Zweibrücken
Angst um Jobs: Bei Pallmann sollen bis zu 129 Stellen wegfallen
„Als in der Betriebsversammlung die Bombe platzte und diese Zahl im Raum stand, war der Schock bei den Beschäftigten groß. Die Leute brauchen noch lange, um das zu verdauen.“ Salvatore Vicari, Zweiter Bevollmächtigter der Gewerkschaft IG Metall im Geschäftsstellenbereich Homburg-Saarpfalz, berichtete am Dienstag der RHEINPFALZ, was den Beschäftigten bei Siempelkamp, früher Pallmann, zuvor in einer Betriebsversammlung mitgeteilt worden war.
Demnach plant die Geschäftsführung in der Krefelder Siempelkamp-Konzernzentrale, an ihrem 2017 zugekauften Standort Zweibrücken bis zu 129 der heute noch 282 Arbeitsplätze abzubauen. „Zudem erklärte ein Vertreter der Geschäftsführung am Dienstag, dass die Eigenfertigung in Zweibrücken komplett aufgegeben werden soll.“ In dem landläufig im Sprachgebrauch noch immer als Pallmann bekannten Werk in Bubenhausen sollen künftig nur noch die Endmontage und Serviceleistungen verbleiben. „Damit würde hier die über Jahrzehnte aufgebaute technische Kernkompetenz des Standorts abgestoßen – zusammen mit dem unersetzlichen Know-how der Beschäftigten“, bekundet der Gewerkschaftsfunktionär sein Unverständnis.
Schon seit Monaten Kurzarbeit
Bis zu welchem Datum dieses Szenario in die Realität umgesetzt werden soll, sei in der Versammlung nicht gesagt worden. Der Arbeitgeber begründe seine Absicht für „weitreichende Restrukturierungen“ mit einer anhaltenden Flaute am Weltmarkt. Schon seit den Zeiten, als das Zweibrücker Werk noch Pallmann hieß, gilt der Betrieb als führender Hersteller von Maschinen und Mühlen für die Zerkleinerung und das Recycling von Materialien wie Kunst-, Wert- und Reststoffen, der Aufbereitung von Lebensmitteln, der Pharmazie, der chemischen und der Holzindustrie. Gerade der letztgenannte Bereich steckt in der Krise. Der Konkurrenzdruck durch Maschinen aus China macht dem Konzern zu schaffen. Angesichts der Lage herrscht in der Zweibrücker Siempelkamp-Fabrik schon seit Monaten Kurzarbeit.
„Dass sich bei Pallmann etwas anbahnen würde, hatten wir geahnt“, so der Gewerkschafter. „Aber dass es so dick kommen würde, wussten wir vorher nicht.“ In Absprache mit dem Betriebsrat um dessen Vorsitzenden Klaus Fuhrmann gibt Salvatore Vicari Inhalte aus der Betriebsversammlung vom Dienstagmittag wieder. Diese war – wie das üblich ist – nur für Beschäftigte zugänglich, nicht für die Presse.
Sie wollen um das Zweibrücker Werk kämpfen
„Wie soll es in Zukunft weitergehen, wenn es hier in Zweibrücken keine Eigenfertigung von Mühlen und Zerkleinerungsanlagen mehr gibt?“, fragt Salvatore Vicari und erinnert daran, dass das Werksgelände noch immer nicht ins Eigentum von Siempelkamp übergegangen ist. Noch immer werde in der Fabrik auf Grundlage eines Mietvertrages gearbeitet.
Inzwischen haben Betriebsrat und IG Metall die renommierte Mainzer Unternehmensberatung TBS ins Boot geholt. Deren Fachleute sollen dabei helfen, gemeinsam mit der Belegschaft ein alternatives Konzept für den Standort auszuarbeiten, auf dessen Grundlage der Bestand des Werks und der Erhalt möglichst vieler Arbeitsplätze gesichert werden kann.
„Parallel dazu gehen wir jetzt mit der Geschäftsführung in Gespräche über einen Sozialplan und einen Interessensausgleich“, erklärt Vicari.
Außenstelle in Pirmasens
Die Geschäftsstelle Homburg-Saarpfalz der IG Metall vertritt die Interessen der Beschäftigten in der Metallindustrie in einem Gebiet, das sich von Homburg über Zweibrücken und Pirmasens bis nach Dahn weit in die Südwestpfalz erstreckt. Zuletzt hatte sie eine führende Rolle im Arbeitskampf bei Tadano in Zweibrücken gespielt. Während die Homburger Zentrale für die Metaller aus dem Raum Zweibrücken gut erreichbar ist, sind die Wege für die Kollegen aus der östlichen Südwestpfalz in die saarpfälzische Kreisstadt weiter. Deshalb eröffnet die IG Metall Homburg-Saarpfalz am Mittwoch, 4. Juni, eine Außenstelle in Pirmasens, Blocksbergstraße 54. „Hier wollen wir den Ansprüchen und Wünschen unserer Mitglieder in Pirmasens und im Umland noch besser gerecht werden“, sagt Vicari und ergänzt, dass die neue Außenstelle gegenüber dem Pirmasenser Messplatz mittwochs von 11 bis 15.30 Uhr geöffnet sein werde – an anderen Tagen nach Absprache.
Eine Bitte der RHEINPFALZ um Stellungnahme bei der Siempelkamp-Geschäftsführung in Krefeld blieb bis Dienstagabend unbeantwortet.