Ramstein RHEINPFALZ Plus Artikel Mülltrennung auf der Air Base: Der Recycling-Ausbilder

Thomas Weber ist Zivilbeschäftiger der US-Luftwaffe und kümmert sich seit 1985 dort um Umweltfragen.
Thomas Weber ist Zivilbeschäftiger der US-Luftwaffe und kümmert sich seit 1985 dort um Umweltfragen.

Die Luftwaffenbasis in Ramstein gilt als der amerikanischste Ort in Deutschland. Hier leben und arbeiten Tausende US-Bürger. Aber in einem ganz wesentlichen Punkt herrscht auf dem 1400 Hektar großen Areal urdeutsche Strenge und Disziplin: bei der Mülltrennung. Ein Ausflug zum Wertstoffhof der Air Base.

Müll ist für Thomas Weber Beruf, Berufung und, ja, sogar Hobby. Wenn der 56-Jährige aus Miesau in den Urlaub fährt, interessiert ihn als erstes, wie am Ferienort der Abfall entsorgt wird. Ob in Palma de Mallorca (wo Müll dank Unterdruck durch unterirdische Röhren flitzt) oder in Griechenland, wo der Pfälzer mitansehen musste, wie Hausmüll offen verbrannt wurde.

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Weber ist bereits seit mehr als drei Jahrzehnten der Abfallbeauftragte für die Einrichtungen der US-Luftwaffe im Kreis Kaiserslautern, nicht zuletzt auf der Air Base in Ramstein. Das Klischee, dass Amerikaner mehr Müll verursachen als Deutsche, halte sich hartnäckig, weiß Weber. „Das kann man aber einfach so nicht sagen.“

Er muss es wissen, denn er hat über die Jahrzehnte Zehntausende US-Soldatinnen und -Soldaten ausgebildet – im Recycling! Gerade jetzt geht die Umzugssaison des US-Militärs wieder los: Manche in Ramstein stationierte GIs werden an andere Stützpunkte rund um den Globus verlegt, neue kommen dafür in die Westpfalz. Und alle müssen zu Weber: Woche für Woche erklärt er zum Beispiel, wie das mit der Abfall-App des Kreises Kaiserslautern funktioniert oder wo der Wertstoffhof der Air Base ist.

Knapp 10.000 Tonnen Müll im Jahr

Dass hier sehr viel Müll anfällt, versteht sich von selbst: Die Air Base Ramstein ist die wichtigste Logistikdrehscheibe des US-Militärs in Europa. Ob bei der Luftbrücke für Afghanistan im vergangenen August und September oder aktuell wegen des Kriegs in der Ukraine – die Ramsteiner Luftwaffenbasis ist für die USA und die Nato unverzichtbar. Im engen Takt starten und landen hier Transportmaschinen. Tausende Amerikaner arbeiten – und wohnen hier.

Zusammen mit den Air-Force-Einrichtungen in Landstuhl und in Kaiserslautern-Vogelweh produzierte die Ramsteiner Air Base im vergangenen Kalenderjahr 9800 Tonnen an normalem Abfall. 52 Prozent wurden wiederverwertet, erklärt Thomas Weber stolz. Die Quote soll nun jedes Jahr um zwei Prozentpunkte steigen, fügt er hinzu: eine Vorgabe des Pentagon in Washington. „Das US-Verteidigungsministerium sieht sich da in einer Vorreiterrolle.“

Gelten also auf der Air Base etwa amerikanische Gesetze? Mitnichten, wie Oberst Chris Meeker von der US-Luftwaffe und Thomas Weber erläutern. „Für uns gelten dieselben deutschen Auflagen wie für alle Gemeinden in der Region“, betont der US-Offizier, der selbst übrigens Umweltingenieur ist. Weber kann das in bestem deutschen Beamtendeutsch untermauern: „Es gilt die Andienungspflicht an die Körperschaften.“ Die geltenden Satzungen ließen auch keinen Spielraum. Verträge mit anderen Dienstleistern als den im Kreis Kaiserslautern beauftragten, etwa um Kosten zu sparen, wären den Amerikanern nicht gestattet.

US-Colonel (Oberst) Chris Meeker (links) und Erhard Schaefer vom Bundesforstbetrieb Rhein-Mosel kämpfen gemeinsam gegen den Klim
US-Colonel (Oberst) Chris Meeker (links) und Erhard Schaefer vom Bundesforstbetrieb Rhein-Mosel kämpfen gemeinsam gegen den Klimawandel.

Und so betreibt auch die Mehlinger Unternehmensgruppe Jakob Becker den Wertstoffhof. Den ersten hatte die Base schon 1994, der aktuelle wurde 2017 eingeweiht. Investitionssumme: eine Million Euro. Der Hof sieht eigentlich auch genau so aus, als wäre dies nicht Little America, sondern irgendeine Pfälzer Kommune: Wuchtige Metall-Container stehen bereit, um die verschiedenen Abfallsorten aufzunehmen. Allein die Schilder sind eben auf Englisch. Eine große gepflasterte Fläche bietet reichlich Platz für die anliefernden Autos.

Hier arbeitet Nalaka Silva. Mit breitem, freundlichen Lächeln erzählt der aus Sri Lanka stammende Mann, der für die Becker-Gruppe über eine Leihfirma beschäftigt wird, von seinem Alltag. Es sei schon nötig, dass jemand die Kunden einweise, wo sie was wie entsorgen können. Aber das laufe ja bei deutschen Bürgern auch nicht immer ohne Anleitung.

Hohe Standards beim Umgang mit Gefahrstoffen

Und wie steht es mit den ganzen Kraftstoffen, die ein Flugplatz braucht? Wo kommt Gefahrstoffmüll hin? „Das sind separate Verträge“, erläutert Thomas Weber. Die Firma Südmüll entsorge beispielsweise Hydrauliköl oder andere Stoffe, die nicht ins normale Mülltrennungssystem gehören. Dass die Standards hoch sein müssen, liegt schon an der besonderen Geografie hier: Der Landstuhler Bruch, die Senke, in der die Air Base liegt, ist ein sensibles Ökosystem – eine Moorniederung.

Zudem gibt es hier so viel Wald wie auf keiner US-Luftwaffenbasis sonst, wie Oberst Chris Meeker stolz betont. Deshalb hat der Offizier rund um den Earth Day wieder viele Aktionen organisiert. Die US-Pfadfinder machen mit, auch die Schulen der Amerikaner. Nicht zuletzt werden Bäume gepflanzt, 600 im vergangenen Jahr. Beliebt ist auch ein „Schlamm-Rennen“ – ein sportlicher Wettkampf im Wald, wo es gern matschige Erde spritzt. „Je mehr Spaß die Leute in der Natur haben, umso mehr sind sie im Naturschutz investiert“, sagt Oberst Meeker, der bei bestem Frühlingswetter seine Sonnenbrille trägt.

Auf dem Wertstoffhof der Air Base ist alles auf Englisch ausgezeichnet.
Auf dem Wertstoffhof der Air Base ist alles auf Englisch ausgezeichnet.

Ein paar Minuten vorher, vor einem mehrstöckigen Wohnblock auf der Base. Der Oberst hat zum Earth Day auch die deutschen Partner von der Forstverwaltung eingeladen. Erhard Schaefer ist der Leiter des Bundesforstbetriebs Rhein-Mosel. Dorothea Lehmann ist die Forstamtsleiterin in Kaiserslautern. Mit Schaefer spricht Oberst Meeker jede Baumaßnahme ab – ob ein Townhouse oder ein neuer Basketball-Platz mit Tartanboden. Alle vier bis sechs Wochen gibt es ein Treffen. Dort werde auch um Lösungen gerungen, aber stets hochprofessionell, erläutert Schaefer. Der Klimawandel in der Natur sei der gemeinsame Feind. „Wir kämpfen um jeden Quadratmeter“, so Schaefer. „Eine hohe Baumartenvielfalt ist das beste Mittel“, erklärt Forstamtschefin Lehmann. Mindestens drei, lieber fünf, am besten sieben Arten sollen es in jedem bewirtschafteten Gebiet sein. Schaefer unterstreicht, dass am Ende auch die zuständigen Stellen der Struktur- und Genehmigungsdirektion in Neustadt (SGD) im Boot seien. Deutsches Recht gelte: „Weil wir Eigentümer sind“, so der Bundesforst-Vertreter augenzwinkernd.

Nochmal zu der Frage, wer macht mehr Müll, die Deutschen oder die Amerikaner? Denn eine Besonderheit in Little America gibt es dann doch: 70 Prozent der in den Läden auf der Base verkauften Produkte, zum Beispiel auch Getränkedosen, sind aus den USA und daher nicht Teil des Dualen Systems mit dem gelben Sack. Dementsprechend auch kein deutsches Pfandsystem. Wäre es nicht einfacher, das umzustellen? Dafür müssten eben die Amerikaner auf ihre gewohnten Marken von daheim verzichten. Unwahrscheinlich.

Und, wie Oberst Meeker betont: „Wir überprüfen unser System fortlaufend – finden wir Lücken, finden wir die Lösungen dazu.“ Deutsche Umweltgesetze, amerikanischer Optimismus und militärische Disziplin – da hat der Müll keine Chance.

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