Klimawandel RHEINPFALZ Plus Artikel Überhitzte Innenstädte: Wie Pfälzer Kommunen Hitzewellen trotzen können

Grünes in der Innenstadt verbessert dort das Klima – und zwar jede kleine Baumscheibe.
Grünes in der Innenstadt verbessert dort das Klima – und zwar jede kleine Baumscheibe.

Die Auswirkungen der Klimaveränderung sind vielfältig und treten in Städten besonders konzentriert auf: Dieselben Straßen, die bei Starkregen überschwemmt werden, glühen bei hohen Temperaturen. Was Städte tun können, um dem Klimawandel und Hitzewellen zu trotzen.

Die Hitze in der Innenstadt zu mindern, das läuft hauptsächlich über Begrünung und Wasser. Diesen Eindruck kann man jedenfalls bekommen, schaut man sich die von der Wissenschaft erarbeiteten und von der Politik in Empfehlungen gegossenen Erkenntnisse zum Thema an. Hier wird oft in Farbcodes gesprochen: Von der grünen und der blauen Infrastruktur der Städte ist dort dann die Rede. Dazu kommen manchmal noch Farben wie Beige oder Weiß. Damit ist gemeint, dass Gebäude eher in hellen Farben gehalten sein sollten, weil heller Stein messbar weniger Hitze speichert als dunkler.

Dass Städte wie Kaiserslautern und Ludwigshafen zu sehr zubetoniert und nicht grün genug sind, ist mittlerweile in zahllosen wissenschaftlichen Arbeiten erfasst. „Das Regenwasser kann auf Dächern, Straßen und Plätzen nicht versickern. Stattdessen fließt es größtenteils in die Kanalisation, die jedoch auf Abwasser ausgelegt und bei Starkregen schnell überfordert ist. Das Ergebnis sind überschwemmte Straßen und überflutete Keller.“ So beschreibt beispielsweise das Fraunhofer-Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik in Stuttgart das Problem mit starken Regenfällen. Bei extremer Hitze werden Beton und Asphalt ebenfalls zum Problem, weil sie die Sonnenstrahlung speichern und als Hitze wieder abgeben.

Pflanzen als Wasser-Zwischenspeicher

Es muss also mehr Grün in die Städte. Dieser Meinung ist auch Sascha Henninger. Der Stadtklimatologe arbeitet am Fachbereich Raum- und Umweltplanung der Technischen Universität Kaiserslautern und ist unter anderem Mitglied in den Umweltbeiräten sowohl der Stadt als auch des Landkreises Kaiserslautern. „Bei Starkregen sorgen Bäume und anderes Grün dafür, dass das Wasser nicht direkt in die Kanalisation abgeleitet wird, die dann überläuft, sondern dass wir eine Art Zwischenspeichereffekt erhalten, weil ein Teil des Wassers erst einmal vom Grün aufgehalten wird“, erklärt er. Zudem würden Pflanzen durch ihre natürliche Verdunstung auch die Umgebung kühlen. Und zwar jede noch so kleine Fläche, jede begrünte Baumscheibe. Dass Bürger im Sommer aufgerufen sind, das städtische Grün zu wässern, hält er deshalb ebenfalls für eine gute Idee.

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Die Stadt Kaiserslautern hat zum Thema „Mehr Grün in die Stadt“ ein griffiges Ziel formuliert: 20 Bäume mehr als im Vorjahr sollen jährlich auf städtischen Flächen stehen – unterm Strich, also wenn man entfernte und neu gepflanzte Bäume gegeneinander aufrechnet. Diese Vorgabe steht im „Klak“, dem Klimaanpassungskonzept der Stadt, das seit 2019 in Kraft ist. Ob dieses Ziel in den bisherigen Jahren jeweils erreicht wurde, kann die Stadtverwaltung nicht sagen. Doch es ist auch nur einer von etlichen Punkten, die im Klak stehen.

So werden als weitere Stellschraube für das Innenstadt-Klima die Lauterer Schulhöfe genannt. Leuchtturmprojekt ist hier der Schulhof des Gymnasiums am Rittersberg, der grüner werden soll. Laut Sachstandsbericht haben die Arbeiten noch nicht begonnen.

Geld sparen mit einem begrünten Dach

Ein weiterer Punkt sind grünere Fassaden und Dächer in der Stadt. Wer das Dach eines Gebäudes zur Grünfläche macht, kann beispielsweise auf reduzierte Entwässerungsgebühren hoffen, und zwar je nach Ausführung um bis zu 90 Prozent. Bei einer Gebühr von 70 Cent pro Quadratmeter bebauter oder versiegelter Fläche können das mehrere Hundert Euro im Jahr sein.

Doch neben solchen langfristigen Maßnahmen verlangen immer häufigere und heftigere Hitzewellen auch nach kurzfristigen Plänen, um Bürger zu schützen, die Hitze nicht so gut vertragen. „Hitzeaktionsplan“ ist hier das Stichwort. Einen solchen hätten bisher die wenigsten deutschen Kommunen, bemängelte vor wenigen Tagen der Vorsitzende der Arbeitsgruppe Klimawandel der Bundesärztekammer, Gerald Quitterer. Ein Hitzeaktionsplan kann, folgt man der Empfehlung der Bundesregierung, ein umfangreiches Werk sein: Er reicht von Vorsichtsmaßnahmen für besonders gefährdete Gruppen wie ältere Leute bis hin zu Vorschlägen für die Stadtplanung – also Punkten, wie sie in den Klima-Plänen auftauchen.

Einen dezidierten Hitzeaktionsplan für akute Fälle hat Kaiserslautern bisher nicht. „Bei anstehender Hitzewarnung informieren wir über unsere Social-Media-Kanäle die Bevölkerung, wie sie sich schützen kann“, sagt die Stadtverwaltung. Weitere Ideen gebe es zwar, doch dafür fehlt derzeit das Geld.

Auch in Ludwigshafen macht man sich Gedanken darüber, wie die Stadt sich für ein extremeres Klima wappnen könnte. Ein Klimaanpassungskonzept mit integriertem Hitzeaktionsplan ist hier aber erst in der Planungsphase, teilt die Stadt mit. Derzeit warte man auf einen Förderbescheid vom Umweltministerium des Bundes. Voraussichtlich im ersten Quartal 2023 könne man dann mit der eigentlichen Arbeit beginnen.

Ein neuer Park für Ludwigshafen?

Wie lange es dauert, eine Stadt für den Klimawandel fit zu machen, sieht man in Ludwigshafen vor allem an den großen Bauvorhaben. Was die teilweise abgerissene Hochstraße Süd, die neu erstehen soll, mit dem Klima der Innenstadt gemacht hat beziehungsweise machen wird, dazu äußert sich die Stadt nicht. Sie verweist aber auf das Nachfolgeprojekt der Hochstraße Nord, die im Anschluss an das Großprojekt im Süden zurückgebaut und durch eine ebenerdige Straße ersetzt werden soll. Entlang dieser Helmut-Kohl-Allee soll dann auch ein neues Stadtquartier entstehen. „Aspekte des Klimaschutzes und der Ressourcenschonung, viel Grün und hohe Aufenthaltsqualität“ verspricht die Stadt, dort fest mit einzuplanen. Wie das dann am Ende aussieht, wird man frühestens in den 2030er Jahren sehen können – nach derzeitiger Planung soll die Straße dann fertig sein.

Weit vorher könnte sich die Chance bieten, eine grüne Lunge mitten in die Innenstadt zu pflanzen: Bekanntlich ist das „Metropol“-Bauprojekt am Berliner Platz gescheitert, der Plan also, dort ein riesiges, repräsentatives Hochhaus zu errichten. Zu dem bisher mehr im Scherz geäußerten Vorschlag, die seit Jahren an der Stelle klaffende Baugrube einfach mit Erde aufzufüllen und einen kleinen Park daraus zu machen, äußert sich die Verwaltung eher distanziert: Es sei hier zu früh, um Aussagen zur künftigen Nutzung der Fläche zu treffen.

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