Zweibrücken Firma Schliessmeyer vor dem Aus: 60 Mitarbeiter betroffen

Der Kunststoff verarbeitende Betrieb Schliessmeyer ist am Zweibrücker Funkturm ansässig.
Der Kunststoff verarbeitende Betrieb Schliessmeyer ist am Zweibrücker Funkturm ansässig.

Der schwedische Konzern, der erst kürzlich die Zweibrücker Firma Schliessmeyer übernommen hat, hat deren Schließung und die Verlagerung der Produktion ins Ausland beschlossen.

Die Ankündigung eines einschneidenden Stellenabbaus bei Siempelkamp (früher Pallmann) bleibt nicht die einzige Hiobsbotschaft aus der mittelständischen Industrie in Zweibrücken. Mitarbeiter der Schliessmeyer GmbH berichten der RHEINPFALZ vom bevorstehenden Aus für den traditionsreichen Kunststoffverarbeiter am Zweibrücker Funkturm. Demnach schließt die Firma zum Jahresende; alle etwa 60 Beschäftigten verlieren ihre Arbeit dort. Nach Auskunft mehrerer Betroffener, die nicht mit Namen in der Zeitung genannt werden möchten, sind die Auftragsbücher nach wie vor voll. Noch seien nicht alle Kündigungen ausgesprochen.

Beabsichtigt ist offenbar die Auslagerung der Produktionskapazitäten nach Osteuropa. Der schwedische Kunststoffkonzern KB Components, der Schliessmeyer vor gut sechs Monaten übernommen hat, besitzt Fabriken unter anderem in Litauen, Estland, Polen und der Slowakei. Am Montag, so die Schliessmeyer-Mitarbeiter, habe der Abzug erster Spritzgussmaschinen aus dem Zweibrücker Werk begonnen.

Früherem Eigentümer tut es für die Betroffenen leid

Auf Anfrage bestätigt Jens Schließmeyer, Geschäftsführer und Inhaber des Unternehmens von 1993 bis 2016, dass das Personal auf einer Betriebsversammlung im April über die Schließung zum Jahresende informiert wurde. „Es ist eine schwierige Zeit für die Auto-Zulieferindustrie in Deutschland“, möchte Schließmeyer sich nicht anmaßen, zehn Jahre nach seinem Ausscheiden die „wirtschaftliche Entscheidung“ der neuen Eigentümer zu kritisieren. Der Betrieb sei sehr energieintensiv, und angesichts hoher Kosten und strenger Auflagen sei das Umfeld in Deutschland schwierig. „Für die betroffenen Mitarbeiter tut es mir furchtbar leid“, hat Schließmeyer das Personal als „stets super-engagiert“ in Erinnerung. „Ich drücke allen die Daumen, dass sie bald etwas Neues finden. Viele kenne ich ja noch aus meiner eigenen Zeit in der Firma.“

1962 hatte sein Vater Jakob Schließmeyer das Unternehmen als Zulieferbetrieb für die südwestpfälzische Schuhindustrie gegründet. Auf ihrer Internetseite stellt sich die Firma als „Spritzgieß-Experte durch jahrzehntelange Erfahrung“ vor; man baue „auf ein unübertroffenes Fachwissen unserer langjährigen Mitarbeiter“. Auf 4000 Quadratmetern Produktionsfläche werden Kunststoffspritzguss-Bauteile mithilfe moderner Spritzgießautomaten gefertigt. Das Profil des Unternehmens umfasst zudem die Herstellung von Flexteilen aus thermoplastischen Kunststoffen sowie messgenauen Prüflehren, den effizienten Ersatz von Metall durch Kunststoffe und außerdem den Werkzeugbau sowie die Veredelung von Kunststoffoberflächen.

Hohe Reaktions- und Innovationsfähigkeit

Als sich innerhalb seiner Familie niemand mehr für die Unternehmensnachfolge fand, verkaufte Jens Schließmeyer den Betrieb 2016 an die Ernst & Cie AG aus dem westpfälzischen Trippstadt. Für die Firmengebäude am Funkturm, die weiterhin der Familie gehören, wurde ein langfristiger Mietvertrag mit den Ernst-Geschäftsführern Armin Henning und Jürgen Brand abgeschlossen. 2020 kaufte die Schliessmeyer GmbH die Firmen Spectrum GmbH Kunststofftechnik (Lichtenau/Bayern) und Spritzgussa Plastics in Wannweil bei Reutlingen hinzu. Seither bildeten die drei Unternehmen die Ernst Plastics Group mit zusammen 126 Mitarbeitern und gut 50 Spritzgießmaschinen.

Wie die meisten Automobilzulieferer musste auch die Schliessmeyer GmbH im Corona-Jahr 2020 einen erheblichen Beschäftigungsrückgang verkraften. Damals wurde Personal in Kurzarbeit geschickt. Zugleich bewies das Zweibrücker Unternehmen seine Reaktions- und Innovationsfähigkeit, indem es als Beitrag zur Bekämpfung der Pandemie eine wiederverwendbare Schutzmaske aus Kunststoff am Markt platzierte.

KB spricht von Stärkung der Präsenz in Europa

Für das Jahr 2024 wurde für die drei Ernst-Schwesterfirmen Schliessmeyer, Spectrum und Spritzgussa ein Umsatz von rund 13,7 Millionen Euro gemeldet. Zu den Kunden gehörten führende Unternehmen wie Mercedes-Benz, John Deere, Mann + Hummel, Beiersdorf und Mars. Im Oktober 2025 wurde die Firma Schliessmeyer mit ihren beiden Schwesterunternehmen an KB Components verkauft.

Magnus Andersson, Präsident und Hauptgeschäftsführer der neuen schwedischen Mutter, skizzierte in einer Mitteilung vom 12. November 2025 den Zukauf der Ernst Plastics Group als „wichtigen Schritt zur Stärkung unserer Präsenz in Europa und zur Ausweitung unseres Kundenportfolios in Schlüsselsegmenten“ wie Automobil- und Filtertechnik sowie Konsumgüter.

Schwedische Mutter mit 14 internationalen Standorten

KB Components, 1947 im schwedischen Örkelljunga gegründet, agiert am Weltmarkt als Hersteller von Kunststoffteilen. Die Gruppe mit aktuell 14 Standorten in Europa, den USA, Mexiko, Indien und China arbeitet nach eigenen Angaben für gut 1000 Kunden im Auto-Zuliefersektor, in der Medizintechnik und anderen Industriebranchen. Mitte 2025 waren weltweit rund 2000 Beschäftigte für KB Components tätig.

Unter den 14 internationalen Fabriken der KB-Gruppe sind auch die Standorte im litauischen Kaunas und in Zilina/Slowakei. In diese beiden Niederlassungen soll das Produktions- und Auftragsvolumen von Schliessmeyer nach RHEINPFALZ-Informationen ausgelagert werden.

Gewerkschaft: Es gibt keinen Betriebsrat

Die bevorstehende Schließung des Zweibrücker Standorts ist auch in der Geschäftsstelle Homburg-Saarpfalz der IG Metall bekannt. Auf Anfrage wies ein Sprecher der Gewerkschaft darauf hin, dass die betroffenen Mitarbeiter wenig Gelegenheit zur Mitsprache hätten, da es bei Schliessmeyer in Zweibrücken keinen Betriebsrat gebe.

Standortleiter Armin Henning war bis Redaktionsschluss für die RHEINPFALZ nicht erreichbar. Im Werk hieß es, er sei „in diesen Tagen ständig in Meetings“. Unbeantwortet blieb auch eine Bitte um Stellungnahme bei KB Components in Schweden.

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