Zweibrücken RHEINPFALZ Plus Artikel Zweibrücker SPD: Harte Worte an die Berliner Genossen

Als Sitzungsleiter kehrte Urgestein Carlos Pendon-Reyes (links) nach längerer Abstinenz wieder in seine „Zweibrücker SPD-Familie
Als Sitzungsleiter kehrte Urgestein Carlos Pendon-Reyes (links) nach längerer Abstinenz wieder in seine »Zweibrücker SPD-Familie« um Stéphane Moulin zurück, wie er sagte. Rechts die Landtagsabgeordnete Daniela Stauch.

Die Zweibrücker SPD ist bei einer Konferenz in Rimschweiler hart mit ihrer Bundespartei ins Gericht gegangen. Der Stadtvorsitzende warnt vor drohender Bedeutungslosigkeit.

Stéphane Moulin bleibt Vorsitzender des SPD-Stadtverbandes Zweibrücken. Der Kommunalpolitiker, der auch Fraktionschef im Stadtrat ist, wurde auf einer Delegiertenkonferenz am Donnerstagabend im Gasthaus „Zur Post“ in Rimschweiler einstimmig für eine weitere zweijährige Amtszeit wiedergewählt. Mit den schlechten Wahlergebnissen, die seine Partei derzeit regional und überregional einfährt, will er sich nicht abfinden: „Wir müssen wieder mehr zuhören und dorthin gehen, wo die Leute sind.“

Einstimmig wählten die Delegierten zwei gleichberechtigte stellvertretende Vorsitzende. Während Marold Wosnitza sein Amt behält, hatte Rebecca Dahler, geborene Wendel, nicht mehr kandidiert: Stéphane Moulin sagte, dies sei Dahlers Rolle als junge Mutter geschuldet. Ihre Nachfolge tritt Julia Starck an, die als hauptamtliche Mitarbeiterin beim SPD-Landesverband Rheinland-Pfalz mit der Materie vertraut ist.

Spitzen gegen die Konkurrenz von der CDU

Moulin gestand, dass er die Große Koalition im Bund skeptisch sehe. Schlechte Nachrichten aus Berlin kreide der Wähler vor allem der SPD an. „Wenn wir nicht aufpassen, droht uns die politische Bedeutungslosigkeit“, verwies der Vorsitzende auf Umfragen, die die Sozialdemokratie nur noch bei knapp zwölf Prozent sehen. „Unsere Abgeordnete Angelika Glöckner muss das kritische Feedback von der Zweibrücker Basis nach Berlin mitnehmen.“

Geführt wird die Zweibrücker SPD vom Vorsitzenden Stéphane Moulin (links) und seinen Stellvertretern Julia Starck und Marold Wos
Geführt wird die Zweibrücker SPD vom Vorsitzenden Stéphane Moulin (links) und seinen Stellvertretern Julia Starck und Marold Wosnitza.

Stolz mache es Moulin, dass die SPD bei der Landtagswahl zumindest in Zweibrücken die meisten Stimmen errungen hat. Christoph Gensch von der CDU-Konkurrenz, der den direkten Wiedereinzug in den Landtag geschafft hat, werde dort als neuer Fraktionsvorsitzender „weniger Zeit haben, um seinen Heimatwahlkreis zu vertreten“. Marold Wosnitzas Wiederwahl als Zweibrücker Oberbürgermeister fasste Stéphane Moulin prägnant zusammen: „Guter Kandidat, Super-Team, prima Ergebnis.“ Zu Wosnitza sagte er, dessen Wahlprogramm habe die Zweibrücker überzeugt. „Böse Zungen behaupten, du warst ja eh der einzige Kandidat, der überhaupt mit einem Programm angetreten ist.“

Auch Wosnitza äußert sich kritisch

Marold Wosnitza erinnerte an den Wahlkampf, bei dem es nicht nur um den Landtag ging, sondern auch um die Frage, wer künftig Zweibrücker Oberbürgermeister sein soll. „Dieser Doppelwahlkampf war für uns nicht einfach. Oft mussten wir zugleich die Position der Stadt als auch des Landes vertreten.“ Die Bundespolitik mache es den Genossen vor Ort nicht leicht: „Wir brauchen in Berlin wieder eine Linie, bei der die Leute verstehen können, wo es hingehen soll.“

Mit Blick auf die Arbeitsplätze, die in diesen Tagen in seiner Stadt verlorengehen, bemerkte der Oberbürgermeister: „Die schwierige Gesamtwirtschaftlage schlägt jetzt auf Zweibrücken durch.“ Immerhin sei am Dienstag bei Amazon der 270. Arbeitsvertrag für die Logistikhalle auf dem Steitzhof unterschrieben worden. „Das gleicht die Fachkraftverluste bei Siempelkamp/Pallmann und Schliessmeyer natürlich nicht aus. Trotzdem ist es ein wichtiges Signal für Zweibrücken. Lassen wir unsere Stadt und unser Land nicht kaputtreden.“

Hausaufgaben für die Zeit bis 2029

Die nächsten Bundestags- und Kommunalwahlen stehen erst 2029 an. „Bis dahin dürfen wir uns nicht ausruhen, sondern müssen bei der Parteiarbeit noch zulegen“, gab Stéphane Moulin den Genossen mit auf den Weg. „Wir wollen wieder regelmäßig mit Ständen in der Fußgängerzone Präsenz zeigen und die Arbeit in unseren sechs Zweibrücker Ortsvereinen weiter stärken.“ An populären Aktionen wie der Beteiligung an Weihnachtsmarkt, Stadtfest und Fasnachtsumzug werde festgehalten.

SPD Zweibrücken: Der neue Vorstand

Vorsitzender: Stéphane Moulin. Stellvertreter: Julia Starck, Marold Wosnitza. Kassierer: Florian Meyer. Schriftführerin: Pervin Taze. Beisitzer: Jörg Eschmann, Florian Faust, Klaus Fuhrmann, Sabine Graßhoff, Marcel Kiefer, Gerhard Maurer, Willi Richter, Walter Rimbrecht, Amelie Rothhaar, Martina Sand, Maren Schmidt, Sarah Stark, Adriana Storero. Kassenprüfer: Frank Schmid, Wolfgang Schneider.

Von links: Adriana Storero, Daniela Stauch (nicht Mitglied im Stadtvorstand), Walter Rimbrecht, Pervin Taze, Willi Richter, Mare
Von links: Adriana Storero, Daniela Stauch (nicht Mitglied im Stadtvorstand), Walter Rimbrecht, Pervin Taze, Willi Richter, Maren Schmidt, Julia Starck, Sabine Graßhoff, Florian Mayer, Klaus Fuhrmann, Jörg Eschmann, Gerhard Maurer, Florian Faust, Sarah Stark, Marold Wosnitza, Stéphane Moulin. Es fehlen die beiden Beisitzerinnen Amelie Rothhaar und Martina Sand.
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