Landau / Idar-Oberstein RHEINPFALZ Plus Artikel Nach Tankstellen-Mord: Wie Menschen mit der Bluttat drohen

Bei einem 82-jährigen Südpfälzer rückte die Polizei mit ihrer Antiterror-Schutzausrüstung an.
Bei einem 82-jährigen Südpfälzer rückte die Polizei mit ihrer Antiterror-Schutzausrüstung an.

Nach dem Mord an einem Tankstellen-Kassierer in Idar-Oberstein hat die Polizei mehrere Fälle gemeldet, in denen Menschen im Streit um Corona-Regeln ihren Kritikern mit einem ähnlichen Schicksal drohten. In der Pfalz reagierten die Ermittler mit einem massiven Einsatz.

Die Situation eskalierte, als der 82-Jährige am Freitag in einem Landauer Bekleidungsgeschäft warten musste und dabei auf das Abstandsgebot hingewiesen wurde: Der Senior drohte der Kassiererin laut Polizei mit dem Tod und stellte „einen Bezug zu Idar-Oberstein“ her. Dort ist am Samstag ein 20-jähriger Tankstellen-Kassierer erschossen worden. Anlass für das Verbrechen: Der mutmaßliche Täter hatte sich offenbar darüber geärgert, dass er beim Bier-Kauf eine Maske aufsetzen sollte.

Hausdurchsuchung in Trier

Auf diese Bluttat haben seither in Rheinland-Pfalz noch weitere Menschen angespielt, nachdem sie von anderen Personen auf ihre Verstöße gegen Corona-Vorschriften hingewiesen worden waren. In Schweich bei Trier wurde laut Polizei am Mittwoch ein Supermarkt-Kunde ausfällig, nachdem ihn die Kassiererin auf das korrekte Tragen des Mund-Nasen-Schutzes angesprochen hatte: Er soll der Frau gesagt haben, dass er sie auch erschießen könne.

Die Ermittler konnten den zunächst unbekannten Mann schnell identifizieren, mittlerweile ist seine Wohnung durchsucht worden. Hinweise auf eine Verbindung des 56-Jährigen zur „Querdenker“-Szene sind einem Polizeisprecher zufolge dabei nicht entdeckt worden. Noch gefahndet wird derweil nach einer Frau, die am Donnerstagnachmittag in einer Regionalbahn von Mainz nach Bad Kreuznach drohend auf den Tankstellen-Mord anspielte.

„Sie gehören ebenfalls abgeknallt“

Nach Angaben der für diesen Fall zuständigen Bundespolizeiinspektion in Kaiserslautern trat die Gesuchte einer anderen Reisenden beim Aussteigen in Bad Kreuznach von hinten in den Oberschenkel. Als die Betroffene sich deshalb umdrehte und die Angreiferin auch gleich auf ihre fehlende Mund-Nasen-Maske ansprach, soll die Unbekannte gesagt haben: „Sie wissen ja, was in Idar-Oberstein passiert ist, Sie gehören ebenfalls abgeknallt.“

Die Ermittler in Kaiserslautern sagen: Es gibt Videoaufnahmen aus dem Zug, auf denen die Täterin gut zu erkennen ist. Außerdem hoffen sie auf Hinweise weiterer Mitreisender, die etwas von der Sache mitbekommen haben. Der 82-Jährige aus dem Landauer Bekleidungsgeschäft hat hingegen noch gleich am Freitagnachmittag Besuch von der Polizei bekommen, die Beamten rückten dabei mit schwerer Schutzausrüstung für Antiterror-Einsätze an.

Luftgewehr wird überprüft

Gefunden haben sie bei dem Senior dann ein Luftgewehr, nun soll dessen waffenrechtlicher Status geprüft werden. Keine Hinweise gibt es hingegen auf eine Verbindung des 82-Jährigen zur Corona-Leugner-Szene – oder darauf, dass er die Kassiererin wirklich töten wollte.

x