestigt werden.
An Halterungen kann das Funkgerät und eine Bodycam befestigt werden. Foto: Hämmelmann
Noch mehr Entalstung für die Hüfte: Wer will, kann sich seine Dienstwaffe jetzt um den Oberschenkel schnallen.
Noch mehr Entalstung für die Hüfte: Wer will, kann sich seine Dienstwaffe jetzt um den Oberschenkel schnallen. Foto: Hämmelmann
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