Kaiserslautern Mehr Grün, mehr Straßengestaltung
Der Stadtrat wird in seiner Sitzung heute (15 Uhr, Rathaus) das Klimaanpassungskonzept der Stadt Kaiserslautern beschließen. Die Empfehlung dazu hat der Umweltausschuss bereits ausgesprochen, der sich in den vergangenen Monaten intensiv mit dem Thema beschäftigte. Fragen und Antworten zu dem 175 Seiten starken Konzept.
Der Masterplan setzt im Prinzip eine Stufe vor dem Klimaanpassungskonzept an. Darin geht es beispielsweise um Energieeinsparungen und umweltfreundliche Stromgewinnung, um Klimaschutz. Das Klimaanpassungskonzept dagegen beschreibt, wie mit den bereits spürbaren Veränderungen durch den Klimawandel umgegangen werden soll. Jeweils auf der Ebene der Stadtverwaltung mit ihren Referaten und Gesellschaften. Wer hat das Konzept aufgestellt? Daran beteiligt waren neben der Stadtverwaltung und der Stadtentwässerung Kaiserslautern auch drei Projektbüros. Ist das Konzept eine Antwort auf die beiden heftigen Unwetter und den heißen Sommer 2018? Bereits seit etwa eineinhalb Jahren wird daran gearbeitet, es ist – zu großen Teilen – aus den Ergebnissen der AG Extremwetterereignisse heraus entstanden, die ihrerseits 2016 gegründet wurde. Diese städtische Arbeitsgruppe, unter anderem mit Vertretern verschiedener Referate, Feuerwehr und Stadtentwässerung wird künftig die Umsetzung des Konzepts als AG Klimaanpassung begleiten. Wurden die Bürger mit einbezogen? Zusätzlich gab es verschiedene Formate zur Bürgerbeteiligung, beispielsweise zwei Workshops. Bei der Auftaktveranstaltung konnten Einwohner ebenfalls Ideen einbringen. Zwischen 35 und 50 Menschen nutzten die Angebote jeweils. Werden die Bürger weiter zu dem Thema gefragt? Jörg Zimmermann, Vorstand bei der Stadtentwässerung, sagte im Umweltausschuss, dass man in dem Bereich besser werden und mehr Menschen erreichen will. Vor allem bei jungen Leuten erhoffe man sich mehr Beteiligung. Gelegenheit dazu gibt’s beispielsweise am Donnerstag, 7. März, bei der Abschlussveranstaltung. Was hat Kaiserslautern mit dem Klimawandel zu tun? Seit Beginn der systematischen Wetteraufzeichnungen Ende des 19. Jahrhunderts ist die mittlere Jahrestemperatur um zwei Grad Celsius gestiegen, ebenso hat sich die jährliche Niederschlagsmenge deutlich erhöht. Zudem ist die Anzahl der Sommertage im Jahr (mit Temperaturen über 25 Grad) seit 1951 um 28 gestiegen. Die Prognosen für die kommenden Jahre und Jahrzehnte zeigen eine Verschärfung dieser Tendenzen. Was steht in dem Konzept? Das Klimaanpassungskonzept zeigt nun ganz konkret, wie die Stadt vom Klimawandel betroffen sein wird. Etwa, welche Teile der Stadt und welche Straßenzüge im Sommer zu sogenannten Hot-Spots werden, die sich nachts nicht wesentlich abkühlen. Dazu zählen unter anderem der Innenstadtbereich um die Kerststraße und der Bereich um den Stiftsplatz. Das Konzept und die dafür entwickelten Karten zeigen auch, welche Bereiche der Stadt bei Starkregen besonders betroffen sind – etwa die Fruchthallstraße / Burgstraße / Maxstraße, der Bereich Engelshof oder auch Straßen in den Ortsteilen. Wo gibt es die Karten zu sehen? Derzeit noch nicht. Der Datenschutzbeauftragte der Stadtverwaltung prüfe noch, ob sie öffentlich zugänglich gemacht werden, erklärt Bettina Dech-Pschorn, Leiterin des Referats Umwelt: „Da einzelne Häuser und ihre Lage genau zu erkennen sind, könnte eine Veröffentlichung Auswirkungen auf die Versicherung oder den Wert eines Grundstückes haben. Deswegen wird das gerade geprüft.“ Welchen Nutzen haben die Bürger vom Klimaanpassungskonzept? Es sind für die kommenden Monate und Jahre vier Kernziele mit insgesamt 18 Maßnahmen in dem Papier festgeschrieben worden. Die Schwerpunkte der Kernziele stecken in ihren Namen: „Hitze mindern – Grün schaffen!“, „Schäden bei Starkregen minimieren!“, „Klimaanpassung organisieren!“ und „Bürger und Unternehmen aktiv einbinden!“ Was sind das für Maßnahmen? Da geht es beispielsweise darum, in Ecken der Stadt ohne nennenswerte Grünflächen für solche zu sorgen. Das müssen keine großen Parkanlagen sein, sondern könnten sogenannte Pocket-Parks werden, die auf kleinsten Flächen Grün bieten und zur Entsiegelung beitragen. Dach- und Fassadenbegrünungen sollen ebenfalls gefördert werden – auch finanziell, etwa durch geringere Niederschlagswassergebühren bei Gründächern. Starkregen waren im vergangenen Jahr neben der Hitze in Sachen Wetter tonangebend. Was tut sich da? Unter anderem werden der Hochwasserschutz an Fließgewässern und Gewässerrenaturierung fortgesetzt oder Straßen – im Rahmen des Möglichen – so gestaltet, dass Regenwasser auf Grünflächen versickern oder gezielt abfließen kann. Jörg Zimmermann: „Das ist ein Beispiel par excellence für den Spagat, den wir bei vielen Maßnahmen schaffen müssen. Denn ein oft überschaubares Platzangebot, die Straße, soll möglichst viele Aufgaben übernehmen.“ Sie müsse nicht nur den Verkehrsfluss übernehmen, sondern zunehmend auch gestalterische und klimatische Wirkung entfalten. Das Konzept wird heute von den Ratsmitgliedern im Stadtrat verabschiedet - wer kümmert sich um die Umsetzung? Bei jeder Maßnahme ist konkret eine zuständige Stelle geplant – neben dem Referat Umweltschutz die Abteilungen Grünflächen, Stadtentwicklung und Tiefbau, die Feuerwehr, außerdem die Stadtentwässerung. Die AG Klimaanpassung wird die Umsetzung weiter begleiten. Wohin wende ich mich bei einer Frage zum Klimaanpassungskonzept? Auf der Internetseite des Umweltamts sind verschiedene Kontaktmöglichkeiten zu finden: https://www.kaiserslautern.de/ sozial_leben_wohnen/umwelt/ klimaanpassung/. Quelle: Klimaanpassungskonzept der Stadt Kaiserslautern.